Kellertheater Chateau Pech

Ein Wonnegraus, der juchzt und singt

PECH. Sie staunt. Sie lacht. Sie weint. Sie juchzt. Sie singt. Sie küsst. Sie verzweifelt. Und wie. Dieses Gretchen wird man wohl noch öfter sehen. Wer die perfekte Verkörperung von Goethes tragischem Geschöpf sehen will, sollte an einem der nächsten trüben Novembertage ins Kellertheater Chateau Pech hinabsteigen - und sich vom Urfaust verzaubern lassen.

Was Nachwuchsschauspielerin Raika Nicolai in der anspruchsvollen Rolle mittels Mimik, Sprachduktus und Anmut im Wortsinne auf die Bühne stellt, ist mit der Vokabel Talent allenfalls notdürftig beschrieben. Offenbar liegt es der jungen Darstellerin im Blut.

Denn die Rolle des Mephisto, vor dem sie sich so fürchtet, ist bei ihrer Großmutter Gundula Schroeder bestens aufgehoben. Für die frühere Berufsschauspielerin ist der "Urfaust" eine Reise in die eigene Jugend, war das Gretchen doch ihre erste Rolle als junge Schauspielerin am Stadttheater Flensburg.

Jetzt hat sie Inszenierung und Bühnenbild als Regisseurin wie immer passgenau auf die Bedingungen in der Wohnzimmeratmosphäre des Theaters abgestimmt. Und wer nicht gerade in den tiefen, blauen Augen des Gretchens versinkt oder an ihren Lippen hängen bleibt, der würdigt die bemerkenswerte Ensembleleistung der insgesamt zehn Darsteller, allen voran Clint Christian Staak als suchender, strebender (und doch irrlichtender) Faust, der die Rolle des modernen Egomanen bis in die Fingerspitzen mit dem ganzen Körper spielt.

Wer die bisherigen Vorstellungen sah, der konnte es auf dem Heimweg ganz mit Heinrich Faust halten: Was fasst mich für ein Wonnegraus: Hier möcht' ich volle Stunden säumen.

Weitere Vorstellungen im Kellertheater Chateau Pech, Nachtigallenweg 22, am Samstag und Sonntag, 1. und 2., sowie am 4., 7., 8., 11., 14., 16., 19., 21. und 22. November jeweils ab 19 Uhr.