Probebohrungen in Adendorf

Anwohner haben Angst vor Ausweitung der Tongrube

Probebohrungen nach Ton in Adendorf: Grubenbetreiber Sibelco darf die Bodenschichten an fünf Stellen untersuchen.

Probebohrungen nach Ton in Adendorf: Grubenbetreiber Sibelco darf die Bodenschichten an fünf Stellen untersuchen.

Adendorf. Vor den Augen der Anwohner an der Erhard-Fischer-Straße in Adendorf laufen derzeit Probebohrungen. Sie schüren bei Anwohnern die Angst, dass sie künftig mit einer weiteren Tongrube in direkter Nachbarschaft leben müssen.

Das idyllische Bild der Pferdekoppel mit dem sich anschließenden Acker unterhalb von Adendorf ist seit ein paar Wochen gestört. Auf diesem Stück zwischen Bebauung und Tongrube stehen Arbeitsmaschinen, wechseln stetig ihren Einsatzort. Das haben auch Bewohner der Erhard-Fischer-Straße bemerkt, die von ihren Balkonen aus freie Sicht auf das Geschehen haben. Sie alle treibt deshalb große Sorge um, dass sich die Grube vergrößern wird und sie künftig direkt hineinschauen.

Doch das ist nicht der einzige Grund: „Die Häuser verlieren an Wert“, sagt ein Anwohner, der herausgefunden hat, dass es sich bei den Arbeiten um Probebohrungen handelt. Das bestätigt die Geschäftsführung der Firma Sibelco Deutschland aus Ransbach-Baumbach im Westerwald, die die Tongrube Erhard betreibt. Es gebe seit dem 21. August „eine begrenzte Anzahl an Untersuchungsbohrungen“. Die hätten das Ziel, „die Lagerungsverhältnisse der Sedimentschichten am Grubenrand zu klären“. Es liege eine Genehmigung für fünf Bohrungen von der Bezirksregierung Arnsberg sowie das Einverständnis des Grundstückseigentümers vor. Auch die Gemeinde sei informiert.

Eine Anwohnerin der Erhard-Fischer-Straße, die mit ihrem Hund häufig entlang der Grube spazieren geht, wundert sich auch über die Bohrungen. Schon jetzt würden 20 bis 30 Lastwagen jeden Tag zur Grube pendeln. Sie und ihr Mann, ein gebürtiger Adendorfer, haben schon bei der Gemeinde nachgefragt.

Beide erinnern sich noch an 2011, als die Eifelstraße bei Arbeiten direkt neben dem Tonabbaugebiet abgesackt sei. Sie denken, dass seinerzeit entweder Abstand und zulässige Abbautiefe falsch bewertet oder die vorschriftsmäßigen Abbauabstände und Tiefen nicht eingehalten wurden. Sie fürchten, dass bei einer Erweiterung nach Norden ähnliches wieder passieren könnte. So sagt die Anwohnerin nun: „Mir wäre es lieber, das würde hier Bauland, als dass alles absackt und mein Haus nichts mehr wert ist.“

Die Probebohrungen laufen nach Angaben von Margrit Märtens, Sprecherin der Gemeinde Wachtberg, über das Bergbauamt. „Wir wurden hierüber nur in Kenntnis gesetzt“, sagt sie. Ansonsten sei im Rathaus noch nichts über Bürgerbeschwerden bekannt.

„Wir haben als Rohstoffunternehmen ein grundsätzliches Interesse daran, zu sehen, ob sich das Tonvorkommen über die Randbereiche der Grube hinweg fortsetzt“, teilt Sibelco mit. „Zu sagen, ob und in welche Richtung sich die Lagerstätte entwickelt, wäre an dieser Stelle rein spekulativ. Eine Erweiterung der Grube wäre von vielen Faktoren abhängig“, heißt es nach Rücksprache mit dem hauseigenen Geologen. In Adendorf werden heute hochwertige Keramiktone für die Fliesen-, Klinker- und Sanitärindustrie abgebaut.

Adendorf und Ton gehören schon seit Jahrhunderten praktisch zusammen. Alles begann 1743, als die Herren von Burg Adendorf Töpferfamilien aus dem Westerwald ins Ländchen holten – alles wegen des hellen Tons aus der Grube am Ortsrand. Das Holz für die Brennöfen kam aus dem Kottenforst. Ein weiterer Adendorfer Standortvorteil war der vom Burgherrn zugesagte sichere und kostengünstige Salzbezug für die Glasuren, teilt die Gemeinde Wachtberg mit.

Die Tonlagerstätten sind vor rund 20 Millionen Jahren entstanden. Früher wurde das Material noch von Hand abgebaut. Fotos aus den 1940er Jahren zeigen, wie die Arbeiter noch mit Pressluftspaten zugange waren – eine mühsame Angelegenheit.

Die Zahl der Töpferbetriebe in Adendorf hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Dabei gilt es, den Spagat zwischen der Wahrung der alten Handwerkstraditionen und der modernen Ausrichtung der verbleibenden Betriebe zu schaffen.