Geschichte der Feuerwehr in Wachtberg

Früher löschten man die Brände mit der Saugpumpe

Villip. Wie die Freiwillige Feuerwehr Wachtberg sich das Grundstück fürs erste Gerätehaus freisprengte. Hans-Werner Kühlwetter plaudert beim Erzählcafé über alte Zeiten.

Mit der Schalmei haben die Aktiven der Feuerwehr Villip im 19. Jahrhundert den Alarm geblasen, erfuhr man von Hans-Werner Kühlwetter im Erzählcafé in Villip. Knapp 40 Besucher waren zu Kaffee und Kuchen gekommen, um dem historischen Abriss des Werdens der Floriansjünger zuzuhören, eigene Erfahrungen und Anekdoten auszutauschen.

Die Idee zu einer Feuerwehr hatte es von einem Bürgermeister bereits 1815 gegeben, erzählte Kühlwetter. Allerdings hatte es, wie so oft, im Rat lange Zeit nicht die notwendige Mehrheit gegeben, um eine auch nur annähernd geeignete Basis dafür zu schaffen. Eine Pflichtfeuerwehr habe es lange Zeit gegeben, mit Wasserreservoirs einfachster Art wie angelegten Becken und Tonnen an neuralgischen Punkten. Man war anfangs nicht einmal mit einer Pumpe ausgerüstet.

Gründung der Löschgruppe im Jahr 1926

Bis zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr mit dem Segen des Gemeinderats unter Brandmeister Bernhard Zorn schrieb man das Jahr 1926. Gleich 58 Männer erklärten sich bereit, sich für die Gemeinschaft gegen die Naturgewalt Feuer einzusetzen. So entstanden auf Anhieb zwei Löschgruppen, in denen unter anderem die Posten der Steigenführer, Obersteiger, Spritzenführer, Rohrführer, Ordnungs- und Sicherheitsführer unter den Freiwilligen ausgemacht wurden. „Es gab auch immer eine Familie, die im Falle eines Falles Alarm zu geben hatte.“

War es zuvor eine weithin hörbare Schalmei gewesen, die im Falle eines Falles Alarm geschlagen hatte, so übertrug man diese Aufgabe nun Matthias Jülich. Dessen Familie besaß nämlich nicht nur ein just zu diesem Zweck perfekt geeignetes Militärhorn, sondern auch ein Fahrrad, auf das Jülich sich im Alarmfall schwang, um das Horn überall in den Straßen des Orts gut zu Gehör zu bringen.

Wie notwendig eine gute Organisation der 1927 immerhin 26 Wehren im Landkreis Bonn war, zeigt ein Ausschnitt aus dem Jahresbericht des damaligen Kreisbrandmeisters Wald: „Im verflossenen Jahre haben im Landkreis Bonn insgesamt 52 Brände stattgefunden, zu welchen die Feuerwehren alarmiert wurden“, schrieb er. Darunter seien acht Totalbrände, sieben Dachstuhlbrände, fünf Dach- und Stockwerkbrände, elf Kaminbrände, 17 Zimmerbrände, zwei Autobrände und ebenso viele Waldbrände gewesen. Allerdings hielt Wald die Aufzählung nicht für vollständig, weil seinerzeit nicht jede Wehr es mit der „gewissenhaften Aufnotierung der Brände“ so genau nahm.

Kameradschaft wurde großgeschrieben

Organisation und Kameradschaft wurde großgeschrieben. „Man arbeitete miteinander und wenn Fehler passierten, dann lernte man für das nächste Mal daraus“, so Kühlwetter. Er selbst übernahm das Amt des Brandmeisters von Karl Huberto, der die Löschgruppe von 1961 bis 1972 geleitet hatte. Bis 1995 blieb Kühlwetter im Amt und erinnerte sich gerne an manch abenteuerliche Geschichte.

Ein Bürger Villips war bereit gewesen, ein passendes Grundstück im Zentrum Villips für ein Gerätehaus der freiwilligen Helfer gegen ein Ersatzgrundstück zu tauschen, sofern er dieses auch nutzen könne. Man schlug zum Tausch einen Abschnitt des Wasserbergs vor, der wegen der Hügelform jedoch für eine bauliche Nutzung ungeeignet war. Um den Tausch dennoch zu vollziehen, begann man mit dem Abtragen des Hügels, stieß aber schnell an seine Grenzen. Deshalb besorgte man sich über den „kleinen Dienstweg“ Kenntnisse und Material von jemandem, der schon einmal mit Sprengungen befasst war. „Angemeldet haben wir das vorsichtshalber nicht“, schmunzelte Kühlwetter. „Aber der Knall war ziemlich laut.“ Immerhin entstand ein nutzbares Grundstück für den Grundstückstausch und die Freiwillige Feuerwehr bekam ein Gerätehaus.