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Warnstreik bei Coca-Cola
Apollinaris-Belegschaft legte Betrieb für Stunden lahm
Von Günther Schmitt
BAD NEUENAHR. Besser kann es für eine Gewerkschaft kaum laufen. 85 Prozent der rund 300 Coca-Cola-Mitarbeiter am Standort Bad Neuenahr sind gewerkschaftlich organisiert und haben mit einem Warnstreik den seit 2006 zu dem amerikanischen Konzern gehörenden Apollinaris-Brunnen lahmgelegt.
Zum Warnstreik hatten die Mitarbeiter des zu Coca-Cola gehörenden Apollinaris-Brunnens gestern Mittag das Bad Neuenahrer Werk verlassen. Foto: Martin Gausmann
Betroffen waren nach Angaben von Betriebsratschef Daniele Fiumara neben der Produktion auch die Verladung und die EDV. Im Klartext: Obwohl Lkw auf Lkw mit Leergut angefahren kam, verließ über Stunden kein neu beladener Truck das Werksgelände.
Rund 150 Mitarbeiter aus Früh- und Spätschicht waren dem Aufruf der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gefolgt und wollten mit ihrer Aktion Druck wegen der heute in Berlin beginnenden Tarifverhandlungen machen.
Wie Roland Henn, NGG-Geschäftsführer Mittelrhein, dem GA vor dem Werkstor in Bad Neuenahr erklärte, fordert seine Gewerkschaft sechs Prozent mehr Lohn für die mehr als 10.000 Coca-Cola-Mitarbeiter an den 50 Standorten in Deutschland. Dafür streikten befristet auch die Mitarbeiter der Werke in Saarbrücken und Kenn bei Trier.
Schon am Freitag hatte Joachim Reidenbach seine Belegschaft in Kaiserslautern auf die Straße geholt. Gestern erklärte sich der Betriebsratsvorsitzende, der auch Mitglied der Großen Tarifkommission ist, mit seinen Kollegen an der Ahr solidarisch: "Es ist eine bodenlose Frechheit, Mitarbeiter mit Dumpinglöhnen abspeisen zu wollen und gleichzeitig 600 Millionen Euro Gewinn für 2012 nach Atlanta zu überweisen", sagte er in Bad Neuenahr dem GA.
Am Dienstag fliegt er zu den Verhandlungen nach Berlin. "Das Angebot von Coca-Cola, 2,5 Prozent im ersten und dann noch mal zwei Prozent Erhöhung im zweiten Jahr, ist mit uns nicht zu machen", betonte der Gewerkschafter.
Die Geschäftsführung fordere zudem eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit und drohe auch mit Stellenabbau, trotz des positiven Geschäftsergebnisses. Reidenbach: "Wir sind entschlossen, auch mit unbefristeten Streiks unsere Forderungen durchzusetzen."
Roland Henn ergänzte zudem, dass eine "Aushöhlung der Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates" nach amerikanischem Modell von der Belegschaft nicht hingenommen werde. "Das widerspricht deutschen Gesetzen", fanden denn auch die mit Streikwesten, roten NGG-Kappen und Trillerpfeifen ausgerüsteten Mitarbeiter.
"Warnstreiks sind legitim", kommentierte ein Leitender Angestellter in Bad Neuenahr das Geschehen. Die Chefetage hatte schon zu Beginn der Frühschicht mit dem Ausstand gerechnet.
Artikel vom 29.01.2013
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