Unwetter

Unrat verschmutzt den Godesberger Bach

WACHTBERG. In Pech ist nach dem verheerenden Unwetter von Samstag eine Bestandsaufnahme der Schäden im vollen Gange – und die fördert nun offensichtlich auch alte Bausünden ans Tageslicht: An der Straße Am Bach beschweren sich Anwohner über jede Menge Unrat, Abfall und Lagergut, dass von einer dort ansässigen Gärtnerei stammt, und das die Fluten in den Godesberger Bach gespült haben und nun ein großes Stück des Bachlaufes verschmutzten.

Auch befürchten Beschwerdeführer wie ein 58 Jahre alter Bonner, der dort lange gewohnt hat, dass von der ehemaligen Gärtnerei eine akute Gefahr ausgeht. Schließlich ist das weitläufige Grundstück bis zum Bach bebaut, etwa mit Gewächshäusern und Folientunneln. Zum Vergleich: Am Mehlemer Bach hatten die Behörden in den letzten Jahren viel Aufwand betrieben, um für den Hochwasserschutz genau solche Bebauung in Ufernähe so weit wie möglich zurückzubauen.

Die Gärtnerei ist zwar nach einer Insolvenz schon lange nicht mehr in Betrieb. Die Gemeinde hat das ehemalige Wohnhaus aber für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet, zudem dienen die ausgedienten Gewächshäuser und Folientunnel teils als Lagerflächen. Nach GA-Information sind hier beispielsweise Bestände der DRK-Kleiderstube untergebracht.

Seinem Unmut über den Zustand der Liegenschaft macht der 58-jährige Ortskundige, der einer Anliegerin der Straße Am Bach bei den Aufräumarbeiten nach dem Unwetter geholfen hat, in einer E-Mail unter anderem an Bürgermeisterin Renate Offergeld und den Bonner OB Ashok Sridharan Luft. Schließlich habe er festgestellt, schreibt der Mann weiter, der ungenannt bleiben will, „dass das hintere Grundstück inklusive einer Zelthalle abzustürzen droht“. Wegen einer möglichen Gefährdung der zwölf Bewohner in dem Wohnhaus der Gärtnerei hatte die Feuerwehr die Unterkunft in der Unwetternacht am Samstag auch vorsichtshalber evakuiert, sagte Feuerwehrsprecher Michael Ruck: „Die Bewohner wurden in die benachbarte Flüchtlingsunterkunft in der Wiesenau gebracht.“

Der 58-jährige Bonner berichtete in seiner E-Mail: „Im Bereich des Bachlaufs roch es nach Dieselöl. Vom Bach aus konnte man sehen, dass in den Zelthallen Tonnen von giftigem Müll gelagert sind. Es ist nicht auszudenken, wenn diese Gifte in den Bach und das Grundwasser gelangen.“

Bei einem Ortstermin mit Anliegern am Sonntag präsentierte sich der Bachlauf im Einzugsbereich der Gärtnerei in der Tat stark verschmutzt: Von Folien- und Verpackungsresten bis zu einer großen Fahrzeugbatterie fand sich jede Menge Unrat. Auch die Grundstückgrenze der Gärtnerei zum Bach hin war ein Stück weit abgebrochen, ein Folienbau ist bedrohlich nahe an das Bachbett gerutscht. Die Zustände auf dem weitläufigen Gelände sind aus Sicht des 58-Jährigen kurz gesagt „eine Riesensauerei“. Er warnt zudem davor, dass die unmittelbar bis an den Bachlauf reichenden, mit Lagergut vollgestellten Gewächshäuser gehöriges Gefahrenpotenzial bergen. Weitere Regenfluten könnten, so befürchtet er, jede Menge weiteres Schwemmgut mit sich reißen. Durch umgestürzte Bäume im Bachbett, von denen es derweil einige gibt, könnte sich das Schwemmgut leicht zu einer Art Staumauer verkeilen.

Katja Eschmann von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises sagte auf Anfrage, dass man im engen Kontakt mit der Gemeinde stehe und sich bereits ein Mitarbeiter vor Ort umgesehen habe: „Es wurde jede Menge Unrat gefunden, aber keine Betriebsflüssigkeiten und keine Hinweise auf eine Gewässerverunreinigung.“ Ein abschließendes Urteil könne es aber erst geben, wenn man sich mit dem Eigentümer auf dem Gelände umgeschaut habe. Laut Gemeinde soll es heute ein Treffen geben.

Der Eigentümer sagte dem GA: „Ich habe sofort Leute zum Aufräumen losgeschickt.“ Gleichwohl macht er auch andere baulichen Missstände für die Hochwasserfolgen verantwortlich, etwa zu enge Brückendurchlässe. Der Mann sagt auch, dass er bereits seit langem Umnutzungspläne hege: „Aber leider mahlen die Mühlen der Verwaltung langsam.“

Er habe das Areal vor vier Jahren eher als Nebenprodukt gekauft: „Die Gärtnerei war Anhängsel einer anderen Immobile.“ Übernommen habe er auch den Zustand der Liegenschaft, die teils noch vollgestellt sei mit Materialien wie Styropor. Zwar habe der Vorbesitzer versprochen aufzuräumen, „aber das tat er nicht“. Der jetzige Eigentümer wies auch darauf hin, dass ihm nicht alle Tunnel und Gewächshäuser auf dem Areal gehören. Das bestätigte der Wachtberger Beigeordnete Jörg Ostermann: „Ein Gewächshaus steht auf einem von der Gemeinde gepachteten Fläche. Der vordere Teilbereich des ehemaligen Gewächshauses wurde von September 2015 bis März vom Wachtberger DRK-Ortsverein als Kleidersammelstelle genutzt.“

Ostermann sagte zudem: „Wir sind dem jetzigen Besitzer sehr dankbar, dass er uns das Wohnhaus im vergangenen Jahr zur Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt hat.“ Aus der Verwaltung ist auch zu hören, dass der neue Eigentümer als seriös eingestuft wird.

Das ändert für Dietrich Kampe, BUND-Mitglied aus Wachtberg und Mitglied im Landschaftsbeirat, nichts daran, dass möglicherweise auch die Gemeinde eine Aufsichtspflicht verletzt hat. Denn Kampe hat sich den „katastrophalen Zustand“ des Areals angesehen. Was ihm aufgefallen ist: „Hier wurde mit der Aufschüttung von Bauschutt Gelände gewonnen, indem die Bachränder zugeschüttet wurden.“