Würziges für die Nase

Verein Genussmeile Miel errichtet Duftsitzbank

Ein aufwendiges Puzzelspiel für die aktiven Männer der Genussmeile: Da beim Bau der Duftsitzbank kein Mörtel zum Einsatz kommt, müssen die Steine von Hand exakt eingepasst werden.

Ein aufwendiges Puzzelspiel für die aktiven Männer der Genussmeile: Da beim Bau der Duftsitzbank kein Mörtel zum Einsatz kommt, müssen die Steine von Hand exakt eingepasst werden.

SWISTTAL-MIEL. Ein kunstvoller Stapel Steine direkt neben dem Sport- und Spielplatz fasziniert seit Längerem die Mieler Bürger. Noch faszinierender ist der Name des Projektes, an dem ein paar Männer dort bei zahlreichen Gelegenheiten arbeiten:

Der Verein Genussmeile Miel hat dort eine Duftsitzbank errichtet - und nicht jeder kann sich bisher etwas darunter vorstellen.

"Sie nennen es unterdessen scherzhaft das Hunnengrab", stellt Robert Gebhardt als erster Vorsitzender der Genussmeile das bisherige Ergebnis vor. Nun, der Vergleich liegt nahe. Natursteine werden als Trockenmauer um einen Hohlraum aufgeschichtet, etwa zwei Meter lang und hüfthoch.

Die Bank daran lässt sich allerdings auch erahnen. Ein flacher Bereich ist als Sitzfläche gedacht. Das "Hunnengrab" wird ein Beet, in dem duftende Pflanzen den Aufenthalt zu einem Genuss machen sollen. Gebhardt schwärmt von Rosmarin und Lavendel, Orangen- und Zitronenthymian. "Da gibt es ganz verschiedene Sorten." Und wer vom Geruch nicht genug bekommt, darf sich sogar ein kleines Zweiglein mitnehmen.

Besonders interessierte Gärtner werden überdies staunen, dass die ummauerte Form statt mit Erde mit Kies und Schotter gefüllt wird. Laut Gebhardt entwickeln die Pflanzen, die ohnehin aus ihrer Heimat am Mittelmeer karge Böden gewöhnt sind, so längere Wurzeln und überstehen auch die nassen deutschen Winter besser.

Bis es allerdings so weit war, mussten Gebhardt sowie seine Vorstandskollegen Heinrich Harzem (zweiter Vorsitzender) und Hans-Arthur Müller (Geschäftsführer) noch einige Steine bewegen. Da kein Mörtel zum Einsatz kam, war es ein aufwendiges Puzzlespiel. Jeder der großen, schweren Brocken musste exakt eingepasst werden. "Das muss schließlich stabil sein."

Rund sechs Tonnen Lindlarer Grauwacke in völlig verschiedenen, unbehauenen Brocken wurden angeliefert. Etliche der Steine haben die Arbeiter unterdessen bis zu 20 Mal in die Hand genommen, angehalten und doch wieder zurückgelegt.

"Manche Steine kennen wir schon mit Namen", scherzt Gebhardt. Gegen Ende war es trotzdem fast unmöglich, für jede Lücke einen exakt passenden Stein zu finden. "Da muss nun die Flex ran."

Die viele Eigenleistung, die der Vereinsvorstand nicht bei jedem Wetter durchführen könne und die er um die anderen Aktionen wie den Jazz-Frühschoppen herum planen müsse, spare vor allem Kosten, erklärt der Vorsitzende. "Wenn man das nicht alles selber macht, ist es unbezahlbar."

Teuer wird es trotzdem, weshalb alle dem Sponsor dankbar sind. Im Rahmen der Aktion "Aktiv vor Ort" betreut Franke Basse von der RWE Power das Projekt, hilft und hat rund 600 Euro von seinem Arbeitgeber organisiert. "Das hat allerdings zu Rückfragen geführt. Vor allem: Was ist eine Duftsitzbank?", berichtet er.

Spätestens jetzt im August soll diese Frage nicht nur theoretisch beantwortet sein. Dann kann sich jeder für eine Weile auf die sonnengewärmten Steine setzen, den Kindern beim Kicken zusehen oder sich mit geschlossenen Augen ganz in den Duft der verschiedenen Kräuter fallen lassen.