Gezahlt wird mit Punkten statt mit Geld

Projekt "Zugabe" im Berkumer Pfarrheim unterstützt Bedürftige

Mitinitiatorin Andrea Neu vor den gut gefüllten Regalen der Warenausgabe des Projekts "Zugabe".

Mitinitiatorin Andrea Neu vor den gut gefüllten Regalen der Warenausgabe des Projekts "Zugabe".

Berkum. Die Wachtberger Initiative „Zugabe“ verteilt in ihrem eigenen Markt Spenden an sozial schwächer gestellte Menschen. Damit helfen sie rund 270 Bürgern.

Egal ob Shampoo, Waschmittel, Konservendosen, Fertiggerichte oder Gummistiefel für Kinder: Die Regale in dem kleinen Kellerraum des Berkumer Pfarrheims sind bis unter die Decke gefüllt mit Waren des alltäglichen Bedarfs. Fast könnte man meinen, man stehe in einem winzigen Supermarkt. Wären an den Blechdosen, Gläsern und Kartons nicht Aufkleber mit Punktesummen angebracht, sondern Preisschilder, würde man nicht auf die Idee kommen, dass es sich bei dem marktähnlichen Aufbau im Pfarrheim nicht um einen Verkaufsraum handelt. Es ist die Warenausgabe des Projekts „Zugabe“, das von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien organisiert wird und das ähnlich wie die Bonner Tafel funktioniert.

„Bei uns bekommen die Menschen, die wir registriert haben, einen bestimmten Punktebetrag, für den sie bei uns einkaufen können“, erklärt Andrea Neu, die das Projekt zusammen mit Diakon Ludger Roos vor vier Jahren ins Leben gerufen hat. „Der Einkaufswert pro Person liegt dabei bei etwa zehn Euro, wobei ein Punkt dem Geldwert von etwa zehn Cent entspricht.“ So kostet ein Tetrapack Apfelmus beispielsweise fünf Punkte. Teurer sind dagegen Waschmittel und Olivenöl, die Neus Kunden für je 40 Punkte und eine Einkaufsgebühr von 50 Cent pro Besuch mit nach Hause nehmen können. An zwei Tagen im Monat öffnet die „Zugabe“ ihre Pforten – jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat.

Rentner und Flüchtlingsfamilien

„Wir wollen sozial schwächer gestellte Menschen unterstützen“, sagt Neu. Dazu gehörten Hartz IV-Empfänger, ältere Mitbürger mit geringer Rente und Flüchtlingsfamilien. Insgesamt 75 Haushalte mit rund 270 Personen nähmen regelmäßig das Hilfsangebot der Kirchengemeinde an. „Zu dem, was die Menschen monatlich brauchen, wollen wir eine kleine Zugabe zusteuern“, sagt die Villiperin.

Diese Zugaben bestehen aus Spenden, die Neu und ihre Mitstreiter bei verschiedenen Aktionen sammeln oder die von den Wachtbergern im Pfarrheim abgegeben werden. „Zweimal im Jahr sammeln wir unter dem Motto „Kaufe deins, schenke eins“ am Wachtberger Einkaufszentrum Sachspenden. Darüber hinaus erreichen uns aber auch viele Geldspenden von denen wir selbst Einkäufe tätigen. Im letzten Jahr waren das rund 6000 Euro. Zusammen mit den übrigen Spenden konnten wir so monatlich Waren im Wert von 1200 Euro an die Hilfsbedürftigen weitergeben“, freut sich Neu, die sich in einem Rundschreiben zum Jahreswechsel bei den vielen Helfern und Spendern, wie zum Beispiel dem Kapellenverein Klein-Villip, bedankt hat.

Großer Andrang im Keller

Bei ihrer Arbeit in der Initiative sortieren die 15 Ehrenamtler Waren und teilen ihnen Punktewerte zu. Daneben helfen einige von ihnen im Begegnungscafé, in dem die Bedürftigen bei gespendetem Kaffee und Kuchen während der Ausgabe darauf warteten, aufgerufen zu werden. „Der Andrang ist so groß und die Räume so klein, dass wir die Leute nur einzeln in den Keller lassen können“, erklärt Neu. Aus diesem Grund ist das Projekt gerade auch auf der Suche nach größeren Räumen. „Etwas im Erdgeschoss wäre praktisch – auch weil fast alle Helfer weiblich sind und wir die schweren Einkäufe und Lebensmittelspenden alleine in den Keller tragen müssen“, so Neu.

Interessierte Spender können sich an das Pfarrbüro St. Marien oder unter n.a.neu@gmx.de an Mitinitiatorin Andrea Neu wenden.