Wachtberger Heimatgeschichte

Als der Villiper Nikolaus eine heilige Frau war

WACHTBERG-VILLIP. Das Villiper Erzählcafé setzt Erinnerung an das segensreiche Wirken der Nonnen im Ort fort. Drei Dutzend Teilnehmer trugen eine bunte Mischung aus Erinnerungen und Dokumenten zusammen.

Das Schicksal der Gudenauer Cellitinnen in Villip hat erneut das Erzählcafé von Altenstube und Heimatverein bewegt. Wie berichtet, war im Juli Thema gewesen, dass die Ordensfrauen vor Jahrzehnten an der Villiper Windmühle einen Kindergarten unterhalten hatten. Beim jüngsten Termin im Pfarrheim trugen nun drei Dutzend Teilnehmer eine bunte Mischung aus Erinnerungen und Dokumenten zusammen, die von Karl-Josef Hoffmann in unverfälschtem Rheinisch verlesen wurden.

Die „Filiale“ der Kölner Ordensfrauen sei 1917 gegründet worden, berichtet im Nachgang Ulf Hausmanns, Vorsitzender des Villiper Heimatvereins. „Baron von Guilleaume bestimmte einen Flügel seiner Burg Gudenau als Wohnung für drei Schwestern für ambulante Krankenpflege, denselben Zwecken zu dienen, einen Kindergarten und die weibliche Jugendpflege zu übernehmen“, heiße es in einem Dokument. Später sei eine weitere Schwester für den Dienst in der Pfarre nachgekommen.

Bald seien die Schwestern aufs Burggelände unterhalb des „Prummebergs“ gewechselt. Von dort aus konnten die Mädchen und Jungen des Kindergartens mittags ihre gekochte Gemüsesuppe abholen. Doch nicht nur für die Kleinen waren die Nonnen tätig. Jungen Frauen verhalfen sie zur Erziehung der Zeit: sich als künftige Ehefrauen im Kochen und Nähen zu üben. Auch zur sonstigen Grundversorgung hätten die Nonnen gerade für die ärmeren Dörfler beigetragen, erzählt Hausmanns: als Hilfen bei Krankheit, bei Geburten oder am Sterbelager. Wobei wohl nicht immer alle Schwestern zu jeder Zeit fromm und lieb waren, fügt Hausmanns hinzu. So wussten Villiperinnen noch von einer Schwester zu berichten, die Verstöße im Kindergarten mit einer Nadel pieksend bestrafte.

Blank polierte Äpfel und Nüsse

Die guten Erinnerungen hätten im Café aber überwogen, so wie die an die Nikolausfeiern, zu denen der heilige Mann in Villip auch schon mal eine heilige Frau gewesen sei: Es habe von den Schwestern blank polierte Äpfel und Nüsse durch die Fenster in den Kindergarten „geregnet“. Vor wie nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich auch die gräfliche Familie um Kinder gesorgt. Erna Gräfin Strasoldo etwa habe aus den Filzbahnen hinter ihren Seidentapeten Filzpantoffeln für die Ärmsten fertigen lassen, wurde berichtet. Natürlich sei auch die klösterliche Idylle in der „braunen“ Zeit vom NS-Regime bedroht gewesen, sagt Hausmanns. Der Kölner Regierungspräsident entzog den Nonnen im Juni 1944 kurzerhand die Genehmigung zum Betrieb des Kindergartens. Übertragen wurde der Weiterbetrieb dem „Nationalsozialistischen Amt für Volkswohlfahrt“, das dann jedoch mangels Parteipersonals doch wieder die erfahrenen Cellitinnen vor Ort wirken lassen musste.

Nach dem Krieg seien die Schwestern nur noch bis 1950 in Villip verblieben, so Hausmanns – zum großen Bedauern der Dorfbewohner und von Nikolaus Graf Strasoldo. „In unermüdlicher stiller Arbeit haben sie die Kranken gepflegt, die Kinder behütet und in der Kirche wertvolle Dienst geleistet. Es ist ganz unmöglich, all das aufzuzählen, was sie an Gutem getan und wie sehr sie allen ihren Mitmenschen geholfen haben“, schrieb der Graf. Ulf Hausmanns schließt sich dem an. Der Verein sucht weitere Zeitzeugen und will eine Schrift über die Cellitinnen zusammenstellen.