Schulverkehr Wachtberg - Meckenheim

Keine Chance aufs günstige Busticket

Schulzentrum Meckenheim
Konrad Adenauer Gymnasium

Schulzentrum Meckenheim Konrad Adenauer Gymnasium

Adendorf/Meckenheim. Adendorf liegt für eine Ermäßigung beim Schülerticket zu nah am Schulzentrum Meckenheim. Eine Anwohnerin will die wesentlich höheren Kosten nicht hinnehmen.

Von Adendorf nach Meckenheim ist es nur ein Katzensprung. Genau 3,2 Kilometer, fünf Minuten mit dem Auto. Wibke Anton hätte es allerdings am liebsten, wenn es 300 Meter mehr wären. Denn genau diese Strecke fehlt, damit ihre beiden Kinder ein günstiges Schülerticket bekommen. Nehmen die nun den Bus, wirkt sich das mit 564 Euro weniger pro Jahr im Geldbeutel aus. Die Adendorferin will das nicht hinnehmen und hofft aus Unterstützung bei den Behörden.

Sie hat im Ort auch einen Brief veröffentlicht, in dem sie sich an die Adendorfer Familien wendet. Wie Anton erfahren hat, sind von der Kilometerregelung 50 Kinder- und Jugendliche betroffen, die im Schulzentrum zum Konrad-Adenauer-Gymnasium (KAG), zur Theodor-Heuss Real- oder Geschwister-Scholl-Hauptschule gehen. In Adendorf gibt es laut der Stadt Meckenheim niemanden, dem ein günstiges Schülerticket zusteht.

Wibke Anton ist alleinerziehend, ihr 15-jähriger Sohn und ihre zwölfjährige Tochter besuchen das KAG. Sie selbst orientiere sich gerade beruflich um und könne deshalb ihre Kinder nicht selbst zur Schule fahren. Als sie die Preisstruktur des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) sah, „bin ich hinten umgefallen, was es kostet“, sagt sie. Das Schülerticket kostet fürs erste Kind zwölf, fürs zweite sechs Euro im Monat. Alle weiteren Kinder fahren kostenlos Bus. Die Adendorfer müssen allerdings monatlich 32,50 Euro zahlen – ohne preislichen Nachlass für jedes weitere Kind. Auch das ärgert Anton. Bei zwei Schülern werden demnach pro Jahr ermäßigt 216 Euro fällig, als Vollzahler aber 780 Euro. Als Geringverdienerin könne sie sich eine solche Summe nicht leisten.

"Da gibt es auch keinen Spielraum“

Nach Angaben von VRS-Sprecher Holger Klein haben die Kinder außerhalb der 3,5-Kilometer-Grenze praktisch freie Fahrt zur Schule. Die Kosten für ihr günstiges Ticket kämen zustande, weil sie es auch außerhalb der Schulzeit nutzen können. Die Preisstaffelung nach Anzahl der Geschwister sei vom Gesetzgeber vorgegeben. Bei allen, die näher an der Schule wohnen würden laut Klein die gesetzlichen Regelungen nicht mehr greifen. Da koste das VRS-Schülerticket dann pro Person halt 32,50 Euro – was immer noch viel günstiger als der Regeltarif sei.

An der Kilometergrenze gibt es nichts zu rütteln: Die ist in der Schülerfahrtkostenverordnung des Landes festgelegt. „Es greifen die Entfernungen, da gibt es auch keinen Spielraum“, sagt Meckenheims Beigeordneter Holger Jung. Bei jedem Einzelnen werde die Länge des Schulwegs überprüft. Das mache die Stadt mit Routenplanern – sogar mit zwei, weil da schon mal die Ergebnisse variieren würde. Wibke Anton wohnt am Eichenweg. „An der Stelle kommen wir auf 3,1 Kilometer, das ist halt weniger als 3,5“, sagt Jung, der auch schon persönlich mit ihr gesprochen hat. „Ich kann ihre Gründe alle persönlich nachvollziehen, kann als Schulträger aber nicht helfen.“

Die Adendorferin hofft nun auf eine Ausnahmeregelung im Gesetz: Laut Jung sei eine Ermäßigung möglich, wenn der Schulweg besonders gefährlich und alternativlos sei. Gemeint sei damit etwa eine verkehrsreiche Straße ohne Gehweg. An der Straße zwischen Adendorf und Meckenheim befinde sich aber ein separate Fuß- und Radweg, sagt Jung. Zu solchen Fällen gebe es umfangreiche Rechtsprechungen.

Anton findet den Weg trotzdem gefährlich, was sie auch schon der Polizei mitgeteilt hat. Der 1,2 Kilometer lange Fußweg sei nämlich nicht beleuchtet und teils von der Straße nicht einsehbar. Angst hat sie vor allem in den Wintermonaten, wenn es morgens noch dunkel ist. Sie fürchtet, dass vor allem ihrer Tochter etwas passieren könnte. Über die Politik sucht Wibke Anton nun auch den Kontakt zur Gemeinde Wachtberg. Jung sieht vielleicht da eine Chance, denn bei einer finanziellen Notlage könne man da einen Zuschuss beantragen.