Neue Medien in der Familie

Lan-Party für Eltern im Pfarrzentrum Buschhoven

Lan-Party zum Lernen: Markus Sindermann (M.) erklärt Thomas Trimborn und Elisabeth Wilhelmi-Dietrich Computerspiele.

Lan-Party zum Lernen: Markus Sindermann (M.) erklärt Thomas Trimborn und Elisabeth Wilhelmi-Dietrich Computerspiele.

SWISTTAL-BUSCHHOVEN. Im Workshop in Swisttal erfahren die Teilnehmer, welche Spiele bei ihren Kindern gerade aktuell sind. Aktion soll zu verantwortungsvollem Umgang mit Computerspielen beitragen.

Die Szenerie hat für echte Zocker viel Vertrautes: Lange Tischreihen mit Computern stehen in der Mitte eines Kellerraumes, Kabelgewirr verbindet irgendetwas mit etwas anderem, später kommt der Geruch nach Pizza dazu. „Reale Bedingungen“ für eine Lan-Party, wie Elisabeth Wilhelmi-Dietrich vom Jugendhilfezentrum für Alfter, Swisttal und Wachtberg, es nennt.

Ein auffälliger Unterschied ist jedoch das Alter der Teilnehmer. Im Pfarrzentrum Buschhoven findet eine „Eltern-Lan-Party“ statt. Nicht Jugendliche, sondern Erwachsene testen ihre Fähigkeiten im Ego-shooter „Call of Duty“ und bei der Rennsimulation „Trackmania“. Sie wollen die Faszination verstehen, die ihre Kinder stundenlang an Spielkonsole oder Computer hängen lässt. Im Rahmen einer Workshopreihe zu Jungengesundheit und Medien erklärt Markus Sindermann von der Fachstelle für Jugendmedienkultur das schwierige Feld von Erziehung und Computernutzung.

„Wir wollen nicht sagen, dass Spiele gut oder schlecht sind“, sagt er. Die Eltern und Jugendgruppenleiter sollen erfahren, was die Kinder überhaupt spielen – und was hinter den Vertriebskonzepten steckt. Dass anfangs kostenlose Spiele Hunderte Euro pro Monat verschlingen können, erstaunt einige Anwesende. Wie zeitintensiv Computerspiele sind, wissen sie dagegen meist schon aus dem Familienalltag. Aber wie viel Zeit ist zu viel – und wie setzt man Regeln durch? Ein Allheilmittel habe er nicht, sagt Sindermann. In Kontakt bleiben und wissen, wovon die Kinder reden, sei wichtig.

Bei den Teilnehmern des Kurses ist das Wissen zu Beginn unterschiedlich verteilt. Ein Vater gesteht, beim Sohn bereits ein „Praktikum“ gemacht zu haben. In dem Spiel „Minecraft“, nicht Microsoft, wie er dabei lernen musste. Teilnehmer Udo Ellmer dagegen kennt sich als Informatiker mit Computern aus und hat früher selbst gerne gespielt. Aber bei den eigenen Kinder? „Man kann viel verbieten, aber ob das der richtige Weg ist?“, fragt er sich. Vermutlich nicht. Denn wie Sindermann aus Erfahrung weiß: „Es gibt einfach enorme Möglichkeiten, Verboten aus dem Weg zu gehen.“ Ein freies Wlan findet heute jeder Jugendliche schnell. Wichtiger sei es, echtes Interesse zu zeigen und das Thema Medien nicht zu verteufeln. „Es ist eine Kompetenz, die man im Berufsleben braucht.“

Computerspiele können ja auch Spaß machen, gerade in der Gruppe. Das erfahren die Erwachsenen, während sie mit virtuellen Fahrzeugen Runde um Runde drehen. Insgesamt 90 Minuten sind in dem mehrstündigen Workshop fürs Spielen vorgesehen, aber nach der Spieleinheit sind alle erstaunt, wie schnell die vergehen können.