Kinderfreundliches Swisttal

Rechte der Jüngsten stärken

Ein kinderfreundliches Swisttal wünscht sich der KJR. Hier ist Felix (4) mit Vater Marc Gysser unterwegs am Buschhovener Sportplatz. FOTO: AXEL VOGEL

Ein kinderfreundliches Swisttal wünscht sich der KJR. Hier ist Felix (4) mit Vater Marc Gysser unterwegs am Buschhovener Sportplatz. FOTO: AXEL VOGEL

SWISTTAL. Der Kinder- und Jugendring möchte für Swisttal das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“. Es bietet den Kommunen die Möglichkeit, die Rechte von Kindern zu stärken.

Die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde Swisttal hat sich der Kinder- und Jugendring (KJR) satzungsgemäß zum Ziel gesetzt. Mit Leben erfüllt der KJR diese Aufgabe durch eine Reihe von Angeboten und Projekten wie jüngst den Kinotagen in Kooperation mit der Gemeinde, die alljährlichen Ferienfreizeiten oder das Fest der Begegnung „Grenzenlos statt kleinkariert“. Bei allem Erfolg und aller positiven Resonanz, will der KJR aber künftig mehr Wert auf die nachhaltige Wirkung der Aktionen und Projekte legen. So gehören zu einer kinderfreundlichen Gemeinde unter anderem sichere Schulwege und eine ausreichende Anzahl an Spielplätzen. Die Gemeinde Swisttal unterhält 35 Spielplätze und stellt in diesem Jahr 20 000 Euro für deren Ausbau und Erneuerung bereit (der GA berichtete).

„Ein nachhaltiges Projekt hat uns bislang gefehlt“, sagte der KJR-Vorsitzende Karl-Heinz Müller im Ausschuss für Generationen, Soziales, Kultur und Sport (GSKS). Auf der Suche nach solch einem nachhaltigen Projekt sei der KJR auf den Verein „Kinderfreundliche Kommunen“ gestoßen. „Dieses Vorhaben wird unseren Aufgaben im Besonderen gerecht, weil es ausschließlich die Kinder und Jugendlichen im Fokus hat, laufende Aktivitäten der Kinder- und Jugendarbeit unterstützt und neue Aktivitäten initiiert sowie zur Netzwerkbildung für Kinder und Jugendliche in der Gemeinde einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Das Vorhaben ist auf mindestens vier Jahre angelegt und wirkt damit nachhaltig“, so Müller.

Gemeinsam mit der „Kinderfreundliche Kommunen“-Projektleiterin Susanne Fuchs hat er das Projekt im GSKS vorgestellt. „Was bringt es den Kommunen? Das Handeln ein stückweit danach auszurichten, was für Kinder wichtig ist“, sagte die Projektleiterin. „Swisttal hat einen Kinderanteil von 18 Prozent. Die Chance für Swisttal liegt in der strukturellen beratenden Leistung, die es ermöglicht an Fördermittel von Land und Bund zu kommen. Und in der Entwicklung einer Strategie, nicht nur einzelner Projekte, denn es soll mittel- und langfristig Sinn machen.“

Würde die Gemeinde Swisttal das Vorhaben umsetzen, wäre sie nach Köln landesweit erst die zweite Kommune. Gestartet sei der von Berlin und Köln arbeitende Verein in Trägerschaft von Deutschem Kinderhilfswerk und Deutschem Komitee für UNICEF e. V. 2012 mit sechs Pilotkommunen, so Projektleiterin Fuchs, 2014 seien sieben weitere hinzugekommen. „Der Prozess zielt darauf ab, die UN-Kinderrechtskonvention mit Leben zu erfüllen“, erläuterte sie.

Konkret begleitet das Vorhaben Kommunen auf ihrem Weg, die Rechte von Kindern im Leben und in der Politik zu verankern und damit den Schutz, die Beteiligung und die Förderung von Kindern zu stärken. Kindern und Jugendlichen soll Raum für demokratische Teilhabe an der Gestaltung ihres Wohnortes gegeben werden.

Die Bausteine sehen unter anderem vor: Entwicklung eines übergreifenden Aktionsplans zur Verbesserung der Kinderfreundlichkeit in der Kommune, aktive Beteiligung von Kindern und Teilnahme an Entscheidungsprozessen in allen Angelegenheiten, die Kinder selbst betreffen etwa durch Kinderforen oder Kinder- und Jugendparlamente, Einrichtung von Kinderbeauftragten in den Ämtern, ausgewiesener Kinderetat oder Unterstützung von Kinderrechtsorganisationen vor Ort. Die „Kinderfreundliche Kommune“ soll dann regelmäßig über die Situation der Kinder und Jugendlichen sowie die Umsetzung der Kinderrechte berichten.

Voraussetzung für den Prozess ist nach einer „ganz einfachen“ Bewerbung und Einverständnis des Vereins ein entsprechender Ratsbeschluss, die Unterzeichnung einer Vereinbarung und die Einrichtung einer Steuerungsgruppe. Der Kommune werden dann zur Entwicklung eines Aktionsplans drei Sachverständige für vier Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt.

Auf Nachfrage der Fraktionen erläuterte Projektleiterin Fuchs, dass der Verwaltungsaufwand etwa eine Viertelstelle betrage, der finanzielle Beitrag Swisttals entsprechend seiner Einwohnerzahl jährlich 4000 Euro brutto betragen würde, für den vierjährigen Prozess also 16 000 Euro. Gertrud Klein (CDU) wandte ein, dass dies „komplett freiwillige Leistungen“ wären, die man „anderen Vereinen wegnehmen müsste“.

Der KJR-Vorsitzende Müller: „Uns ist dieses Vorhaben so wichtig, dass wir bereit sind, es durch substanzielle personelle und finanzielle Mittel zu unterstützen. Für das Jahr 2017 haben wir im Vorstand bereits 2000 Euro freigegeben und wir sind sicher, dass wir auch weitere finanzielle Unterstützung gewinnen können.“

Jetzt beraten erst einmal die Fraktionen.