Mehr Ruhe für den Ortskern

Straßenarbeiten an der Ortsumgehung Gimmersdorf

An der Dreikönigenstraße (L123) haben die Arbeiten für die Einmündung in die Ortsumgehung begonnen. Der Verkehr kann nur einspurig an der Baustelle vorbeifahren.

An der Dreikönigenstraße (L123) haben die Arbeiten für die Einmündung in die Ortsumgehung begonnen. Der Verkehr kann nur einspurig an der Baustelle vorbeifahren.

Wachtberg-Gimmersdorf. In diesem Jahr wird die Ortsumgehung Gimmersdorf in vier Abschnitten gebaut. Die Straßenarbeiten sollen bis Ende 2018 beendet sein.

Wer demnächst vor Gimmersdorf einen Bagger wie wild schaufeln und den Fahrer dabei nicht lenken sieht, wird sich vielleicht verwundert die Augen reiben. Auf der Baustelle der Ortsumgehung wird dann nämlich der Computer das Ruder übernehmen und aus der Ferne die Modellierung der Böschungen steuern. Es geht vorwärts mit den nächsten Bauabschnitten. Die ersten Autos sollen zum Jahreswechsel 2018/19 über das 1,9 Kilometer lange Stück rollen – wenn das Wetter mitspielt.

Die meisten Gimmersdorfer dürften diesen Termin sehnsüchtig erwarten, denn der viel befahrene Ortskern ist richtig eng – vor allem an der Kapelle. Erste Überlegungen für den Bau einer Umgehungsstraße seien schon zu Zeiten des Landkreises Bonn Ende der 1960er Jahre angestellt worden, sagt Dieter Dettke, Abteilungsleiter Straßenbau beim Rhein-Sieg-Kreis. Da seien schon Wünsche geäußert worden, „auch wenn es damals weniger Verkehr und Anwohner gab“.

Der Rhein-Sieg-Kreis hatte das Thema dann Anfang der 70er Jahre aufgegriffen und war seitdem auf der Suche nach einer Streckenführung. Immer war klar, dass sie Gimmersdorf nördlich umrunden sollte. Laut Dettke wurde zwischenzeitlich auch eine weiträumige Umfahrung diskutiert, um in einem Zug den Ortsteil Berkum zu entlasten – was wieder verworfen wurde. Als Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses kam es zu einer Entwurfsplanung: die gesetzliche Grundlage zum Grunderwerb, denn 95 Prozent der neuen Straße verläuft über Ackerland.

Verhandlung mit Landwirten war aufwendig

Bei den restlichen fünf Prozent handelt es sich um die Verknüpfungspunkte ins bestehende Straßennetz. „Es waren sehr aufwendige Verhandlungen mit den Landwirten“, sagt Dettke. Keiner von ihnen verkaufe gerne sein fruchtbares Ackerland. So gingen ein paar Jahre ins Land. Einige Grundstückseigentümer bekamen am Ende Ausgleichsflächen, weil ihr Acker von der Umgehung (K 14 neu) durchschnitten wird. Die letzten Grundstückskäufe sind zwei bis drei Jahre her. „Das Projekt besteht aus drei Bausteinen“, erklärt Dettke. Die Details:

Baustein 1: Im Spätherbst 2016 begann der Bau der Brücke Berkumer Weg (K 14 alt), sie ist seit Mitte vergangenen Jahres fertig. Die neue Umgehung verläuft dabei unter der Brücke.

Baustein 2: Anfang 2017 begann der Bau des Versickerungsbeckens östlich des Bonner Pfads. Im Herbst war es fertig. An diesen tiefsten Punkt fließt über Kanäle künftig das Regenwasser, das auf die Ortsumgehung prasselt – und zwar alles nördlich der Brücke und das Wasser aus Richtung Ließem. Das Wasser von den neuen Böschungen südlich der Brücke Berkumer Weg fließt in den vorhandenen Regenwasserkanal an der L 123 (Dreikönigenstraße). „Der wird aber noch vergrößert“, sagt Dettke. Die Arbeiter beschäftigen sich bereits mit dem Kanalbau. Dort liegt aber noch ein 200-adriges Kabel der Telekom im Weg. Es muss an der L 123 auf einer Länge von 400 Metern verlegt werden.

Baustein 3: Am 19. Februar hat an der L 123 die Ausschachtung für die Einmündung der K 14 neu begonnen. „Wir baggern da teilweise bis zu sechs, sieben Meter tief“, sagt Dettke. Dort ist auch schon der über GPS (Satelliten) gesteuerte Bagger im Einsatz, der vergleichbar mit einem 3D-Drucker die künftigen Böschungen modelliert. Niemand muss mehr – wie früher – mit dem Zollstock messen.

Straße wird in vier Abschnitten bebaut

Der für die Steuerung zuständige Rechner und der GPS-Sender stehen in den Baucontainern am Neuenhofsweg. Auf der Baustelle ist die Firma Oevermann aus Münster und Düren zuständig. Die eigentliche Straße wird dann in vier Bauabschnitten gebaut. Dettke merkt an, dass auch in Zukunft der Berkumer Weg für den Verkehr offen bleibt.

Abschnitt 1: An der L 123 ist eine Baustellenampel eingerichtet worden, weil der Verkehr beim Bau der Einmündung zur neuen Umgehung dort nur einspurig verlaufen kann. Bis Sommer soll die Straße bis zur K 57 (Kommunalweg) fertig sein. Die Ampel verschwindet dann wieder.

Abschnitt 2: Die K 57 muss ab Mitte/Ende Juli gesperrt werden, um den Kreisverkehr bauen zu können. Der Wirtschaftsweg oberhalb des neuen Sickerbeckens wird ausgebaut. Dabei handelt es sich um eine Auflage im Planfeststellungsverfahren, laut Dettke vermutlich eine Forderung der Landwirte. Eine feste Deckschicht hat den Vorteil, dass die Bauern später mit ihren Reifen nicht so viel Erde auf die neue Umgehung tragen.

Um die Anbindung der K 14 neu an die Ließemer Straße bauen zu können, muss die Ließemer Straße gesperrt werden. Autos und Busse fahren dann parallel über eine provisorische Baustraße mit Ampelregelung. Fertigstellung des Abschnitts soll Anfang/Mitte Oktober sein.

Abschnitt 3: Der Straßenbau vom Bonner Pfad bis zur Ließemer Straße (K14 alt), fertig voraussichtlich zum Jahreswechsel.

Abschnitt 4: Der Rüssel von der neuen Umgehung auf die Ließemer Straße wird im Januar/Februar 2019 gebaut. Das nicht mehr für den Verkehr benötigte Reststück der Ließemer Straße wird entsiegelt und bleibt Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.