Vom Klappern an Ostern gestört

Porschefahrer nach brutaler Attacke in Swisttal festgenommen

Auf der Straße Am Mattengraben in Ollheim wurde eine Mutter niedergeschlagen.

Auf der Straße Am Mattengraben in Ollheim wurde eine Mutter niedergeschlagen.

Swisttal-Ollheim/Bonn. Am Karsamstag soll ein 39-Jähriger eine Mutter vor den Augen ihres Kindes in Swisttal brutal attackiert haben. Der Grund: Ihn störte offenbar das Osterklappern einer Kindergruppe. Jetzt wurde der Mann festgenommen, es bestand Fluchtgefahr.

An den Kartagen, wenn die Kirchenglocken vor Ostern nach Rom geflogen sind, ersetzen meist Kinder den Glockenschlag. Ausgestattet mit hölzernen Ratschen oder Rasseln, ziehen sie mehrmals am Tag durch ihr Dorf. Dieser alte Brauch des Osterklapperns ist jährlich auch in Ollheim in der Gemeinde Swisttal zu erleben, so auch am diesjährigen Karsamstag. An diesem Tag drehten sieben Kinder - im Alter zwischen sechs und 15 Jahren - gegen 18.10 Uhr bereits die dritte Runde durch den kleinen Ort, als neben ihnen ein Fahrer in einem schwarzen Porsche Cayenne stoppte und sie aus dem Fenster anpöbelte: Was der Krach solle, sie sollten sofort damit aufhören. Eine der beiden Mütter - 47 und 49 Jahre alt -, die die Klapperkinder begleiteten, stellte sich vor die Kinder und versuchte, dem Porschefahrer das Brauchtum zu erklären. Aber das brachte den Mann endgültig in Rage - und jetzt auch ins Gefängnis.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat den 39-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung sowie Bedrohung angeklagt, wie Behördensprecher Sebastian Buß am Dienstag mitteilte. Darüber hinaus wurde auf Antrag der Anklagebehörde gegen den Mann  Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen: In der vergangenen Woche wurde der 39-Jährige festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Immerhin ist er elfmal - auch einschlägig  - vorbestraft und soll noch einige Bewährungsstrafen offen haben.

Auch sei das, was sich am 15. April 2017 auf der Straße „Am Mattengraben“ abgespielt haben soll, von erschreckender Brutalität, alles vor den Augen der Kinder. Zunächst soll der Porschefahrer die Mutter über den Mund gefahren sein: „Halten Sie die Fresse!“. Dann jedoch stieg er aus, riss ihr die Klapper aus der Hand und warf sie auf den Boden, heißt es in der Anklage weiter. In diesem Moment stieg auch eine Frau aus dem Porsche, die bis heute nicht identifiziert werden konnte, ging auf die Mutter zu und versetzte ihr einen Schlag ins Gesicht. Die 47-Jährige versuchte es nochmal, das rheinische Brauchtum zu erklären, bezog hierfür nur weitere Prügel von dem Paar.

Schließlich soll der 39-Jährige ihr „in Kickbox-Manier“ in Brust und Bauch getreten haben. Nachdem die Mutter sich aufgerappelt hatte, erklärte sie, dass sie ihn jetzt anzeigen werde. Daraufhin versetzte er ihr laut  Anklage weitere Fußtritte und drohte: „Ich weiß wo Du wohnst, ich werde Dich kalt machen.“

Aber damit immer noch nicht genug. Als die Mutter sah, dass er auf die Kindergruppe zuging (darunter auch ihr eigener Sohn), bekam sie Panik: Um ihn abzulenken, so die Anklage, trat sie gegen den Kotflügel des Porsches. Das Manöver funktionierte, aber die 47-Jährige erhielt dafür einen dritten Fußtritt, ging erneut zu Boden und schlug mit dem Kopf auf den Asphalt. Der Angreifer stieg dann mit seiner Begleiterin wieder in den Sportwagen und fuhr weg.

Die 47-Jährige musste mit Gehirnerschütterung, Trauma der Halswirbelsäule sowie zahlreichen Prellungen und Hämatomen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Klapper-Kinder, die unter Schock standen, sollen bei Nachbarn Schutz gefunden haben.

Die Identität des Porschefahrers zu ermitteln, sei nicht so einfach gewesen, so Buß. Da der 39-Jährige keinen Führerschein besitzt, war das Fahrzeug auch nicht auf ihn angemeldet gewesen. Die Halterin soll sich sich zunächst „wenig kooperativ“ gezeigt haben, den Namen des Fahrers zu nennen.

Der Prozess findet demnächst vor dem Schöffengericht in Euskirchen statt.