Nager werden zur Plage

Nutrias wühlen am Arzdorfer Bach

Arzdorf. Nutrias sehen putzig aus und sind auch schnell zutraulich. Ein kleine Population gibt es am Bonner Rheinauensee und jetzt auch bei Arzdorf. Dort unterhöhlen die Tiere jedoch Uferböschungen und sorgen für Ernteschäden.

Aufgefallen sind sie Lukas Schimmel erstmals vor zwei Jahren. „Wenn sie vorher da waren, dann habe ich sie nicht bemerkt“, sagte der junge Landwirt. Nun allerdings fallen die Neozoen, wie man nicht heimische, eingewanderte Tiere nennt, auf. Nicht nur, weil die possierlichen Gewässerrand-Bewohner kaum Scheu vor Menschen haben. Vor allem die Fraß- und Buddelschäden der Nager sind nicht mehr zu übersehen.

Nutrias werden bis zu 65 Zentimeter groß und gehören zu den Rattenarten, ebenso vermehren sie sich auch. Sie leben in Gemeinschaften von zwölf bis 15 Tieren. Dazu buddeln sie Gänge und Höhlen in Uferböschungen, so wie in Arzdorf.

Mancherorts ist das Bachufer derart unterhöhlt, dass der Wasserlauf deutlich zu mäandrieren beginnt. An anderer Stelle ist ein Grenzstein durch die unterirdischen Hohlräume abgesackt und nicht mehr zu finden. „Der wird in den Bach gerutscht sein“, vermutet Jungbauer Schimmel. Auf den benachbarten Feldern war die Zuckerrüben-Ernte im Vorjahr auf rund 500 Quadratmetern zerstört und der Fraßschaden am nun wachsenden Weizen ist jetzt schon deutlich zu sehen.

Standfestigkeit der Trecker ist ein Problem

„Bei den Rüben beißen sie anfangs die Keimlinge ab“, so Schimmel. Später vergriffen sie sich an den jungen Zuckerrüben. Entweder fräßen sie die Rüben gleich vor Ort an oder sie schleppten sie mit in ihren Bau, um die Jungen zu füttern. Den Schaden am kaum gesprossenen Weizen zeigt der Landwirt an den halb abgefressenen Halmen auf der wie rasiert wirkenden Fläche neben einem Nutria-Bau. „Das schwächt die Pflanze. So angefressener Weizen wird einen Frost vermutlich nicht überstehen.“ Er geht davon aus, dass er auch bei der kommenden Ernte einen erheblichen Ausfall wegen der Tiere verzeichnen wird.

Ein anderes Problem ist die Standfestigkeit der Trecker an den betroffenen Feldrändern. Schimmel zeigt eine Stelle, an der die Böschung bis direkt an den Feldrand durchlöchert ist. „Wenn man da mit dem Trecker drüberfährt, kann man sich nicht mehr sicher sein, dass der Boden den Trecker noch hält“, schätzt er. Bereits in der Ortsvertretungssitzung war das Thema angesprochen worden. Weil Nutrias nicht im Jagdgesetz stehen, war man dort jedoch zu keinem Schluss gekommen.

Bejagen der Nutrias ist erlaubt

Nach Auskunft des Hegeringleiters der Jägerschaft Bad Godesberg, Bernd Wollin, sind die Jäger tatsächlich nicht für die Pflege dieser Art zuständig. Dennoch können sie ehrenamtlich helfen, weil die Tiere als invasive Art eingestuft wurden, die die Jäger laut Erlaubnis des Innenministeriums bejagen dürfen. Allerdings sollte man vorher versuchen, die Tiere mit Netzen und Zäunen davon abzuhalten, die benachbarten Felder zu zerstören oder sonstigen Schaden anzurichten.

„Das haben wir schon versucht“, erklärte Lukas Schimmel und schildert das Ergebnis und seinen Eindruck: „Die haben nur müde gelächelt und sich innerhalb einer Nacht einen Tunnel unter den Netzen durchgegraben.“ Auch Versuche, die Netze ein Stück in den Boden einzuarbeiten oder die Gänge wieder zuzuschütten, seien gescheitert. Die Tiere suchen sich einfach einen anderen Platz in der Nähe, um sich durchzugraben. „Die wissen halt, wo es etwas zu Fressen gibt“, kommentiert Schimmel trocken.

Nutrias sind inzwischen auch fester Bestandteil der Tierwelt im Freizeitpark Rheinaue (der GA berichtete) und eine Attraktion für neugierige Spaziergänger. Die Tiere kommen ganz selbstverständlich auf Menschen zu, in der Hoffnung, gefüttert zu werden. Für den Menschen besteht dabei die Gefahr, gebissen zu werden – auch wenn Nutrias das bisweilen nur versehentlich tun.

Die Stadt Bonn bittet darum, die Nager nicht zu füttern. Auch schon deshalb nicht, weil eine weitere Überdüngung des eh schon geplagten Rheinauensees zu befürchten sei.