Sternmarsch zum Panoramablick

Wanderverein erklimmt Wachtberger Höhe

Wachtberg. Der Wachtberger Wanderverein begrüßte viele Gäste auf dem höchsten Punkt der Gemeinde. Gemeinsam feierten sie dort Wachtbergs 50-jähriges Bestehen.

Nein, den Sternenhimmel konnte man auf der Wachtberger Höhe am Sonntagmittag nicht sehen. Tatsächlich, erzählte Ernst Picard vom Wachtberger Wanderverein, habe auf die Ankündigung einer Sternwanderung dorthin jemand bei der Gemeinde angefragt, warum man von dem Aussichtspunkt aus tagsüber Sterne beobachten könne. Gemeint war aber natürlich, dass die Teilnehmer aus allen Richtungen und allen Dörfern der Gemeinde zu diesem Ziel spazieren sollten, um dort gemeinsam den Abschluss der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Gemeinde Wachtberg zu begehen.

„Hier kommt zusammen, was zusammengehört“, sagte Picard, Gründungs- und Ehrenvorsitzender des Wandervereins. Der sehe sich bewusst als Verein, der in ganz Wachtberg zu Hause sei. „Ich vermisse manchmal das Miteinander“, meinte er. „Jeder lebt nur noch sein eigenes Leben. Wir müssen mehr zueinanderfinden und die Reserviertheit abbauen.“ Deshalb freute er sich, dass so viele Menschen aus unterschiedlichen Dörfern gekommen waren – und nicht nur wanderfreudige Vereinsmitglieder.

Alle Altersgruppen waren vertreten, aber nur sehr wenige, die die Gebietsreform vor 50 Jahren als betroffene Dorfbewohner miterlebt haben. Landwirt Georg Weber etwa, ein alteingesessener Werthhovener. Er sei damals für die Reform gewesen, die 13 Dörfer zu einer Gemeinde zusammenschloss. „Das Kleinkarierte hat keine Zukunft“, fand er schon zu jener Zeit. „Man muss ja mit der Zeit gehen.“ Und da sah er sein Heimatdorf in der Gemeinde Wachtberg am besten aufgehoben. Er sei zufrieden damit, wie diese sich entwickelt habe, so der 80-Jährige. Er würde sich nur eins wünschen: „Die Leute müssten mehr Verständnis für die Interessen der Landwirte haben. Dafür, dass die ohne Hagelnetze und Folientunnel nicht mehr die entsprechenden Erträge haben.“

Er gehörte zu den ältesten Teilnehmern, Anouk war die Jüngste, sie kann gerade laufen. Ihre Mutter Silvia Parting lebt seit der Geburt in Wachtberg und will auch dort bleiben, weil die Großfamilie dort ist. „Und das hat mir gut getan, das will ich meinen Kindern auch bieten.“ Ihr Mann Marcel ist vor acht Jahren zu ihr ins Drachenfelser Ländchen gezogen, und für ihn als Bonner war das Ländliche schon eine Umstellung, an die er sich aber inzwischen gewöhnt hat. „Das ist eine familienfreundliche Gegend, man ist schnell in der Natur.“ Dafür nehme er auch in Kauf, dass er zur Arbeit nach Köln etwas länger fahren muss.

Musikalische Begrüßung an der Spitze

Die meisten Wanderer waren Zugezogene – wie Brigitte Uhl. Die gebürtige Wienerin kam vor 50 Jahren zeitgleich mit der Gebietsreform nach Wachtberg. Vorher hatte sie schon in Süddeutschland auf dem Land gelebt. „Das wollte ich eigentlich nicht mehr.“ Den Umzug nach Niederbachem habe sie aber nicht bereut. Dort und generell in Wachtberg fühle sie sich wohl. Nur die Busanbindung könne noch besser sein, meinte sie, auch die Straßenverhältnisse.

Die Wanderer, die vom Einkaufszentrum Berkum oder vom Parkplatz am Fraunhofer Institut, aus Werthhoven oder Fritzdorf zur Wachtberger Höhe kamen, wurden auf der mit 269 Metern höchsten Erhebung am Rande des Gemeindegebietes mit Musik von den Berkumer Dorfmusikanten begrüßt. Außerdem reichte der Bürgerverein Werthhoven, der Bierzeltgarnituren und Stehtische mitgebracht hatte, einen Begrüßungssekt. Picard und seine Nachfolgerin, die jetzige Wandervereinsvorsitzende Anne Dahmen, stellten den Platz vor, den der Verein 2012 anlässlich seines zehnjährigen Bestehens angeregt hatte.

Seit 2016 stehen dort zwei Bänke unter neu gepflanzten Obstbäumen, und man hat einen tollen Blick auf Siebengebirge, die Ausläufer des Westerwaldes und zwischen den Obstbaumplantagen hindurch auf die Voreifel. Vor dieser schönen Kulisse wurde angeregt bei Getränken und Brezeln geklönt. Der Wanderverein hatte auch zum 40-jährigen Bestehen der Gemeinde Wachtberg schon eine Sternwanderung organisiert. Jetzt sei das Tradition, so Picard. Dann also bis in zehn Jahren.