Freundschaftsprojekt Druschba

Wachtberger fahren 5500 Kilometer bis nach Russland

Villiprott. Das Wachtberger Ehepaar Monika Engwald und Ulrich Burger-Engwald hat sich auf eine Freundschaftsfahrt bis nach Russland begeben. Auf ihrer Fahrt haben sie atemberaubende Landschaften und die Gastfreundschaft der Russen kennen gelernt.

5500 Kilometer von Berlin aus durch den Nordwesten Russlands. „Ich hätte nie im Traum daran gedacht, mit dem Auto dorthin zu fahren“, sagt Ulrich Burger-Engwald. Er und seine Frau Monika, gerade nach Villiprott heimgekehrt, sind tief beeindruckt von dem weiten Land und vor allem von den Menschen dort. Von Anfang an ging es den beiden um Völkerverständigung – und sie wurden nicht enttäuscht.

„Anlass dieser Reise war, dass wir unglücklich waren über die zunehmende Entfremdung zu Russland und den Menschen dort“, sagt Monika Engwald (61). Dabei habe sie selbst als 14-Jährige von der Ostpolitik Willy Brandts profitiert, als sie mit ihrer Klasse – mitten im Kalten Krieg – nach Moskau fuhr. Zwei Jahre später dann noch einmal nach Leningrad, das heutige Sankt Petersburg. „Mich bedrückt, dass sich die Situation heute so zugespitzt hat“, sagt die Wachtbergerin zum heutigen Russlandbild. Dann las sie das letzte Interview von Hans Dietrich Genscher, dem 2016 gestorbenen Wachtberger Ehrenbürger, in dem er für eine Kooperation der Staaten plädierte und sich gegen Konfrontationen aussprach. Ihre Idee: „Wir wollen selbst was tun, um die Entfremdung zu überwinden.“

Das Ehepaar fuhr an riesigen Seen und Wäldern vorbei

Im Internet stießen die Engwalds auf die Freundschaftsfahrt Druschba, an der bis vergangenes Wochenende 350 Menschen aus 15 europäischen Staaten teilnahmen – der Jüngste war sechs Monate, der Älteste 80 Jahre alt. Sie alle wählten sich eine von sieben Routen aus. Das Ehepaar aus Villiprott entschied sich für die Karelienroute mit Stationen etwa in Kaliningrad, Sankt Petersburg, Petrosavodsk, Wologda, Moskau und Minsk. Ihr Passat machte auf der ganzen Tour entlang riesiger Seen und breiter Flüsse, übers platte Land und durch die Wälder keine Mucken. „Die Landstraßen sind sehr gut“, sagt Burger-Engwald (61), der von den Millionenstädten und dem Bauboom dort beeindruckt ist.

In Sankt Petersburg trafen die Bonner in einem Café einen jungen Wissenschaftler, der sie spontan zu einer privaten Stadtführung einlud. Er selbst hatte eine Zeit lang in Hamburg studiert. Heute reicht sein Geld allerdings nicht mehr für Aufenthalte im Ausland. Als Dankeschön luden die Engwalds ihn abends zum Essen ein.

Die Stationen der Freundschaftsfahrt

 

Druschba, das russische Wort für Freundschaft: Der Name der Bürgerinitiative zog sich wie ein rotes Band durch die Reise. „Wir haben viele junge Leute kennengelernt, die uns geholfen haben“, so das Ehepaar. Schüler und Studenten, die Deutsch lernen und sich zum Teil monatelang auf die Besucher vorbereitet hatten. Kein Hass in Erinnerung an die deutsche Besatzung. „Das liegt daran, dass die Menschen verzeihen können. Das ist typisch russisch“, sagt Burger-Engwald. Überall stießen er und seine Frau auf Spuren des Krieges, etwa auf den Soldatenfriedhöfen. Noch immer finden die Leute alte Ausrüstungsgegenstände wie einen verrosteten Spaten, die sie dann mit Blumen an die Gräber legen.

Die Gastfreundlichkeit der Dorfbewohner bleibt den Wachtbergern in Erinnerung

Unvergessen bleibt den Wachtbergern der Besuch im kleinen Dorf Utorgosh bei Weliki Nowgorod am Ilmensee. Als die Engwalds und die anderen ihrer Fahrgemeinschaft mit mehreren Autos ankamen, hatten sich die Bewohner mit Anzügen und Abendkleidern fein rausgeputzt, reichten den Gästen Tee und Kuchen. Die Russen zeigten eine Ausstellung über die Geschichte ihres Dorfes und erzählten davon, wie ihre Väter und Großväter als Partisanen im Krieg ihre Heimat verteidigt hatten. Doch nach dem großen Volksfest mit viel Musik war die Nacht noch lange nicht zu Ende. Die beiden Lehrer aus dem Ländchen saßen noch Stunden mit ihren Gastgebern Elena Irischina und ihrem Mann Sergej zusammen, die zur Feier des Tages ein Kaninchen geschlachtet hatten. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, dank Internet aber nicht abgeschottet. Überhaupt gebe es im Land fast überall ein gutes Netz, so die Deutschen.

Gern geben die Russen Geschenke, am liebsten mit großer Symbolkraft: Sei es der gehäkelte Schutzengel, den Irischina ihnen mit auf den Weg gab oder die vielen von Kindern selbst gebastelten Herzen, die ihnen völlig überraschend eine Gruppe Kinder in Trachten im Moskauer Gorky Park überreichte. „Von den Kindern Russlands – Freundschaft“ stand darauf. Die Engwalds konnten nur herausfinden, dass diese Leute von der Tour gehört hatten und die Reisenden unterstützen wollten. Sie wollen nun von zu Hause versuchen, Kontakte zu knüpfen.

Was die Symbole angeht, passte es auch gut, dass die Bonner Elvira kennenlernten, um mit ihr und anderen in der Nähe einen Friedensbaum zu pflanzen: eine sibirische Zeder, die nun im Ismialovo-Park bis zu 800 Jahre alt werden kann. Nun heißt es erst mal Koffer auspacken und dann Russisch lernen. Das hat sich das Ehepaar nämlich fest vorgenommen.