Ländchen schwelgt in Kultur

Wachtberger Kulturwochen locken mit buntem Programm

WACHTBERG. Halbzeit heißt es bei den Wachtberger Kulturwochen. Die Besucher können aus einer Vielzahl von Veranstaltungen wählen und hatten auch am Wochenende die Qual der Wahl.

Das wunderbare Sommerwetter am Wochenende hielt die Freunde von Kunst und Kultur nicht davon ab, die enorm vielen im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen organisierten Veranstaltungen zu besuchen. Einer der musikalischen Höhepunkte war am Sonntag das Konzert der Ließemer Jazzsängerin Annette Briechle mit vier Freunden als Quintett „Staubfrei“ im Kulturzentrum Köllenhof. Volker Jung, der mit Trompete und Flügelhorn die Sängerin begleitete, erzählte vor dem Konzert, dass es nicht gerade einfach war, an das Notenmaterial des im Jahr 1991 verstorbenen Komponisten Hugo Wiener zu gelangen. Mehr als 400 Songs und rund 100 Kabarettprogramme schrieb der österreichische Komponist, der 1991 verstarb.

Die Deutsche Nationalbibliothek stellte den Kontakt zu einem kleinen Verlag zur Verfügung, der die Rechte an vielen der Wiener-Lieder hat und die Aufführung in Wachtberg mit ermöglichte. Die Schlager mit frechem Text trug Briechle beim zweistündigen Konzert oft mit verschmitzter Miene vor. Themen wie „Die Männer sind alle Verbrecher“, „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“, „Verzwickte Verwandtschaft“ und „Ein Gruß, ein Kuss, ein Blumenstrauß“ und schließlich zum Finale „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ und „Sie küssen mir die Hand, Madame“ kamen bestens beim Publikum an.

Die Begeisterung war enorm – der langanhaltende Applaus bestätigte die stimmliche Leistung der Künstlerin und ihrer musikalischen Begleiter Andreas Merziger (Piano), Uli Schmidt (Schlagzeug), Gerd Brenner (Kontrabass) und des Blechbläsers Volker Jung.

"Drachen, Feuer und andere Naturgewalten"

Seine Kreativität beim Bronzeguss stellte am Wochenende der Berkumer Autodidakt Ernst Doll unter dem Ausstellungsthema „Drachen, Feuer und andere Naturgewalten“ vor. Doll hat in Eigenregie in seinem Garten einen Schmelzofen im Erdreich gebaut und testet seit einem halben Jahr, wie in mehreren Schritten im bis zu 1200 Grad heißen Ofen Bronzearbeiten entstehen. Dass da der Wachtberger Drache als filigranes Werk entstanden ist, begeisterte viele Besucher in der Hofanlage des Hobby-Künstlers Doll. Eineinhalb Stunden benötigt man, bis man den Erdofen mit Steinkohle auf „Betriebstemperatur“ gebracht hat, sagte der Künstler beim Rundgang und „ich bin immer schon neugierig gewesen, was man nach dem Wachsausschmelzen als teilweise sehr kompliziertes Ergebnis bekommt“. Dass da ein Modell zum „Hausdrachen“ wurde, ärgerte Ehefrau Sonja nicht, die Tonarbeiten zeigte.

Abgerundet wurde die Ausstellung in der Hofanlage Doll mit Airbrush-Arbeiten und Acrylbildern von Ernst Doll, der sich seit dem zwölften Lebensjahr der Kunst widmet und der sagt: „Kunst ist und war mein Leben“.

Kunst trifft Route 66

Im Rahmen der Wachtberger Kulturwochen fanden zusätzlich an zahlreichen weiteren Orten kulturelle Veranstaltungen statt. Karin Christof und Trutz Ludwig boten in Villip Gespräche über Kunst und Lebenskunst, garniert mit Landschaftsbildern in Aquarell und digitaler Technik. Arbeiten aus Schwemmholz stellte in Niederbachem Andreas Grimm vor und begrüßte in seinem Garten als künstlerische Gäste Inge Bartels mit Näharbeiten, Jutta Galle mit Glasperlenschmuck und Gertje Theis mit Patchwork-Arbeiten, Sebastian Thein mit Stammholzdesign Möglichkeiten zur Ausstellung geboten.

„Kunst trifft Route 66“ nannte sich die Präsentation von Acrybildern der Künstlerin Corinna Relles im Bikershop im Villiper Gewerbegebiet. Skulpturen und Malerei sowie Pastellbilder und Objekte wurden von mehreren Künstlern im Atelier Moja in Niederbachem gezeigt. Nur unweit entfernt im Bildergarten von Monika Clever standen Kunst aus Blech von Werner Luhmer, Malerei von Gitta Briegleb und Installationen von Monika Clever im Mittelpunkt, zusätzlich eine Lyrik-Lesung zum Thema „Was zählt“ mit Gedichten von und mit Ursula Contzen.

Offenes Haus mit Kunst

Ebenfalls in einer Gemeinschaftsausstellung von mehreren Wachtberger Künstlerinnen und Künstlern im Köllenhof in Ließem wurden Werke unter dem Thema „Orange-Schwarzbunt“ vorgestellt. Einen Schmuck-Workshop gab es es für Jung und Alt bei Anne Mahn in Oberbachem.

In Arzdorf lockte eine Gemeinschaftsausstellung im Atelier- und Kreativgarten „moving idea“ zum Besuch. Ein offenes Haus gab es mit Kunst von Gudrun Berger und Edelgard Jansen in Pech und in Adendorf eine offene Malwerkstatt mit Rebecca Althausen. Norbert Bogusch öffnete in Niederbachem sein Atelier und Ulli Stössel in Adendorf.