Tourismus in Wachtberg

Das Ländchen zieht Übernachtungsgäste an

Blick auf den Rodderberg und den Drachenfels aus 100 Metern Höhe.

Blick auf den Rodderberg und den Drachenfels aus 100 Metern Höhe.

Wachtberg. Immer mehr Ferienwohnungen werden von Touristen zwischen Pech und Berkum nachgefragt. Die Hotels leben in der Woche vor allem von reisenden Handwerkern, die auf den großen Baustellen in der Bundesstadt arbeiten.

Da wohnen, wo andere Urlaub machen – ein gutes Stück gilt die Aussage auch für das Drachenfelser Ländchen. Gerade jetzt während des milden und oft noch sonnigen Herbstwetters präsentiert sich die Gemeinde, etwa der Rodderberg, von seiner schönsten Seite. Vor allem auch, weil Ausflugsziele wie das Rheintal mit der Bundesstadt Bonn, aber auch das Siebengebirge quasi vor der Haustür liegen. „Von seinen schönen Landschaften und der Nähe zu Tourismuszielen von Rang profitiert eben auch der Fremdenverkehr in der Gemeinde“, sagt Eva Konrath, Geschäftsführerin des Vereins Rhein-Voreifel-Touristik. Dabei raten Hoteliers und Anbieter von Fremdenverkehrszimmern in Wachtberg zu einer differenzierten Betrachtungsweise.

Für Eva Konrath sind die Anzahl der Ferienwohnungen beispielsweise ein Indiz dafür, dass Wachtberg bei Besuchern hoch im Kurs steht: „Wir listen derzeit 24 Ferienwohnungen.“ Vor zehn Jahren seien es nur rund die Hälfte gewesen: „Also scheint hier eine rege Nachfrage zu herrschen“, führt Eva Konrath aus. Leider würden diese Übernachtungen statistisch nicht erfasst, sodass man keine validen Aussagen treffen könne. „Wir wissen, dass einige Wohnungen sehr gut belegt sind.“ Auch, dass diese immer wieder von Stammgästen gebucht würden.

Burgenführungen immer ausverkauft

Was Wachtberg noch attraktiv macht? Neben abwechslungsreichen Wanderrouten wie die Feuerroute auch kulturelle Angebote. Konrath verweist auf die Wachtberger Kulturwochen und das kleine Programmkino Drehwerk 17/19, zudem Veranstaltungen wie die Adendorfer Landpartie oder der dortige Martinsmarkt. Ein weiteres Highlight sind die Sehenswürdigkeiten zwischen Niederbachem und Adendorf, vor allem die großen Burgen. „Unsere Burgführungen waren in diesem Jahr stets ausgebucht“, so Konrath: „In Wachtberg gab es fünf Termine.“

Gleichwohl hat Peter Görres, Inhaber des gleichnamigen Hotels in Villip, eher wenig Gäste, die im Drachenfelser Ländchen ihren Urlaub verbringen. Stattdessen sorgen Veranstaltungen wie Silvester- und Maifeiern sowie Hochzeiten und Busreisen für eine gute Auslastung seines 80-Betten-Hotels. Dass ausgerechnet sein Hotel in Villip zum beliebten Ziel etwa für Bustouristen wird, erklärt Görres so: „Das hat vor allem mit der zentralen und dabei dennoch ruhigen Lage von Wachtberg zu tun.“ Von hier aus sei es ein Katzensprung zu den Weinfesten an die Ahr, ins Siebengebirge, nach Koblenz und Köln.

Keine klassische Feriendestination

Ein ganz wichtiges Standbein sind für Hotelier Görres vor allem die Woche über Handwerker, die beispielsweise auf der Neubaufläche des ehemaligen Bonncenters in der Bundesstadt arbeiten. Hier ist seine Erfahrung: „Viele Gäste, die einmal bei uns waren, kommen auch wegen des im Vergleich zu großen Städten günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses wieder.“ So hat er Handwerker in der Kundschaft, die bereits das zweite Jahr bei ihm ein Zimmer gebucht haben.

Keine Handwerker, dafür aber Mitarbeiter oder Dienstleister von Firmen aus der Region zählt die Niederbachemerin Margret Keller zu ihren wichtigsten Gästen. Keller ist seit einigen Jahren mit einer Ferienwohnung bei der Gemeinde gelistet. Derzeit bewohnt der Mitarbeiter einer Mehlemer Firma wochentags ihre Ferienwohnung, um dann am Wochenende nach Hause in einen Ort bei Köln zu fahren. Über zu geringe Nachfrage kann sich die Niederbachemerin nicht beklagen: „Bei mir rufen jede Woche mehrere Interessenten an, die die Ferienwohnung mieten wollen.“ Wenn sie wollte, so Keller weiter, „könnte ich drei oder vier Ferienwohnungen vermieten“.

Die Einschätzung, dass Wachtberg nur eine „Schlafstadt“ ist, hält die Tourismusexpertin Konrath allerdings für zu kurz gegriffen: „Tourismusmagnet würde ich die Region auch nicht nennen, denn wir können nicht mit den klassischen Feriendestinationen konkurrieren, haben aber dennoch einiges zu bieten und sind ja auch gerade dabei, etwa mit der Apfelroute oder der Inwertsetzung der Wasserburgenroute diese Potenziale noch besser in den Fokus zu rücken.“ Natürlich gebe es viele Geschäftsreisende und sogenannte Bekannten- und Verwandten-Besucher, so Konrath weiter: „Aber selbst dann ist und bleibt es ,Tourismus'.“