Landschaftsschutz

Kein Geld für Forderungen der Wachtberger

Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft rät zur Anlage von Blühstreifen, wie diesem im Rhein-Sieg-Kreis.

Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft rät zur Anlage von Blühstreifen, wie diesem im Rhein-Sieg-Kreis.

Berkum. Die Wachtberger diskutierten über geschützten Anbau in der Gemeinde. Eine Stiftung empfiehlt vor allem sogenannte Blühstreifen am Rand von Ackern.

Der Schutz der Landschaft ist für viele Wachtberger sehr wichtig. Das zeigte der Besucherandrang am Dienstagabend bei der Sitzung des Runden Tisches „Geschützter Anbau in der Landwirtschaft“ im Berkumer Rathaus: Der Ratssaal war voll besetzt. Der Runde Tisch trifft sich inzwischen seit zwei Jahren, doch das Interesse lässt sichtbar nicht nach. „Die gute Arbeit des Runden Tischs wurde nicht infrage gestellt“, erklärte Beigeordneter Jörg Ostermann.

Fachleute aus Landwirtschaft, Politik, Verwaltung und Naturschutz informierten und diskutierten über Blühstreifen und den Wert von Hecken. Außerdem wurde über die Instandsetzung des Grabensystems in Fitzdorf und Arzdorf vor dem Hintergrund der starken Überschwemmung im Sommer 2016 diskutiert. Moderiert wurde von Dr. Jan Freese von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

Zur Erinnerung: Im Herbst 2015 hatte der Runde Tisch zum ersten Mal getagt. Dabei ist sein Arbeitstitel, „Geschützter Anbau“, ein Fachbegriff für die Verwendung etwa von Folientunneln und Hagelnetzen, entstanden. Ziel der Veranstaltung ist es, Interessengruppen wie Landwirte und Naturschutzbehörden zusammenzuführen, um einen Austausch zu ermöglichen. Sowohl Aspekte des Landschaftsschutzes als auch ökonomische Entwicklungen in der Landwirtschaft sollen unter Mitarbeit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft erörtert werden. Die Mitarbeit der Stiftung wird zur Hälfte von der Gemeinde Wachtberg und zur Hälfte von den Landwirten finanziert.

Jan Dirk Schierloh von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft berichtete über die Arbeit in Wachtberg: Es wurden Infoschilder zu Naturschutzmaßnahmen in der Gemeinde aber auch über den modernen Obstanbau in Wachtberg erstellt. „Durch Gespräche konnten wir herausfinden, dass die Landwirte gerne erklären möchten, warum sie was einsetzen“, so Schierloh. Die Informationsschilder sind über ein Formular bestellbar und beschäftigen sich unter anderem mit Hagelnetzen, Folientunneln, Blühstreifen und Insektenhotels.

Infoschilder weisen auf richitges Verhalten hin

Für den, in bereits vorangegangenen Runden beschlossenen, Schutz von Steinkauz und Rebhuhn werden im nächsten Jahr Nistkästen aufgehangen, außerdem soll verstärkt auf Blühstreifen gesetzt werden. „Blühstreifen sind Schutz“, erklärte Schierloh. Ihre Bedeutung sowie Tipps zur Anlage und Pflege hat die Stiftung in dem Handbuch „Expedition Blühstreifen“ für Teilnehmer und Interessierte zusammengefasst.

Joachim Heinen, Landwirt in Wachtberg, macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, das sich jeder einzelne Bürger mit einbezogen fühlen muss. „In meinem Blühstreifen hat ein Pkw gedreht, dann wurde mir der Blühstreifen aberkannt“, nannte Heine ein Beispiel. Es sei wichtig, dass jeder diesen Bereichen Anerkennung zukommen lasse. So gibt es auch auf den Infoschildern der Stiftung ein Feld mit der Überschrift „So können Sie helfen“. Genannt sind dort Bitten, wie „Bleiben Sie auf den Wegen“ oder „Lassen Sie Ihren Hund nicht an die Obstbäume“.

Berit Hockauff, die ihre Bachelorarbeit mit dem Thema „Zustand und Bedeutung linearer Streuobststrukturen für die Gemeinde Wachtberg“ vorstellte, forderte ein festes Regelwerk für die Pflege von Obstbäumen am Straßenrand. 30 Prozent der Bäume seien in einem sehr schlechten Zustand, so Hockauffs Forschungsergebnisse. „In Wachtberg gibt es Birnenbäume, die über 200 Jahre alt sind“, erklärte die Absolventin. Streuobst sei in NRW jedoch nicht geschützt. Der Runde Tisch nahm das Thema auf. Auf der nächsten Sitzung soll auch der Anbau von Wildobstbäumen, die keine essbaren Früchte tragen, diskutiert werden.

Zum Ende der Sitzung wurden Forderungen laut nach Wildblumen auf der Fläche der Gemeinde sowie eine Aktion, die dazu führen soll, dass die Vorgärten der Wachtberger Bürger „entschottert“ werden. „Die Förderung mit 20 000 Euro sollte eingestellt werden, ich konnte lediglich 5 000 Euro für diese Maßnahmen retten“, entgegnete Beigeordneter Ostermann. Alleine die Samenmischung, die von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft für Blühstreifen empfohlen wird, kostet nach Angaben des Stiftungsmitarbeiters Schierloh pro Hektar über 1000 Euro. Das größte Problem seien jedoch die personellen Ressourcen. „Ich habe mich dafür eingesetzt, einen Landschaftsplaner einzustellen – jedoch ohne Erfolg“, klagte Ostermann. „Mit dem jetzigen Personal kann die Gemeinde nichts von den geforderten Maßnahmen umsetzten“, sagte Ostermann und erntete dafür Beifall aus dem Publikum.