Karawane zieht durch die Grube

Rundgang durch die Adendorfer Tongrube

Adendorf. Zum Tag des Geotops interessierten sich am Sonntag mehr als 40 Besucher für die Adendorfer Tonvorkommen. Unter der Leitung des Geologen Sven Oliver Franz von der Uni Bonn erkundeten sie die Grube der Firma Sibelco.

Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern auch den Topf: Je grauer er ist, desto feuerfester ist hinterher das Produkt. In der Adendorfer Grube ist allerdings jetzt auch eine rötliche Mineralader aus den Tiefen ans Tageslicht getreten. Bei diesem Material könnte es passieren, dass eine Fliese später auch mal einen Riss bekommt. Das Vorkommen in Adendorf „ist keine einfach aufgebaute Lagerstätte“, sagte Sven Oliver Franz. Der Geologe am Steinmann-Institut der Uni Bonn leitete mit einem seiner Studenten die Führungen in der Grube der Firma Sibelco anlässlich des Tages des Geotops.

Franz vermutet, dass es am GA-Bericht über Probebohrungen gelegen habe, dass das Interesse an dem Rundgang so groß war. Vor allem auch bei den Adendorfern. Eigentlich hatte man mit maximal 25 Teilnehmern gerechnet. Es kamen dann aber 40, die flugs in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Gelbe Warnweste an und Helm auf: Schon ging es in Karawane durchs Gestein. Die Gemeinde Wachtberg hatte am Sonntag auch Exkursionen zum Rodderberg und zur Kiesgrube Gimmersdorf angeboten – alles zeitversetzt, so dass die Teilnehmer, wenn sie denn wollten, zu allen drei Terminen mit auf Tournee gehen konnten. Etwa zehn Neugierige hätten dieses Angebot so auch genutzt, sagte Franz.

Kein Ton ohne einen Ausflug in die Zeit vor etwa 100 bis 50 Millionen Jahre. Adendorf liegt mitten im Gestein des rheinischen Schiefergebirges. Das Klima war so beschaffen, dass diese Steine gut verwittern konnten. „Feldspat verwandelte sich so in das Tonmineral Kaolinit“, erklärte Franz am Anfang der Tour. „Vor 20 Millionen Jahren wurden diese verwitterten Horizonte abgetragen und lagerten sich in Gräben und Senken der niederrheinischen Bucht ab. In Adendorf befindet sich ein Graben, durch den ein Flusssystem zog. So wurden der Ton, aber auch Sand und Kiese abgeladen. Mit anderen Worten: Der Ton ist nicht vor Ort entstanden.

Teilnehmer untersuchen Sedimente

Neben den größeren Tonvorkommen in Ringen (Grafschaft) ist vor allem Witterschlick noch für den Abbau bekannt. Wobei die Bodenschätze dort wohl noch etwa drei Millionen Jahre älter sind, so Franz. Die Altersbestimmung laufe dabei über Pflanzenfunde. In Adendorf begann der Tonabbau um 1743, was die Ansiedlung der Töpfer nach sich zog.

Natürlich nahmen die Teilnehmer der Führung auch die Gesteine und Sedimente in die Hand. Schauten sich alles genauer an. Dabei sprachen sie mit den Fachleuten über Tonqualitäten. Denn besagter durch Eisen rötlich gefärbte Ton ist für die Industrie heute nicht so interessant. Man könne ihn zwar mit besseren Qualitäten mischen, was aber auch Transportkosten mit sich ziehen würde, so Franz. Die Testbohrungen auf dem Feld unterhalb der Erhard-Fischer Straße dienten nun dazu, die rote Scholle abzugrenzen. Im Prinzip seien das einzelne Nadelstiche, aus denen man dann seine Erkenntnisse ziehen müsse.

Franz geht auch mit seinen Studenten gern in Ton- und Kiesgruben – am liebsten in der Region, um direkt vor der eigenen Haustür zu lernen. „Doch es werden weniger“, sagte er. Dort nähmen sie dann Proben und untersuchen sie mineralogisch und chemisch. Adendorf geht mit seinen Vorkommen allerdings noch nicht die Puste aus: Dort gebe es noch genug Ton.