Autorin aus Niederbachem

Der Sprachwitz in Person

Für die Veröffentlichung ihres zweiten Romans sucht Autorin Susanne Fuß aus Niederbachem gerade einen Verlag.

Für die Veröffentlichung ihres zweiten Romans sucht Autorin Susanne Fuß aus Niederbachem gerade einen Verlag.

Niederbachem. Susanne Fuß spricht über die Schwierigkeiten des Autorenseins. Nach ihrem Erstlingswerk „Driving Phil Clune“ ist nun ihr nächstes Buch, „Corpus delectat“, fertig.

Als Student der Geisteswissenschaften kennt man das: Mit einem Abschluss in Germanistik oder Anglistik kann man alles und nichts machen. Susanne Fuß aus Wachtberg hat mittlerweile ihre Nische gefunden. Nach vielen Jahren als Archivarin in verschiedenen Pressehäusern schreibt sie jetzt Romane. Nach ihrem Erstlingswerk „Driving Phil Clune“ ist nun ihr nächstes Buch, „Corpus delectat“, fertig. Viel lieber aber schreibt sie Drehbücher. Über die Schwierigkeiten des Self-Publishing, den Unterschied von Romanen und Drehbüchern und Erfahrungen mit der Literaturbranche sprach sie mit dem GA.

Nach ihrem Abschluss in Anglistik, Amerikanistik und Komparatistik arbeitete Fuß in den Archiven des Deutschlandfunks und des WDR sowie zuletzt für das Deutsche Musikinformationszentrum. „Das war mir auf Dauer aber zu wenig“, gesteht die gebürtige Bad Godesbergerin. Wegen „alter Leidenschaften“ aus dem Studium fing sie an, sich nebenher mit Drehbüchern zu beschäftigen. Schließlich kündigte sie, um sich ganz dem Schreiben von Drehbüchern zu widmen.

Als Außenseiter in die Branche zu kommen, sei allerdings „nahezu aussichtslos“. Produktionsfirmen wie Constantin Film hätten überhaupt kein Interesse mehr an Original-Drehbüchern. Stattdessen setzte man auf Buchverfilmungen. „Die müssen auch rechnen. Wenn man bekannte Stoffe nimmt, ist das eine relativ sichere Sache, obwohl ich das nicht gut finde. Es gibt Stoffe, die eignen sich für ein visuelles Medium, und es gibt Stoffe, die eignen sich mehr als Roman“, erklärt die dreifache Mutter.

Ihre Drehbücher enthielten viel Slapstick-Humor, was in einem Roman sprachlich schwierig umzusetzen sei. „In einer Slapstick-Szene passieren viele Sachen gleichzeitig, und das macht den Witz aus. Ich kann aber in einem Roman nur linear erzählen, da verpufft viel. Im Roman kann ich dafür viel mehr mit Sprachwitz arbeiten“, erläutert sie weiter. „Im Drehbuch erzähle ich eine Geschichte in Bildern, im Roman in Sprache.“

Obwohl Drehbücher ihre wahre Passion sind, entschied sie sich wegen der widrigen Umstände, „auf der Romanschiene“ zu bleiben und freiberuflich als Übersetzerin und Lektorin zu arbeiten. „Driving Phil Clune“ war ursprünglich ein Drehbuch über einen Taxifahrer in Berlin, der davon träumte, einen berühmten Schauspieler kutschieren zu dürfen. Vorlage für die Figur war Tom Hanks, was einen potenziellen Film für deutsche Firmen unerschwinglich machte. Damit die Geschichte nicht verloren ging, wandelte Fuß das Drehbuch in einen Roman um.

Ihr neues Buch „Corpus delectat“, auf Deutsch etwa „Der Leichnam, der erfreut“, nimmt die Lust am Horror aufs Korn. In einer schwarzhumorigen Geschichte kommt einem Maskenbildner das Plastikmodell einer zerfetzten Leiche abhanden. Schließlich ermittelt sogar die Polizei wegen Mordes an unbekannt.

Wegen der Veröffentlichung ist sie aktuell mit Verlagen im Gespräch. Ihr letztes Buch hat sie in Eigenregie veröffentlicht. 150 Euro und drei bis vier Wochen Bearbeitungszeit – Self-Publishing ist schnell und günstig, aber das Marketing fehlt komplett. „Man ist einer von 70 000, die pro Jahr veröffentlichen. Man geht in der Masse unter, ganz gnadenlos“, fasst sie ernüchtert zusammen. Etwa 200 Exemplare habe sie verkauft, finanziell ein Verlustgeschäft. Essenziell für Autoren sei ein Agent, der die Verlage kenne und ein Buch gezielt an den richtigen Stellen vorstellen könne.

Wer sich selbst einen Eindruck von der Autorin machen möchte, hat dazu am 10. Juni 2017 die Gelegenheit. Bei Borro Medien, am Wittelsbacher Ring 7 in Bonn-West, wird Susanne Fuß aus „Driving Phil Clune“ lesen. Die genaue Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.