Zum Beispiel die Waldschule

Lehrer meistern in Adendorf die Grippewelle

Halten den Schulbetrieb an der Waldschule aufrecht: (von links) Heidi Schönowsky, Katrin Verhoeven-Bollig, Stephan Schumacher und Schulleiterin Martina Linten sind zuversichtlich, dass die anderen Kollegen bald wieder gesund sind.

Halten den Schulbetrieb an der Waldschule aufrecht: (von links) Heidi Schönowsky, Katrin Verhoeven-Bollig, Stephan Schumacher und Schulleiterin Martina Linten sind zuversichtlich, dass die anderen Kollegen bald wieder gesund sind.

Wachtberg. Die Grippewelle stellt in diesen Tagen besonders die kleinen Schulen vor große Herausforderungen, so auch die Waldschule in Adendorf. Mit Teamgeist, Improvisation und Flexibilität meistern die Lehrer die Situation.

Bei der Bezirksregierung in Köln ebenso wie beim Schulamt des Rhein-Sieg-Kreises ist zwar bekannt, dass von der Grippewelle sehr viele Lehrer und Schüler betroffen sind. Genaue Zahlen habe man dazu aber nicht vorliegen, sagte Dirk Schneemann von der Bezirksregierung. Es sei „wie derzeit überall in der Republik: Es sind einfach viele Leute krank.“ Die Bezirksregierung käme erst dann ins Spiel, wenn Schulen aufgrund solcher Situationen schließen müssten. Bis dahin aber helfe man sich vor Ort in der Regel untereinander von Schule zu Schule aus. Wie das aussehen kann, wenn auch in den benachbarten Schulen der Krankenstand hoch ist, zeigte sich jetzt in einer der kleinsten Schulen im Drachenfelser Ländchen.

Ein lang gezogener Pfiff hallt über den Schulhof der Schule am Wald in Adendorf. Aus dem Sportunterricht kennen die Kinder dieses Zeichen ihrer Sportlehrerin Katrin Verhoeven-Bollig. Wie üblich kommen alle Kinder zusammen und hören zu, was ihre Lehrerin sagt. Ungewöhnlich ist hier das Miteinander, ungewöhnlich ist aber auch die Situation. Bedingt durch die Grippewelle kam es seit Anfang Februar an dieser winzigen Schule mit nur einer Klasse je Jahrgang zu massiven Personalausfällen.

Täglich gab es neue Herausforderungen

Während normalerweise sechs Lehrkräfte, ein Hausmeister, eine Sekretärin und ein Busfahrer den regulären Schulbetrieb mit knapp 100 Kindern aufrechterhalten, fielen wegen der Erkältungs- und Grippewelle seit Anfang Februar die aktiven Kräfte nach und nach krankheitsbedingt aus. Mal war die Hälfte der Lehrerinnen krank, mal Lehrkräfte, Hausmeister, Busfahrer und Sekretärin in verschiedenen Kombinationen. Täglich wurden die Verbliebenen an der Schule vor neue Anforderungen gestellt. „In einer so kleinen Schule wie der unseren sind alle Abläufe eng miteinander verzahnt“, berichtet Schulleiterin Martina Linten.

Natürlich bedeutet das auch, dass bei mehreren Personalausfällen das System eigentlich ins Wanken kommen müsste. Diese theoretische Schwäche allerdings gereichte der Schule stattdessen zum Vorteil. Denn weil fast alle beteiligten Kräfte an dieser Schule mit den meisten Vorgängen und Abläufen vertraut sind, konnte das verbliebene Restteam in einem gemeinsamen Kraftakt nicht nur seiner Aufsichtspflicht nachkommen. Sogar Unterricht und sinnvolle Beschäftigung waren dank guter Organisation und Absprache möglich. „Natürlich haben wir uns Gedanken darüber gemacht, ob wir schließen müssen“, berichtet die Schulleiterin. „Aber wir konnten jederzeit die Aufsicht und den Unterricht sicherstellen. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden und beschlossen, diese schwierige Phase zu stemmen.“ In Zusammenarbeit mit der katholischen Bücherei Fritzdorf wurde die Büchereistunde kurzerhand in den Klassenraum verlegt. Damit kamen die Kinder in den Genuss einer ganz besonderen Lese- und Vorlesestunde. Ein kleines Sportprogramm, bei dem zwei Klassen zusammengefasst wurden, sorgte ebenfalls für die Entspannung der Lage.

Erfreulicherweise war wegen einer bereits im Vorfeld geplanten Abwesenheit einer Lehrerin vor einiger Zeit beim zuständigen Schulamt Vertretung angefordert worden, die just zum richtigen Zeitpunkt eintraf. „Die Stärke unserer Schule zeigt sich in solchen Situationen, weil hier eine ganz besondere Atmosphäre herrscht“, berichtet Linten. „Hier war niemand hilflos, hat niemand aufgegeben, sondern einfach mit angefasst.“ So seien sie und ihre Kolleginnen jeden Tag mit Freude an die Aufgaben gegangen und hätten deshalb die Zeit der massiven Ausfälle gut gemeistert.