Die Zahl der Sänger in Chören bleibt stabil

Chorverband Bonn/Rhein-Sieg ehrt Sänger

Wachtberg/Bonn. Der Chorverband Bonn/Rhein-Sieg ehrt langjährige Sänger, Vorstände und Chorleiter. 2017 waren 1771 Sänger in 61 Chören in Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis aktiv.

„Das Interesse am Singen ist nach wie vor hoch“, versicherte Alfons Gehlen, Leiter der Chöre Adendorf, Cäcilia Queckenberg und Volmershoven-Heidgen, am Sonntag bei der Zentralehrung des Chorverbands Bonn/Rhein-Sieg. Im Hotel Görres wurden mehr als 40 Jubilare ausgezeichnet, die bereits seit vielen Jahren aktiv im Chor singen oder sich durch langjährige Vorstandsarbeit verdient gemacht haben. Mit dabei waren auch Chorleiter.

2017 verzeichnete der Verband 1771 Sänger in 61 Chören in Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. „Die Zahl der Sänger nimmt insgesamt nicht ab“, betonte Gehlen. Allerdings würden aktuell lieber neue Chöre gegründet, statt die alten zu erhalten. „Meiner Meinung nach liegt das an der Musik“, so der langjährige Chorleiter.

Er versucht, bestehende Chöre zu erhalten: Seit einigen Jahren öffnet er deshalb zahlreiche Männerchöre. Soll heißen, dass dort nun auch Frauen mitmachen können. „Ich denke, dass Männerchöre mehr und mehr verschwinden werden“, so Gehlen. Auch der musikalische Schwerpunkt verschiebe sich in Zukunft mehr auf unterhaltende Musik. „Die Menschen wollen das singen, was sie privat hören.“

Der musikalische Schwerpunkt verschiebt sich

Kimiko Bernhöft, unter anderem Chorleiterin des MGV 1872 Sechtem, sieht die Zukunft im Frauenchor. „Deshalb habe ich in den vergangenen Jahrzehnten gleich drei Chore für Frauen gegründet.“ Die Mitgliederzahlen seien steigend. Dabei setzt die gebürtige Japanerin bei ihrer Musikauswahl auf Traditionelles: „Ich möchte Schuhmann, Brahms und alte deutsche Lieder wieder mehr verbreiten.“

Franz Schmitz, der für 25 Jahre aktives Singen im Männergesangverein Sechtem geehrt wurde, sieht nicht, wie es mit dem Männerchor noch 20 Jahre weitergehen soll. „Ich spreche manchmal junge Leute an, die meiner Meinung nach wirklich gut singen können, aber viele kennen kein einziges deutsches Volkslied mehr.“ Es sei schwierig, Nachwuchs zu begeistern. Als er mit dem Singen angefangen habe, sei sein Chor noch weit über 30 Mann stark gewesen.

Heute seien es nur noch 24 aktive Sänger mit sehr hohem Altersdurchschnitt. Auch der Männergesangverein Niederkranz Waldorf wurde über die Jahre immer kleiner. „Das ist schon schade, weil es mit 40 mehr Spaß macht als mit 20“, so Willi Birgel, seit 40 Jahren aktiv im Chor. Durch Briefkastenwerbung hat der Verein vor ein paar Jahren neue Sänger gewinnen können, so dass der Chor aktuell 27 Aktive zählt. Neben der Musik sind Geselligkeit und Kameradschaft der wichtigste Grund für den 74-Jährigen, den Chor weiter mit seiner Stimme zu unterstützen. „Die Chorgemeinschaft hilft auch in schweren Zeiten.“

Über schwindende Mitgliederzahlen kann sich der Gesangverein Lüftelberg nicht beklagen: „Als ich angefangen habe, waren wir 30, jetzt sind wir 32“, erinnerte sich Hella Plenscher, die seit 40 Jahren im Chor singt. Von einer Trendwende könne man aber nicht sprechen. „Die Mitgliederzahl ist stabil.“ Nur das Verhältnis von Männern und Frauen sei nicht mehr ausgewogen. Etwa ein Drittel des Chors bestehe aus Männern.

Neue kämen meist, weil sie nette Gemeinschaft suchten. „Wir nehmen jeden auf und alle fühlen sich gleich wohl bei uns“, so Plenscher. Ein wichtiger Aspekt sei dabei Chorleiter Engelbert Hennes. „Seit mehr als 30 Jahren leitet er unseren Gesangverein.“ Marlies Frech, Vorsitzende des Gesangverein Adendorf, blieb bei der Ehrung jedenfalls optimistisch: „Wir werden immer wieder Leute finden, die mitmachen wollen.“