Odendorfer Bebauungsplan

Streit um die Bäume geht weiter

Für den Erhalt von Bäumen am Odendorfer Bahnhof kämpfen die Grünen und eine Bürgerinitiative.

SWISTTAL. Durch einen Fachanwalt prüfen lassen wollen Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam mit der Bürgerinitiative "Rettet die Bäume am Bahnhof Odendorf", ob die Gemeinde Swisttal mit der Fällung von Bäumen am Odendorfer Bahnhof im Zuge der Neugestaltung des Geländes gegen ihren eigenen Bebauungsplan (B-Plan) verstößt.

"Wenn diese Prüfung positiv ausfällt, wollen wir klagen", erklärte Grünen-Sprecher Udo Ellmer auf Anfrage. Den Vorwurf der Bürgerinitiative, die Gemeinde habe gegen ihren eigenen B-Plan verstoßen, hatte die Beigeordnete Petra Kalkbrenner im jüngsten Planungs-, Verkehrs- und Umweltschutzausschuss zurückgewiesen.

Wie Fachgebietsleiter Jürgen Funke erläuterte, sei zwischen den Formulierungen "Begründung" und "Festsetzung" im B-Plan zu unterscheiden. Dass die Lindenallee am Bahnhof erhalten werden solle, sei lediglich in der textlichen Begründung, nicht in der Festsetzung ausgeführt. Begründungen seien nur als "erläuterndes Beiwerk" zu sehen, während Festsetzungen Dinge "festlegten".

Dementsprechend habe es keinen Verstoß gegeben. Allerdings räumte Hanns Christian Wagner, Forstexperte aus den Reihen der CDU, ein, dass jetzt "dieser Mangel entdeckt" worden sei und man künftig anders verfahren werde.

Mit mehr als 600 Unterschriften hatten sich Bürger für den Erhalt der fast 100 teils sehr alten Bäume im Bahnhofsumfeld Odendorf ausgesprochen, die im Zuge der Neugestaltung und Aufwertung des Geländes teilweise bedroht waren. Zwischenzeitlich hatte ein "Runder Tisch" unter Beteiligung von Bürgerinitiative, Planern, Fraktionen, Verwaltung und Fachleuten die Möglichkeit des Erhalts jedes einzelnen der Bäume erörtert.

Der daraus entstandene Kompromiss, welche Bäume bleiben und welche weichen müssen, wurde im Planungsausschuss von den beiden Vertretern der Grünen abgelehnt.

Deren Sachkundiger Bürger Norbert Phiesel, zugleich Mit-Initiator der Bürgerinitiative, hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass der Kompromiss "am seidenen Faden" hänge, denn für die Bürgerinitiative stehe und falle dieser mit einer Dreier-Baumgruppe am jetzigen Bolzplatz: "zwei vitalen alten Linden und einem prächtigen Ahorn".

Wenn die fallen müssten, könne die Initiative das nicht mittragen und werde weiter kämpfen. Nun ist die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen, dass selbst bei einer Änderung der Pläne nur der mittlere Baum erhalten werden könne. Wie Fachgebietsleiter Funke ausführte, hatte die Verwaltung einen Vermesser mit dem Einmessen der drei Bäume beauftragt.

Herausgekommen sei als einzige Lösung, dass der mittlere Baum bleiben könne, die beiden anderen aber nicht, weil die Schleppkurven, etwa für Feuerwehrfahrzeuge, sonst nicht ausreichten.

Die Bürgerinitiative will nun laut ihrem Sprecher Norbert Phiesel morgen noch mal über das Thema beraten. Ebenfalls vom Anwalt geprüft werden sollen auch mögliche Verstöße bei bereits erfolgten Arbeiten am Bahnhof, die Grüne und Initiative in unsachgemäßem "Anbaggern" und "Zubetonieren" alter Linden sehen.

Eine Linde sei dadurch definitiv zerstört worden. Wie der stellvertretende Pressesprecher der Gemeinde, Peter Nitschke, dazu auf Anfrage erklärte, betreffe dies jedoch Baumaßnahmen des Bauträgers für das Seniorenheim.

Es handele sich definitiv um einen Verstoß gegen die geltende DIN-Norm, indem Gehwegplatten in Mörtel gelegt worden seien. Über den Bauträger sei die ausführende Firma aufgefordert worden, das zu korrigieren. Keine Aussage treffen konnte Nitschke, ob diese falsche Bauweise direkte Auswirkungen auf die Bäume hat.