Rettung auf hoher See

Swisttaler hilft bei Rettung von 500 Flüchtlingen

Swisttal. Der Swisttaler Rechtsanwalt Sebastian Frings-Neß war zum zweiten Mal auf Rettungsmission vor der libyschen Küste unterwegs. Mit dem Verein Sea-Eye suchte er nach schiffbrüchigen Flüchtlingen.

Vor etwa einem Jahr berichteten wir bereits über Sebastian Frings-Neß, der in Swisttal lebt und eine Anwaltskanzlei in Bonn betreibt. Damals war er mit dem Verein Sea-Eye und dem gleichnamigen Schiffskutter im Mittelmeer unterwegs, um nach schiffbrüchigen Flüchtlingen zu suchen.

Seit diesem Bericht hat sich vieles getan. Der Verein verfügt mittlerweile über ein zweites Schiff, die See-Fuchs. „Wir haben viele Spenden erhalten, für die wir sehr dankbar sind. Und viele neue Crewmitglieder, die vor Ort helfen“, freut sich Frings-Neß. Er selbst engagiert sich in jeder freien Minute in der Flüchtlingshilfe, auch hier vor Ort. Als Anwalt vertritt er Menschen, die, wie er es sagt „negative Rückmeldung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bekommen haben“, also abgeschoben werden sollen.

Voller Tatendrang

Am 20. Mai dieses Jahres bestieg Frings-Neß am Flughafen Köln/Bonn abermals ein Flugzeug Richtung Malta, unwissend, was ihn bei diesem Einsatz im Mittelmeer erwarten würde, indes voller Tatendrang. „Jede Crew bekommt vor der Abfahrt eine Einweisung durch das Deutsche Rote Kreuz.

Dabei geht’s um das Auffrischen von Erste-Hilfe-Maßnahmen, aber auch um Psychologisches. Wie man mit allem, was man so sieht, klar kommt – Stressbewältigung eben“, erzählt Frings-Neß. Er zeigt bei seinen Schilderungen nicht viele Emotionen, doch scheinen seine Gedanken weit weg – auf einem Schiff mitten auf offener See.

Nach der ersten Unterweisung ging es für ihn und die Crew, die sich erst seit 48 Stunden kannte, los. Bei einer Geschwindigkeit von sieben Knoten brauchte die Sea-Eye knapp 30 Stunden bis zum Einsatzgebiet vor der libyschen Küste. Bis dahin eine ruhige Überfahrt, doch am Morgen des 26. Mai rief die Vos Prudence, ein Ozeanriese des Vereins Ärzte ohne Grenzen, über Funk um Hilfe. Es war gerade einmal 7 Uhr, die Sonne ging gerade auf.

500 Menschen auf vier Booten

Vier Schlauchboote trieben im offenen Meer, so voll, dass die gesunden, jungen Männer mit den Füßen nach außen auf der Kante saßen. 500 Menschen insgesamt harrten auf den vor sich hindümpelnden Booten aus.

Die Sea-Eye nahm Fahrt auf. Für Frings-Neß war dies der erste Einsatz, bei dem es um Menschenleben ging. Er stand vorne am Ausguck und suchte mit seinem Fernglas die spiegelglatte See ab. „Es war wirklich brüllend heiß. Wir haben sofort Wasser und Rettungswesten bereitgestellt.“ Schließlich sichtete er das erste Boot. Am Horizont tauchte ein zweites auf, in den kommenden 16 Stunden noch ein drittes und ein viertes.

„Wenn die Bedingungen gut sind – glatte See und Wind aus Süd/Süd-Ost – kommen die Boote alle in einem Schwall“, erklärt Frings-Neß. „Die Boote haben nie genug Sprit für die Überfahrt. Die schaffen höchstens das erste Drittel des Seewegs.“

Aufregendsten Stunden der Mission

Für die Crew der Sea-Eye brachen mit Ausmachen der Flüchtlingsboote die aufregendsten Stunden der Mission an. Einige der Retter bestiegen ein Schlauchboot, um den Flüchtlingen mit Wasser und Rettungswesten eine erste Hilfe zu bringen. „Es waren auch schwangere Frauen und Kleinkinder an Bord. Eine hochschwangere Frau hatte keine Medikamente mehr gegen ihre Epilepsie und stand kurz vor dem Kollaps“, so Frings-Neß.

Die Crew brachte die Frauen an Bord der Sea-Eye, wo sie vom Schiffsarzt versorgt wurden. 16 Stunden dauerte die Erstversorgung der Flüchtlinge, bis das Medizinschiff der italienischen Küstenwache kam, um die Geflohenen nach Lampedusa zu bringen. Stunden, in denen die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen gingen. „Es ist mit den Flüchtlingen schlimmer geworden, es werden immer mehr“, erzählt der Anwalt.

„Die Sea-Eye ist im Moment im Dauereinsatz. Am vergangenen Wochenende, in der Nacht zu Samstag, hat die Crew 129 Schiffsbrüchige gefunden. Die hätten die Nacht wohl nicht überlebt“, schließt Frings-Neß seine eindrückliche Schilderung.

Weitere Informationen gibt es unter www.sea-eye.org.