Brandstiftung in Heimerzheim

Unbekannte zünden acht Autos an

SWISTTAL-HEIMERZHEIM. In der Nacht zu Montag haben Unbekannte an der Goethestraße in Heimerzheim acht Autos, einen Fahrzeuganhänger, einen Carport sowie zahlreiche Mülltonnen in Brand gesteckt. Die Anwohner sind geschockt. Die Feuerwehr konnte rechtzeitig eingreifen und die Brände löschen. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Als Caroline Bustin gegen 3.15 Uhr die Feuerwehrsirenen hört, springt sie sofort aus dem Bett. Sie schaut aus dem Fenster im ersten Stock. Was sie unten auf der Goethestraße entdeckt, erinnert sie an schlimme Bilder aus den Fernsehnachrichten. „Das ist ja wie im Bürgerkrieg“, denkt sich die 23-jährige Studentin. Sie sieht brennende Autos und brennende Mülltonnen. Auch eine Hecke steht in Flammen. „Unsere Straße brennt“ twittert sie in die Welt hinaus. Eins der brennenden Autos gehört ihr, ein 20 Jahre alter Fiesta, den sie gerade noch durch den Tüv bekommen hat.

Als sie ihre Mutter weckt, liegt schon starker Brandgeruch in der Luft, Rauchwolken steigen in die Nacht. Am Auto der Lehramtsstudentin ist eine Scheibe eingeschlagen und dann Feuer gelegt worden. Der Wagen brennt völlig aus. „Es roch nach Spiritus“, berichtet Caroline Bustin. Den Wagen hat die Polizei zur Spurensicherung mitgenommen. Am Morgen danach hat die junge Frau nur noch den Türgriff ihres Wagens in der Hand. Vom Brand zeugt noch eine schwarze Rußstelle auf der Parkbucht.

Die Swisttaler Feuerwehr ist schnell vor Ort. Gegen 3.20 Uhr beginnen die Männer unter der Einsatzleitung des stellvertretenden Gemeindebrandmeisters Paul Buhl mit den Löscharbeiten. Außer dem Wagen der Studentin steht noch ein weiteres Auto in Vollbrand. An vier Wagen brennt nur die Stoßstangenverkleidung oder die Nummernschilder sind angekokelt.

Außerdem werden Mülltonnen an der Schillerstraße angezündet, die wiederum eine Hecke und einen Vorgartenbaum in Brand setzen. „Wir sind durch die Sirene geweckt worden und haben draußen nachgeguckt, da stand die Hecke schon in Flammen“, berichtet eine 40-jährige Anwohnerin. Die Feuerwehr habe zum Glück alles schnell unter Kontrolle gehabt.

Das Ehepaar Könen an der Goethestraße hat großes Glück. Und das gleich in zweifacher Hinsicht. Erstens: Nachbarn, die gerade in den Urlaub starten wollen, bemerken, dass die Mülltonnen der Könens unter deren hölzernem Carport und die beiden Wagen von deren Nachbarn, der Familie Etzbauer, brennen. Dort klingeln sie und wecken die Etzbauers.

Auf das Haus von Brigitte Könen an der Goethestraße hätten die Flammen fast übergegriffen.

Auf das Haus von Brigitte Könen an der Goethestraße hätten die Flammen fast übergegriffen.

Zweitens: Michael Etzbauer erfasst die Situation blitzschnell. Noch bevor die Feuerwehr eintrifft, hat er seine beiden Wagen mit einem Gartenschlauch gelöscht und auch die Mülltonne der Könens. Damit verhindert er vielleicht eine Katastrophe, denn hätte der Carport, in dem auch Kaminholz untergestellt war, Feuer gefangen, hätten die Flammen leicht aufs Haus übergreifen können. Zum Glück wurden die Balken des Carports von den aus der Mülltonne schlagenden Flammen nur angekokelt.

Erich Könen fährt seinen Wagen auf die Straße, so dass dieser nicht beschädigt wird. „Wir haben dank unserer Nachbarn viel Glück gehabt“, sagt die 62-jährige Brigitte Könen. „Diejenigen, die das gemacht haben, haben in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kommen.“

Um die Ecke an der Heinestraße wohnt Ursula Niederberghaus. Vor der Garage hat sie ihren Fahrzeuganhänger abgestellt. Auch der wird in der Nacht angezündet. Weil die Feuerwehr rechtzeitig löscht, können die Flammen nicht auf Garage und Haus übergreifen. Auch das Auto der Familie wird angezündet, aber nur leicht beschädigt.

Ein paar Meter weiter brennen auch die vier Mülltonnen von Rita Rubow. Auch ihr vor dem Haus abgestelltes Auto wird angezündet, es brennt jedoch nur die Stoßstangenverkleidung. Die Flammen züngeln bis ans Vordach, können aber noch rechtzeitig von der Feuerwehr gelöscht werden.

Bis kurz vor 5 Uhr sind 26 Feuerwehrleute aus Heimerzheim, Dünstekoven, Straßfeld und Ollheim im Einsatz. Menschen kommen zum Glück nicht zu Schaden. „Einen solchen Fall hatten wir nach meiner Erinnerung in Swisttal noch nie“, sagt Feuerwehrchef Buhl. Es habe immer mal wieder einzelne Brandstiftungen an Mülltonnen oder Gartenlauben gegeben, „aber in solch geballter Form hatten wir das noch nie“.

Die Höhe des Gesamtschadens an den Fahrzeugen und an den Häusern kann noch nicht genau beziffert werden. Nach ersten Schätzungen der Bonner Polizei beläuft sich die Summe auf mehrere 10 000 Euro. Wie Wolfgang Cremer von der Provinzial-Versicherung Heimerzheim, der am Morgen bereits einige Schäden aufnahm, erläutert, würden die Schäden an den Fahrzeugen durch die Teilkasko-Versicherung abgedeckt, die an den Häusern durch die Gebäudeversicherung. Die Schäden an den Mülltonnen würden über die RSAG reguliert.

Eine erste Fahndung der Polizei in der Nacht verläuft ohne Erfolg. Am Morgen sind die Ermittler der Kriminalpolizei an der Goethestraße unterwegs. Sie sprechen mit den Geschädigten und dokumentieren die Spuren der Brandstiftungen. Die ausgebrannten Autos sind schon am frühen Morgen zur weiteren Spurensicherung abtransportiert worden. Über die Vorgehensweise der Täter konnte die Polizei gestern noch nichts sagen.

Wem verdächtige Personen in der Nähe des Tatortes aufgefallen sind oder wer darüber hinaus Hinweise zu den Straftaten geben kann, wird gebeten, sich unter 02 28/1 50 bei der Bonner Polizei zu melden.