Tag des offenen Denkmals in Wachtberg

Startenor und Blumenfrau im Museum

Villip. Der Villiper Heimatverein stellt Zeugnisse der Wachtberger Geschichte aus. Bürger stiften ein „Essensdragskesselche“, eine Blechbüchse fürs Mittagessen.

Zum Tag des offenen Denkmals hat das Heimatmuseum Villip am Sonntag seine Pforten geöffnet. Der Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, Ulf Hausmanns, führte interessierte Besucher durch die Ausstellung. Dabei stellte er Bezüge zwischen der Lokalgeschichte und dem Motto „Macht und Pracht“ her, unter dem der bundesweite Aktionstag in diesem Jahr stand. Kenntnisreich brachte Hausmanns dem Publikum die Geschichte verschiedener Machthaber in der Region nahe: Von den Römern über die Franken und die Kurfürsten von Köln bis zu den französischen Revolutionstruppen.

Das Thema „Pracht“ sah Hausmann vor allem in der Person des Opernsängers Anton Raaff (1714-1797) verkörpert. Raaff, dessen Familie als Gutsverwalter an der Burg Gudenau diente, machte im 18. Jahrhundert als gefeierter Tenor Karriere. Diese führte ihn nicht nur in die kulturellen Metropolen Europas, sondern auch zu einer Freundschaft mit Wolfgang Amadeus Mozart. Obwohl die Beziehung zu dem großen Komponisten nicht unkompliziert gewesen sei, habe dieser ihm die Titelrolle seiner Oper „Idomeneo“ auf den Leib geschrieben, so Hausmanns.

Das Villiper Heimatmuseum zeigt vor allem Gegenstände aus dem Alltagsleben der Gemeinde, das von Ackerbau und Handwerk geprägt war. „Trotzdem kann auch ein kleines Museum Macht und Pracht der großen Geschichte widerspiegeln“, so der Vorsitzende des Heimatvereins. „Am Tag des offenen Denkmals beteiligen wir uns gerne, wenn das Thema passt.“ Für dieses Engagement sprach der Beigeordnete der Gemeinde Wachtberg, Jörg Ostermann, dem Verein seinen Dank aus. Das Heimatmuseum war in diesem Jahr die einzige Institution in Wachtberg, die an dem Aktionstag teilnahm.

Mancher Bürger nahm den Tag zum Anlass, dem Museum neue Ausstellungsgegenstände zu stiften. So etwa der ehemalige Vorsitzende des Bad Godesberger Heimatvereins Karl-Josef Schwalb, der dem Museum ein sogenanntes „Essensdragskesselche“ vermachte: Ein aus zwei verschließbaren Blechbüchsen bestehendes Trage-Utensil, mit dem Frauen ihren arbeitenden Männern das Mittagessen brachten.

Zu den berühmten Figuren des Heimatmuseums gehört übrigens auch die Blumenfrau Veronika Schüffelgen (1845-1937). Als Mutter Schüffelgen zählt sie zu den rheinischen Originalen, ihre Statue ist im Heimatmuseum zu sehen. Bis ins hohe Alter lief Mutter Schüffelgen täglich 15 Kilometer zu Fuß nach Bonn, um die Blüten aus dem eigenen Garten vor allem in Studentenkneipen und bei den Festen von Corps und Verbindungen zu verkaufen. Dass heute so viel über diese besondere Frau bekannt ist, ist der Forschungsarbeit der Rheinbacher VHS-Direktorin und Kunsthistorikerin Barbara Hausmanns zu verdanken, die in ihrer Zeit als Wachtberger Gemeindearchivarin die Lebensgeschichte der Veronika Schüffelgen aufgeschrieben hat.