Birnen statt Äpfeln in den Flaschen

Wachtberger Frühlingsmarkt ist gut besucht

Im Köllenhof hatten die Besucher Gelegenheit sich mit Pflanzen, Saft, Marmelade, Wurst und Käse einzudecken.

Im Köllenhof hatten die Besucher Gelegenheit sich mit Pflanzen, Saft, Marmelade, Wurst und Käse einzudecken.

Wachtberg. Dank des sonnigen Wetters kommen viele Wachtberger zum Markt. Eine gut besuchte Wanderung führt zu den Streuobstwiesen.

Apfelsaft suchte man auf dem Wachtberger Frühlingsmarkt im Köllenhof vergebens. Normalerweise hat der Verein zur Pflege und Förderung der Streuobstwiesen in Wachtberg immer welchen da. Aber im letzten Jahr machte der späte Frost der Apfelernte einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen wurde am Sonntag Birnensaft verkauft. An den Ständen im Innenhof war man erfreut über das dieses Mal gute Wetter. Dennoch blieben viele Besucher nicht, nachdem Ratsmitglied Paul Lägel – stellvertretend für Bürgermeisterin Renate Offergeld – den Markt eröffnet hatte: Der Streuobstwiesenverein hatte wieder eine geführte Wanderung und eine Radtour zu den Streuobstwiesen im Ländchen organisiert.

Von den vielen ursprünglichen Streuobstwiesen haben nur wenige die Rodungen seit den 60er-Jahren zugunsten modernen Apfelanbaus überstanden. Die schützt und pflegt der Verein. Aber die verbliebenen Wiesen seien in einem bedenklichen Zustand, sagte Vorstandsmitglied Dorothee Hochgürtel. Die Bäume seien alt und nicht mehr so vital, das merke man an der Ausbreitung der Mistel. In diesem Jahr erwarte man wieder eine gute Ernte - wenn es nicht wieder im Mai Frost gibt. „Unser Hauptproblem ist, dass wir nicht an neue Flächen kommen“, so Hochgürtel. „Wir könnten viel mehr machen.“ Inzwischen sei aber die Gefahr, die eine Vereinheitlichung der angepflanzten Apfelsorten mit sich bringe, erkannt. Derzeit werde ein NRW-weites Streuobst-Kataster erarbeitet.

Keine Schlehen, Pflaumen und Holunder

Auch Birgit Fautsch hatte den Spätfrost zu spüren bekommen. Seit acht Jahren produziert sie in Form eines Kleingewerbes Liköre, bekommt dafür Obst von einer Freundin und kauft den Rest in Fritzdorf zu. Schlehen, Pflaumen und Holunder habe sie diesmal gar nicht verarbeiten können, an Kirschen sei sie nur schwer herangekommen. Dafür hat sie aber etwas anderes: Bierlikör aus Dunkelbier.

In einer Ecke schrumpfte der Berg an Tomatenpflanzen, den Ulrich Esser von der Landwirtschaftskammer NRW anbot, recht schnell in sich zusammen. Ungewöhnliche Tomatensorten mit Namen wie „Tigerella“ - rot mit goldenen Streifen -, „Weiß-behaart“, „Green Zebra“ oder „Berner Rosen“ lockten die Gartenfreunde an. Die holten sich auch Tipps bei der Gartenbaumschule Menke ab, die Zwerggehölze und Bodendecker präsentierte. Die Baumschule war kurzfristig für das Gartencenter Wachtberg eingesprungen. Daneben gab es Honig von Imker Klaus Sticker, Käse und anderes vom Milchziegenhof Minten, Süßes und Herzhaftes von Landgenuss Wachtberg sowie Gartenmobiliar von der Firma Jardeco. Judith Bollig vom Wittfelder Hof in Villip verkaufte zum zweiten Mal auf dem Markt Wurst und Eis und plauderte über ihren Tiermastbetrieb. Mit 100 Säuen und vielen Hühnern – einige Jungtiere konnte man sich auch anschauen – sei ihr Betrieb sehr klein und halte sich mit Direktvermarktung. „Im Geflügelbereich ist noch sehr viel Nachfrage.“

Es gab Kaffee, Kuchen, Suppe und Wein, die Mitarbeiter von Rhein-Voreifel-Touristik stellten Freizeitmöglichkeiten in der Region vor und Severine Nicolaus und Katharina Chatterjee vom Architekturbüro nc Architekten informierten über die Fortschritte rund um das „KlimaQuartier Köllenhof“. So sei der Spielplatz ausgebessert und ein Zaun gestrichen worden. Nur die Boule-Bahn wird aus planungsrechtlichen Gründen nicht umgesetzt – und weil die Anwohner festgestellt haben, dass das doch zu laut wäre.