Gemeinsames Friedensfest

Swisttal gedenkt deutsch-französischer Freundschaft

SWISTTAL/QUESNOY-SUR-DEULE. Partner aus Quesnoy-sur-Deûle und Swisttal gedenken der Opfer des Ersten Weltkrieges. "Tombueg Winds" reisen zur Feierstunde in die französische Partnerstadt. Im "Grande Guerre" wurde die Partnerstadt zu 95 Prozent zerstört.

„La Grande Guerre“, der Große Krieg, ist in Frankreich das Synonym für den Ersten Weltkrieg. Er forderte rund 17 Millionen Tote und hinterließ unermessliches Leid bei den Menschen in ganz Europa. Am 11. November 1918 trat nach mehr als vier Jahren Apokalypse der Waffenstillstand in Kraft und die Friedensverhandlungen begannen. Am 11. November 2018 jährt sich dieses Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal, Anlass für viele Gedenkfeiern in ganz Europa. Auch in Quesnoy-sur-Deûle, der französischen Partnerstadt Swisttals nahe Lille.

Als großes Friedensfest werden 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges Nachkommen der damaligen „Erzfeinde“ Deutschland und Frankreich als Freunde und Partner in Europa das Gedenken als sichtbares Zeichen der Völkerverständigung miteinander begehen. Mit zwei Reisebussen werden die Partner aus Swisttal am Freitag nach Quesnoy fahren.

„Um auch von uns ein besonderes Zeichen zu setzen, werden die ,Tomburg-Winds‘ der Musikschule mit uns reisen und mit der ,Philharmonie de Quesnoy‘ ein Konzert geben“, so die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Monika Wolf-Umhauer. Die Einladung zur Mitwirkung an der Gedenkfeier wertet sie als besondere Geste: „Gerade auch an diesem Ort, vier Jahre lang durchgehend in Frontnähe, wo unter anderem erstmals deutsches Giftgas zum Einsatz kam.“ Wie groß die Zerstörung des sechs Kilometer von der belgischen Grenzen gelegenen Städtchens Quesnoy im Ersten Weltkrieg war, hatte beim Besuch der Swisttaler zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft im Jahr 2010 der damalige Bürgermeister Roger Lefebvre deutlich gemacht: der „Grande Guerre“ hatte die Stadt zu 95 Prozent zerstört. Beide Weltkriege hätten in Quesnoy französische und deutsche Opfer gefordert. So ruhen auf dem deutschen Soldatenfriedhof 1964 Tote.

355 Kilometer zwischen den Partnerkommunen

Quesnoy-sur-Deûle, 16 Kilometer von Lille entfernt, hat heute rund 6800 Einwohner. Sein Name bedeutet „Ort mit Eichen bepflanzt“ an der Deule, einem seit Jahrhunderten bedeutenden Transportkanal in Nordfrankreich mit heute rund 18 000 Schiffspassagen im Jahr. Die erste amtliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem 12. Jahrhundert. Rund 77 Prozent der Gesamtfläche von Quesnoy-sur-Deûle machen heute noch landwirtschaftliche Betriebe aus.

1990 wurden die Partnerschaftsurkunden durch die damaligen Bürgermeister Wilfried Hein und Roger Lefebvre unterzeichnet. Die ersten persönlichen Kontakte reichen zurück ins Jahr 1974, als junge Fußballer von Hertha Buschhoven in Frankreich einen Soldatenfriedhof pflegten. Ersten Kontakten der Fußballer und der Musiker des Spielmannszugs der Feuerwehr Buschhoven und Quesnoy folgten Konzerte und zahlreiche Feste, Besuche und Begegnungen.

So wurde die 355 Kilometer lange Strecke zwischen den Partnerkommunen zu Fuß als Staffellauf, mit dem Fahrrad und sogar mit dem Kanu zurückgelegt. Es gab bereits einen Eltern-Kinder-Austausch in beiden Städten und einen gemeinsamen Fotokalender. Im September 2006 wurde der „Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen Quesnoy-sur-Deûle – Swisttal“ gegründet und die Partnerschaft durch die Ausdehnung auf die gesamte Gemeinde Swisttal auf eine breitere Basis gestellt.