Kirche in Berkum

Protestanten geben St. Gereon auf

Die evangelische Gemeinde hat den Pachtvertrag für die Kirche St. Gereon in Berkum zum 31. Dezember gekündigt. Wie das Gotteshaus nun genutzt wird, steht noch nicht fest.

Die evangelische Gemeinde hat den Pachtvertrag für die Kirche St. Gereon in Berkum zum 31. Dezember gekündigt. Wie das Gotteshaus nun genutzt wird, steht noch nicht fest.

Berkum. Der Schimmelbefall an der Orgel der Alten Kirche St. Gereon hat nun auch vertragsrechtliche Konsequenzen. Die evangelische Gemeinde hat den Pachtvertrag zum 31. Dezember gekündigt, wie Pfarrer Günter Schmitz-Valadier mitteilte.

Seit 1981 hatte die Gemeinde das einstige katholische Gotteshaus in Berkum genutzt, im Herbst 2014 war jedoch Schimmel an der Orgel und der Empore entdeckt worden (der GA berichtete). Die Gemeinde war daraufhin dauerhaft in das Gemeindehaus Niederbachem ausgewichen.

Man habe geprüft, ob eine Erneuerung der Kirche möglich sei, berichtete Schmitz-Valadier. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass eine Grundsanierung zu teuer werden würde; diese wäre aber aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit im Gebäude nötig gewesen.

Die Kirche sei 1783 direkt auf dem Erdreich gebaut worden. „Natürlich zieht da Feuchtigkeit hoch“, so Schmitz-Valadier. Früher habe man in der Kirche täglich Gottesdienste abgehalten und so für Belüftung gesorgt, heute sei das nicht mehr möglich. Auch dass es im Gebäude keine Toiletten oder Zusatzräume gebe, sei in die Überlegungen mit eingeflossen.

Verschimmelte Orgel ist entsorgt

„Die Kirche ist für eine andere Zeit konzipiert“, sagt Schmitz-Valadier. Die vom Schimmel betroffene Orgel sei inzwischen entsorgt worden. Auch in diesem Falle wäre eine Reparatur zu teuer gewesen.

Der Umzug nach Niederbachem ist für Schmitz-Valadier kein Problem: „Im Winter sind wir ohnehin schon in das Gemeindehaus ausgewichen, da es in St. Gereon zu kalt wurde.“ In Zukunft werde das Gemeindehaus dauerhaft genutzt, nur an jedem dritten Sonntag des Monats und an Heiligabend werde der Gottesdienst im Haus Helvetia in Berkum abgehalten.

Um die Zukunft der denkmalgeschützten Kirche sorgt sich derweil Paul Lägel (SPD). Er will von der Verwaltung erfahren, wie die Kirche künftig genutzt werden wird. „Mit dem Antrag wollte ich Öffentlichkeit herstellen, viele Leute wissen über das Problem gar nicht Bescheid“, so Lägel.

Die Ausführungen zur Zukunft der Kirche empfindet er bisher nicht als zufriedenstellend. St. Gereon sei die Kirche seiner Kindheit, bevor sie an die evangelische Gemeinde verpachtet wurde, sei er dort getauft und gefirmt worden. Jetzt gibt es Befürchtungen, dass sie womöglich nie mehr nutzbar ist.

Katholischer Dechant versteht Aufregung nicht

Als unbegründet empfindet der Dechant der katholischen Gemeinde, Hermann Josef Zeyen, die Aufregung um St. Gereon. Die Kirche sei vom Schimmel befreit worden, die Einrichtung wie Altar, Bänke oder Beichtstuhl bleibe im Gebäude. Die Kirche könne auch künftig genutzt werden, „zum Beispiel mit der Durchführung ökumenischer Gottesdienste oder auch für Konzerte und Vortragsveranstaltungen. Auch die Glocken werden weiterhin läuten“, sagt Zeyen.

Pläne für die Nutzung der Kirche kann er zwar noch nicht nennen, „verfallen wird sie aber nicht“, verspricht Zeyen. Mit dem Erzbistum sei besprochen, dass das Gotteshaus erhalten bleibe. Da es unter Denkmalschutz stehe, sei man ohnehin zur Pflege verpflichtet. Auch Beigeordneter Jörg Ostermann versichert: „Der Erhalt der Kirche ist nicht gefährdet.“