Hegering Bad Godesberg

Schwarzwildexperte Norbert Happ klärte auf

Sie sind in der Dämmerung unterwegs und achten nicht auf den Straßenverkehr.

NIEDERBACHEM. Knapp 100 Zuhörer, die meisten von ihnen in Grüntönen gekleidet, füllten jetzt auf Einladung des Hegerings Bad Godesberg den großen Saal des Hotels Dahl in Niederbachem. Dort referierte Hegeringmitglied Norbert Happ, langjähriger Revierförster im Kottenforst und ausgewiesener Schwarzwildexperte, zu seinem Leib- und Magenthema: Der Hege und Bejagung des Schwarzwildes.

Mittels aktueller Zahlen sowie der einen oder anderen Anekdote verdeutlichte Happ, wie rasant sich die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahrzehnten nach oben entwickelt hat. Als vor dem Krieg in Remagen ein kapitaler Keiler geschossen wurde, hätten die Kinder einen Tag lang schulfrei bekommen, um ihnen die Gelegenheit zu geben, sich das seltene Exemplar aus der Nähe anzuschauen. Heute würden im Kreis Ahrweiler mehr als 2000 Wildschweine im Jahr erlegt.

"Wildschweine sind die Gewinner des Klimawandels", resümierte Happ, verschwieg aber die Mitverantwortung des Menschen nicht: Denn auch der zunehmende Anbau von Mais und Raps fördere die Mast; auch das jagdliche Anlocken mittels Kirrungen bewertete Happ kritisch. Kein gutes Haar ließ er auch am Stellenwert, den Schwarzwild seitens mancher Jäger mitunter genieße: Teilweise werde es mit dem Ziel der Bestandsminimierung behandelt "wie Ratten", mahnte Happ mehr Jagdethos gegenüber der Kreatur an. Immerhin handele es sich bei Wildschweinen um intelligente Säugetiere, die einen Anspruch auf Tierschutz, artgerechtes Leben und intakten Lebensraum hätten.

Um die Bestände hingegen wirksam und dauerhaft klein zu halten, komme es entscheidend auf die gezielte - und geschickte - Bejagung von Frischlingen an, führte Norbert Happ anhand einiger anschaulicher Beispiel aus. Als "hausgemachte Schwarzwildschwemme" bezeichnete Happ hingegen den Umstand, dass sich ein falsch bejagter, verjüngter Bestand besonders stark vermehrt. So sei die Leitbache hingegen unbedingt zu verschonen, denn sie synchronisiere erwiesenermaßen die Rauschzeit aller weiblichen Tiere einer Wildschweinrotte und trage somit entscheidend zur Bestandsregulierung bei.