Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe

Flüchtlingshelferin zieht in den Köllenhof in Wachtberg

Wachtberg-Ließem. Ehrenamtskoordinatorin Katja Ackermann und die Wachtberger Flüchtlingshilfe haben neue Räume im Köllenhof bezogen. Von hier aus wird die Arbeit der 30 bis 40 aktiven Ehrenamtlichen koordiniert.

Das historische Wohnhaus des Ließemer Köllenhofs füllt sich weiter mit Leben. Am Dienstag hat Katja Ackermann, Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe der Gemeinde Wachtberg, dort offiziell ihr Büro eröffnet. Im benachbarten Seminarraum finden Sprachkurse und die Treffen des Ökumenischen Arbeitskreises statt. Die Gemeinde konnte den bislang leerstehenden Teil des Köllenhofs mit einem 2016 vom Land aufgelegten Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ denkmalgerecht sanieren.

Seit 1988 gehört die vierflügelige Hofanlage der Gemeinde Wachtberg. Aus dem früheren Bauernhof, der bis in die 1970er Jahre vom ehemaligen Ließemer Bürgermeister Johannes Köllen bewirtschaftet wurde, ist ein Kultur- und Begegnungszentrum mit Bibliothek geworden, in dem man auch heiraten kann. Für die Flüchtlingsarbeit war wegen der vielfältigen Nutzung zu wenig Platz.

Bürgermeisterin Renate Offergeld ist deshalb dem ehemaligen Beigeordneten Jörg Ostermann dankbar, der über das Förderprogramm gemeinsam mit den Akteuren der Flüchtlingshilfe einen Weg gefunden habe, das historische Wohnhaus wieder zu nutzen. Das Ziel des Landes, das Zusammenleben im Quartier mit baulichen Investitionen zu fördern, passte gut zum Köllenhof. Innerhalb von neun Monaten wurden 350 000 Euro investiert, davon Fördermittel in Höhe von 175 000 Euro. Die alten Sprossenfenster wurden teilweise erneuert oder mit zusätzlichem Glas versehen, die Wände bekamen eine Innendämmung. Ausschnitte der historischen Wandbemalung sind ebenso wie die originalen Bodenplatten ein Fenster zur Geschichte.

Mangel an Wohnraum für Flüchtlinge in Wachtberg

Johannes Köllen hatte lebenslanges Wohnrecht auf seinem Hof. Bis zu seinem Tod im Jahr 1999 sah man ihn häufig zum Fenster seines Hauses herausgelehnt, immer bereit zum „Klaaf“ mit auf der Straße vorbeigehenden Menschen. Ähnlich kommunikativ geht es auch jetzt wieder zu.

Ackermann, studierte Forstwirtin mit reichlich Auslandserfahrung, kam mit ihrer Familie über Mosambik, Leipzig und Madagaskar nach Wachtberg. Zehn Stunden pro Woche koordiniert sie die Arbeit der Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe. „Auf der Liste stehen etwa 100 Ehrenamtliche, 30 bis 40 sind aktiv“, berichtet Ackermann, die sich immer über neue Freiwillige freut. Zu tun gibt es genug: Hausaufgabenhilfe, Spieleabende, Lebensmittelausgabe bei der „Zugabe“, Kleiderpavillon, Unterstützung der Flüchtlinge bei Bürokratie und Familienpatenschaften.

Neben der Gemeinde bilden DRK-Ortsverband und Ökumenischer Arbeitskreis die weiteren Säulen der Flüchtlingshilfe. Tülün Kahlenberg vom DRK und Gero Nölken vom Arbeitskreis besuchten Ackermann zur Eröffnung im neuen Büro.

In Wachtberg leben 112 Asylbewerber, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, 62 Flüchtlinge sind anerkannt, 47 sollen bald ausreisen. Besondere Sorge bereitet den Helfern, dass es kaum Wohnraum für die Menschen gibt, die Wachtberg mit einer Wohnsitzauflage zugewiesen wurden. Auch ein Aufruf gemeinsam mit den örtlichen Pfarrern hat bisher wenig Resonanz gebracht.

Sprechzeit von Koordinatorin Katja Ackermann im Köllenhof, Marienforster Weg 14, ist montags von 8 bis 12 Uhr,02 28/34 32 50. Im Berkumer Rathaus ist sie immer mittwochs von 8 bis 14 Uhr in Zimmer 018 anzutreffen,02 28/9 54 41 30.