Lyrikpreis in Wachtberg

Gelungener Einstand für die Kugel

Gewinner Martin Möllerkies (Mitte) mit den Veranstaltern Herbert Reichelt (vorne links) und Dieter Dresen (vorne rechts) sowie Musiker Erwin Ruckes (hinten 3.v.l.) und den anderen Teilnehmern.

Gewinner Martin Möllerkies (Mitte) mit den Veranstaltern Herbert Reichelt (vorne links) und Dieter Dresen (vorne rechts) sowie Musiker Erwin Ruckes (hinten 3.v.l.) und den anderen Teilnehmern.

Adendorf. Beim ersten Wachtberger Preis für komische Lyrik küren Jury und Publikum Martin Möllerkies zum Sieger. Vorbilder der Teilnehmer sind Ringelnatz und Wilhelm Busch.

„Wachtberg biete ich mein Leben, ihr könnt mir die Kugel geben“, dichtete Martin Möllerkies am Ende der zehn Minuten, in denen er seine Lyrik vorstellte. Die Wachtberger taten ihm den Gefallen und gaben ihm am Samstagabend im Adendorfer Drehwerk sogar zwei Kugeln: Jury und Publikum erkannten in ihm gleichermaßen den Gewinner der Wachtberger Kugel, des ersten Wettbewerbs für komische Lyrik, der im Drachenfelser Ländchen ausgerichtet wurde.

Der 55-jährige Informatiker veröffentlicht seine Gedichte auf www.keinverlag.de und hat dort inzwischen eine Fangemeinde. Als einer von rund 500 Hobby-Dichtern hatte er Beiträge zum Wettbewerb eingesendet, die Veranstalter luden ihn mit sechs anderen zur Preisverleihung ein. Mit seinen raffinierten Reimen und seinem Spiel mit Sprache – „Ein Rentier nur rentiert sich nicht, drum ist ein zweites Rentier Pflicht“ – überzeugte er am Ende. Jetzt hat er einiges zu schleppen, denn die Trophäen, zwei Keramikkugeln auf Granit vom Adendorfer Töpfer Peter Hansen, haben ein ordentliches Gewicht.

Während Möllerkies den weitesten Anfahrtsweg – aus Hamburg – hatte, hatte Monika Clever den kürzesten: Die Künstlerin wohnt in Niederbachem. Ihre Gedichte über Löwen, Platzhirsche, Weltreisende und ein Karussell brachten ihr den zweiten Platz beim Publikumspreis ein.

Die Jury wählte auf den zweiten Platz Iris Schürmann-Mock, ehemalige Journalistin aus Bornheim, die jetzt unter anderem Kinderbücher schreibt. Für sie war es der erste Auftritt mit ihren Gedichten. Der komischen Lyrik sei sie aber schon früh verfallen: „Auf einem langweiligen Familienfest bei meinem Onkel habe ich mit elf Jahren Ringelnatz entdeckt“, so die 69-Jährige. „Seitdem bin ich verloren.“

Stefan Pölts Vorbild ist Heinz Erhardt. In Anlehnung an dessen „Made“ präsentierte er unter anderem das Gedicht „Die Fliege“. Bei ihm waren sich Jury und Publikum einig und wählten ihn auf den dritten Platz. Der 54-Jährige veröffentlicht seine Gedichte unter dem Künstlernamen „Plotzn“.

Daneben sorgten die Kölner Stefan Krüger und Rolf Polander sowie Frank Dyczka aus Bad Pyrmont für einen sehr unterhaltsamen Abend für die 70 Gäste im Drehwerk. Letzterer war der einzige, der nur ein Gedicht vortrug, ein etwas makaberes Werk über einen, der versucht, sich das Leben zu nehmen. Der 41-jährige Psychotherapeut hatte es für den Wilhelm-Busch-Wettbewerb geschrieben, Anerkennung fand es aber erst in Wachtberg. Darüber, dass er dort in die Endrunde kam, war Dyczka begeistert.

Auch wenn er keinen Preis mit nach Hause nahm, kann er sich über die Veröffentlichung seines Gedichts freuen. Neben den sieben Endrundenkandidaten kann man in dem Buch „Die besten Kugel-Schreiber“, das der Kid-Verlag herausgibt, Werke von 68 weiteren Teilnehmern lesen. Zwischen den Beiträgen sorgte Erwin Ruckes am Klavier für den guten Ton.

Die Veranstalter Herbert Reichelt und Dieter Dresen waren sehr zufrieden und hoffen, dass ihr Wettbewerb eine Fortsetzung findet.Wenn wieder so viele Teilnehmer dabei sind, die Juroren sich so bereitwillig finden, das Drehwerk erneut seine Bühne kostenlos zur Verfügung stellt und die Sponsoren wieder an Bord sind, sollte das kein Problem sein.

Das Buch zum Wettbewerb, „Die besten Kugel-Schreiber“, ist im Kid-Verlag erschienen und kostet zwölf Euro, ISBN 978-3-929386-68-4.