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Autor mit Abschluss

LEIPZIG.  Im deutschsprachigen Raum gibt es vier Bachelorstudiengänge rund ums Schreiben

Mit dem Berufswunsch Schriftsteller kommen immer wieder Schüler zu Berufsberaterin Mandy Rüsch. Rüsch arbeitet in der Arbeitsagentur in Leipzig und unterstützt dort Gymnasiasten bei der Berufswahl. "Neulich kam ein Mädchen, das mit seinen Texten für sein Alter schon viel Erfolg gehabt hat", so Rüsch. Sie hatte einen Kurzgeschichtenwettbewerb für Schüler gewonnen und sogar ein Buch veröffentlicht. "In so einem Fall, wenn jemand wirklich nur schreiben will, bietet sich ein Bachelor für Kreatives Schreiben an."

Das Schreiben von Romanen lässt sich nämlich studieren. Es gibt dabei nicht nur unzählige Angebote rund um das Thema Literatur. Im deutschsprachigen Raum bieten vier Universitäten auch die Möglichkeit, einen Bachelor im Bereich Kreatives Schreiben zu machen. In Deutschland bieten die Universitäten in Hildesheim und Leipzig entsprechende Studiengänge an. Dazu kommen das Institut für Sprachkunst an der Kunsthochschule in Wien sowie die Universität in Bern in der Schweiz.

Auch wenn sich die Studiengänge im Detail unterscheiden: An allen Universitäten werden die Hochschüler in Lyrik, Prosa und Dramatik unterrichtet. Überall probieren sie sich in Schreibwerkstätten aus und besprechen anschließend ihre Texte. "Im ersten Semester sind das in Hildesheim ganz kleine Sachen", sagt Stephan Porombka vom Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim. "Am Anfang übt man Sätze oder kleine Szenen. Man stellt sich etwa an den Bahnhof und hört nur zu und protokolliert." Später kommen dann Kurzgeschichten oder Novellen.

Doch einen der Studienplätze in den wenigen Bachelorstudiengängen zu bekommen, ist nicht leicht. "In Leipzig nehmen wir jedes Jahr 20 bis 25 Studenten im Bachelor auf", so Hans-Ulrich Treichel vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Zahl der Bewerbungen schwanke zwischen 400 und 600. In Hildesheim werden 20 bis 25 Studenten aufgenommen. Es gibt allerdings nur rund 300 Bewerber.

Das Auswahlverfahren ist in beiden Institutionen zweistufig. Bewerber schicken zunächst einen oder mehrere Texte ein. Vorgaben hinsichtlich Thema und Gattung des Textes gibt es nicht. Lediglich eine Maximallänge von 20 Seiten darf nicht überschritten werden. "Man schaut dann: Ist in einem Text eine literarische Begabung zu erkennen", sagt Treichel. Wenn ja, werden die Kandidaten in die zweite Runde zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Den Vorteil des Bachelors sieht Treichel darin, dass die Studenten in den drei Jahren bis zum Abschluss herausfinden können, ob die Begabung zum Schriftsteller ausreicht. Doch wie alle Kunststudiengänge sei auch der Bachelor Literarisches Schreiben ein Risikostudiengang, erklärt Treichel. Eine Garantie, mit dem Abschluss einen Job zu finden, gebe es nicht. Und allein vom Schreiben kann kaum ein Schriftsteller leben.

Mandy Rüsch rät daher allen, möglichst früh die rosarote Brille abzulegen. "Viele stellen sich den Beruf so schön vor. Aber sie sehen überhaupt nicht den Biss, den es braucht, um sich in dieser Welt zu behaupten." Am besten sei es daher, sich schnell ein realistisches Bild vom Literaturbetrieb zu machen. Eine Möglichkeit sei etwa, Kontakt zu einem Schriftsteller aus der Region aufzunehmen. Da nur wenige Schriftsteller vom Schreiben leben können, arbeiteten einige nebenbei als Lektor in einem Verlag. Deshalb rät sie, schon zur Schulzeit dort ein Praktikum zu machen. Und schließlich schade auch ein Praktikum in einer Buchhandlung nicht. dpa

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