Sanierung oder Neubau?

Das Wachtberger Rathaus ist marode

Wachtberg. Das Wachtberger Rathaus in Berkum, in den 1970er erbaut, ist marode. Ein Gutachter soll jetzt klären, ob es saniert oder abgerissen und neu gebaut werden soll.

Es muss schon fast lustig ausgesehen haben, wenn die Lage nicht so ernst wäre: Besucher des Rathauses in Berkum saßen vor ein paar Wochen zwischen Eimern, weil Wasser von der Decke tropfte. Der mittlerweile behobene Schaden auf dem Eingangsflachdach ist aber längst nicht das Einzige, was bei dem Bau aus den 1970er Jahren im Argen liegt. Er ist so marode, dass die Politiker im Ausschuss für Infrastruktur und Bau nun 50.000 Euro für einen Gutachter für den kommenden Haushaltsplan zur Verfügung stellten – mit einer Mehrheit von zwölf Stimmen bei einer Gegenstimme. Der soll nun herausfinden, ob das Gebäude saniert werden kann oder sogar abgerissen werden muss.

Nach Auskunft des Beigeordneten Swen Christian ist die Lage im Untergeschoss besonders dramatisch, weil sich dort Schimmel breitmache. Zwei Räume können schon nicht mehr genutzt werden. Im Keller befinden sich aber noch Gemeindebüros, das Archiv und die Räume der Fraktionen. „Man riecht und sieht es. Das geht auf die Lunge“, sagt Christian. Im Sommer sei auf der zweiten Etage, an der Straßenseite gelegen, ein Alufenster nach innen gefallen. Es habe sich zu dem Zeitpunkt zum Glück niemand in dem Durchgang befunden.

Auch der Ratssaal mit seiner Faltwand entspreche nicht dem Brandschutz, so der Beigeordnete der Gemeinde: „Wir wollen jetzt nun alles auf den Prüfstand stellen“. Dabei gehe es nicht um die Erschaffung eines Rathauses mit goldenen Türklinken. „Wir erhoffen uns Energieeinsparungen“, sagt er. Denn zurzeit verbrauche man im Haus 180 Prozent mehr Energiebedarf als üblich. Wie es aus den Ausschussunterlagen hervorgeht, wird es an heißen Tagen schnell mal weit mehr als 30 Grad in den Büros – und das trotz Sonnenschutz. Wer zur Straße hin arbeiten muss, hört jedes vorbeifahrende Auto, weil die Fenster undicht sind. Das Gebäude samt seinen Anbauten und dem Parkplatz umfasst 4500 Quadratmeter.

Nicht alle Stockwerke erreichbar

Wer gehbehindert ist, kann heute längst nicht alle Stockwerke des Rathauses erreichen. Die Barrierefreiheit ist also nicht gewährleistet. Zudem fehlt es laut Gemeinde an Besprechungsräumen. Unterm Strich verbrauche das Gebäude viel Fläche in einer ansonsten wohnbauverdichteten Lage. Es sei allerdings in seiner Kernsubstanz gesund.

Nach Verabschiedung des Haushalts – je nachdem, ob er für ein oder zwei Jahre gilt – kann der Gutachter 2019 oder 2020 seine Arbeit aufnehmen. Die Gemeinde rechnet damit, dass die Bestandsaufnahme einige Monate dauern wird. Der Fachmann soll alle Möglichkeiten ausloten – von der Sanierung bis hin zu einem Neubau. Die Standortfrage soll er dabei mitbetrachten. Wie es dann weitergehen wird, ist noch Zukunftsmusik. „Man muss Fördermöglichkeiten prüfen“, sagt Christian. „Es ist klar, dass was getan werden muss.“

Am Rande der Ausschusssitzung hieß es, dass ein Neubau vielleicht an anderer Stelle wie der Neuen Mitte entstehen könnte. Ein Rathaus dort wäre für die Bewohner der anderen Dörfer leichter zu erreichen. Zudem böte es der Gemeinde die Gelegenheit, den alten Ort für Wohnhäuser zur Verfügung zu stellen – eine zusätzliche Einnahmequelle.