Streit in Wachtberg

Kritik an Wiederbelebung der Ortsvertretung in Züllighoven

Der kleine Ort Züllighoven mit knapp 300 Einwohnern hat wieder eine eigene Ortsvertretung.

Der kleine Ort Züllighoven mit knapp 300 Einwohnern hat wieder eine eigene Ortsvertretung.

Wachtberg. Es gibt Kritik an der Wiederbelebung der Züllighovener Ortsvertretung. Doch viele, vor allem die Züllighovener selbst, können diese Kritik nicht nachvollziehen.

Braucht ein kleiner Ort wie Züllighoven mit seinen knapp 300 Einwohnern eine eigene Ortsvertretung? Finden sich überhaupt genug Themen, über die man dort diskutieren könnte? Oder ist ein solches Gremium einfach nur Geld- und Zeitverschwendung? Die Frage hatte das langjährige ehemalige Ratsmitglied Alois Schwind (CDU) in einem Leserbrief aufgeworfen. Schwind reagierte damit darauf, dass sich nach dreijährigem Vakuum Anfang Juli wieder eine handlungsfähige Ortsvertretung um den Vorsitzenden Paul Lägel (SPD) konstituiert hatte.

In seinem Leserbrief vertrat Schwind die Ansicht, dass 45 Jahre lang „die Interessen der Bürger aus dem kleinen Weiler im Süden von Wachtberg in der Berkumer Ortsvertretung sehr gut mitbearbeitet“ worden seien. Schwind fragt sich daher, „weshalb man nur für Züllighoven eine Sonderregelung geschaffen hat, wobei die Holzemer sich vielleicht auch gerne ein eigenes kleines Parlament gewünscht hätten“.

Siegfried Vogel, Geschäftsführer des Ortsvereins Züllighoven, sieht das anders: „Die UWG war 2014 Initiatorin einer eigenständigen Ortsvertretung, da die Interessen der Bürger Züllighovens in der gemeinsamen Ortsvertretung mit Berkum ihrer Meinung nach nur unzureichend berücksichtigt wurden.“ Eine richtige Entscheidung, findet Vogel, die im Rat der Gemeinde mit Mehrheit positiv gefällt worden sei. „Allein die Umsetzung verlief unglücklich, da die eingesetzte Vorsitzende der Ortsvertretung allem Anschein nach aus persönlichen Gründen ihren Aufgaben nicht zufriedenstellend nachkommen konnte“, sagt Vogel: „An örtlichen Themen hat es jedenfalls nie gemangelt.“

Züllighovener machen sich für Ortsvertretung stark

Diesen Themen habe sich laut Vogel in der Zeit des politischen Vakuums der Vorstand des Ortsvereins Züllighoven angenommen. Der Vorstand des Ortsvereins sei zufrieden, dass das politische Gremium „Ortsvertretung Züllighoven als Ausdruck eines demokratischen Verständnisses funktionsfähig seine Arbeit wieder aufgenommen hat“. Nun könne sich der Ortsverein Züllighoven wieder seinen originären Aufgaben widmen, nämlich der Pflege von Brauchtum und Tradition. Die von Schwind als „Sonderregelung für Züllighoven“ bezeichnete Lösung hält Vogel im Grunde für den Regelfall: „Die Sonderregelung besteht aktuell für Holzem, da dieser Ortsteil als einziger in eine Gemeinschaft „Villip/Villiprott/Holzem“ zusammengefasst ist“.

Auch Alois Hochgürtel, Züllighovener Urgestein und einer der neuen Ortsvertreter, hält die eigene Ortsvertretung durchaus für gerechtfertigt und sinnvoll: „In einer eigenen Ortsvertretung kann man eigene Themen viel ernsthafter diskutieren, als wenn ein kleiner Ort in ein und demselben Gremium nur der Anhang eines größeren Ortes ist.“ Logischerweise sei die Gefahr groß, dass Probleme im kleinen Züllighoven bagatellisiert würden. „Dass wir jetzt wieder eine eigene Ortsvertretung haben, ist gelebte Demokratie“, findet Hochgürtel. Zumal auch an Themen im Ort kein Mangel herrsche: „Wenn man das besonnen angeht, könnte die Ortsvertretung mindestens zweimal pro Jahr tagen, und das stünde Züllighoven auch gut an.“

Joachim Mittweg, Vorsitzender der Berkumer Ortsvertretung, betont: „Es war der ausdrückliche Wunsch des Gemeinderates, dem Ortsteil ein politisches Sprachrohr zu geben und für Züllighoven eine eigene Ortsvertretung einzurichten.“ Immer wieder seien Themen von Bürgern vorgeschlagen worden, was nach Mittwegs Ansicht deutlich die Notwendigkeit unterstrichen habe, „ortsspezifische Dinge in der eigenen Ortsvertretung zu behandeln“. Für ihn sei immer das Bestreben spürbar gewesen, Züllighovener Themen auch in einer eigenen Ortsvertretung zu entscheiden.