Natur entdecken in Berkum Ökologisches Wunder hinter dem Wachtberger Rathaus

Durch Berührung und Reibung platzt die Samenkapsel auf und verteilt ihren Inhalt.

Wachtberg. Besucher des Schaugartens in Berkum erleben ein ökologisches Wunder hinter dem Rathaus. Expertin erläutert, wie robust Pflanzen trotz großer Trockenheit sind.

Kleine Wunder der Natur entdeckten die Besucher des naturnahen Schaugartens hinter dem Rathaus in Berkum zum Herbstbeginn. 500 Quadratmeter ökologisches Gleichgewicht direkt neben dem Parkplatz demonstrierten, dass Naturschutz in jedem Vorgarten möglich ist. Hier lockt der Aufrechte Ziest die Wildbienen zum Rendezvous, und auf kleinstem Raum stehen Pflanzen in einer Lebensgemeinschaft vereint, wie sie sonst fast nur in Naturschutzgebieten zu finden ist.

„Das hier zum Beispiel ist ein Lkw-Parkplatz“, erklärte Diplombiologin Ulrike Aufderheide. Sie hat den Garten vor rund 20 Jahren zusammen mit weiteren Aktiven aus der Taufe gehoben. Pflanzen sollten auf dieser Fläche gegenüber starker Beanspruchung wie drüber fahrenden oder darauf parkenden Fahrzeugen unempfindlich sein. Der gezielt angelegte Blumenschotterrasen bot auf einer etwa zwei mal drei Meter großen Fläche Platz für Felsennelke, echtes Labkraut, Thymian und Leinkraut.

Ein Mann habe sich einmal vehement gegen die Idee seiner Frau gesträubt, eine solche Magerfläche für diese Kräuter anzulegen, berichtete die Biologin schmunzelnd. Als er diese hier gesehen und vor allem gerochen habe, habe er seine Meinung sofort geändert. „Das riecht nämlich wie im mediterranen Kräutergarten, sobald man es berührt“, erklärte die Biologin. Außerdem sei die Fläche sehr pflegeleicht.

Verwunderung zeichnete sich auf den Gesichtern ab, als die Expertin auf Nachfrage erklärte, dass hier in der langen Hitze- und Trockenperiode niemand gegossen habe. „Die Pflanzen hier wachsen auf sehr magerem Boden. Sie sind robust und widerstandsfähig, quasi von Natur aus auf Widrigkeiten eingestellt“, erklärte sie. „Die hatten kein Problem mit dem Sommer.“

Die dagegen traurig anmutenden gelben Flächen in den herbstlichen Häusergärten kennt auch Brigitte Dröse aus Niederbachem. Sie war gekommen, um sich von diesem Garten inspirieren zu lassen. „Wir haben etwa 2000 Qua-dratmeter Grund, und da wollen wir etwas machen“, sagte sie. Gerade für die Randbereiche der Flächen seien solche Pflanzen vielleicht gut geeignet, zumal der Pflegeaufwand gering sei, so die Biologin. Ein solcher Garten halte sich normalerweise selbst im Gleichgewicht. Besonders gut gelinge das, wenn man den Insekten Totholz und Eiablagehilfen biete. Auch solle man nicht jeden abgestorbenen Staudenhalm gleich entfernen, denn „es gibt Insekten, die ihre Eier nur in abgestorbene Stängel von Stauden legen, weil sich ihre Larven davon ernähren“, erklärte Aufderheide.

Weitere Tipps und Anregungen bietet die Broschüre auf der Gemeindehomepage. Derzeit halten etwa 15 Ehrenamtliche den Garten in Schuss. Willkommen ist jeder, der an den angekündigten Pflegeterminen mitarbeiten möchte.

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