Fachwerkensemble in Arzdorf gerettet

Die alte Scheune steht wieder

Arzdorf. Ein historisches Fachwerkgebäude aus Niederbachem wird zurzeit in Arzdorf originalgetreu wiederaufgebaut. Die Rettung des Gebäudes ist dem Engagement des Niederbachemer Heimatvereins zu verdanken.

Wer sich für den Erhalt alter Bauten interessiert, insbesondere wem Fachwerk am Herzen liegt, der dürfte an dieser ungewöhnlichen Rettungsaktion seine helle Freude haben. Zumal sich ein glückliches Ende abzeichnet. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: eine alte Scheune aus dem 18. Jahrhundert, die bis Mitte vergangenen Jahres noch in Niederbachem stand, aber einem Neubauprojekt weichen musste. In vielen vergleichbaren Fällen wäre das ein Fall für den Abrissbagger gewesen.

Nicht so in Niederbachem. Inzwischen hat nämlich jene Schreinerei, die die Eichenbalken und Schindeln der Scheune in Niederbachem feinsäuberlich durchnummeriert und demontiert hatte, das Balkenwerk fast komplett wieder in Arzdorf zusammengesetzt. Und zwar eins zu eins auf dem Gelände eines Landwirtes nahe der Landesstraße 123. Entscheidendes Schwungrad der Rettungsaktion war der Heimatverein Niederbachem um seinen rührigen stellvertretenden Vorsitzenden Walter Töpner.

Seit die Arbeiten in Arzdorf vor rund einer Woche begannen, haben Thore Wahl und Peter Dietenhofer, die beide für die Schreinerei Gies aus Dernau arbeiten, ganze Arbeit geleistet: Fast alle Balken der alten Scheune waren am Freitag auf dem Gelände des Arzdorfer Landwirtes wieder montiert. Und zwar genau so, wie die Scheune einst an der Bondorfer Straße auch gestanden hatte, erklärt Architekt Heinz Hartmann, der im Auftrag des neuen Eigentümers sowohl für den Ab- wie den Wiederaufbau verantwortlich ist. Er geht insgesamt von geschätzten 500 Kubikmeter umbauter Raum aus, der quasi von Niederbachem nach Arzdorf versetzt wurde.

Beim dem jetzt laufenden Wiederaufbau ist Pflicht: Die Schreinerleute bedienen sich der Technik so, wie es im 18. Jahrhundert üblich war: Allein mit Holznägeln werden die Balken verbunden. In dem Metier hat sein Arbeitgeber einige Erfahrung, erklärt Dietenhofer, „Wir haben schon eine Reihe ähnlicher Aufträge durchgeführt.“ Allerdings sagt er auch: „Das Versetzen einer ganzen Scheune ist auch für mich etwas Neues.“ Vor rund einer Woche hatte der Wiederaufbau in Arzdorf begonnen.

Ein Stück Geschichte gerettet

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, ist in erster Linie dem Engagement des Niederbachemer Heimatvereins geschuldet. Zu viele alte Fachwerkhofanlagen hatte dessen Vorstandsmitglied Töpner bereits verschwinden sehen. Genau dieses Schicksal hatte im vergangenen Sommer auch der Fachwerkscheune gedroht, die zu einer seit längerer Zeit leerstehenden Hofanlage, dem Zettelmeyer-Hof, an der Bondorfer Straße in Niederbachem gehörte.

Auf dem Gelände baut Investor Michael Geppert, der ebenfalls aus Wachtberg kommt, derzeit seniorenfreundliche Wohnungen. Als klar war, dass dort gebaut werden sollte, vergewisserte sich Töpner mit Unterstützung Gepperts erst einmal, ob und inwieweit die Hofanlage erhaltungswürdig ist. Zwar war die Anlage nicht in der Denkmalliste eingetragen. Doch aus Sicht von Töpner musste das nicht unbedingt etwas heißen: „In diesem Fall ist es nicht immer ausgeschlossen, dass ein Gebäude doch denkmalwürdig ist.“

Bei einer Begutachtung des Zettelmeyer-Hofes stellte der Heimatverein fest: „Der Hof repräsentiert sehr wohl ein Stück Niederbachemer Geschichte.“ Erhaltunsgwürdig war insbesondere die Fachwerkscheune, die Töpner „auf das 18. Jahrhundert datiert“. Als eine besondere Zierde stufte er das massive Holztor des Hofes ein, dass auch schon einen Abnehmer in Gestalt des Freilichtmuseums in Kommern gefunden hat.

Was die Scheune anging, machte sich Töpner mit einem Aufruf daran, einen neuen Eitgentümer zu finden. Und siehe da, es klappte: Die Tochter eines Arzdorfer Landwirtes meldete sich. „Die Frau wollte die Scheune auf dem Areal ihres Vater wiederaufbauen und zum Teil als Hofladen nutzen“, erklärte Architekt Heinz Hartmann. Der Fahrplan sieht vor: Wenn alle Balken montiert sind, wird das Dach mit den alten originalen Schindeln gedeckt.

Anschließend wird das Fachwerk ausgebaut – und zwar mit einer kunststoffbeschichteten, acht Zentimeter dicken Mineralfaserplatte sowie einer weiteren Dämmung, so Fachmann Hartmann. Im Juni soll alles fertig sein. Auch ein schönes Tor, das nicht nach Kommern gekommen ist, wird dann wieder an seinem Platz sein. Dass unterm Strich ein solches Projekt mit viel Idealismus zu tun hat, ist für Architekt Hartmann unbestritten: „Das liegt schon daran, dass eine herkömmlich Bauweise erheblich billiger ist.“