50 Jahre Swisttal

Kinder präsentieren Heimerzheimer Geschichte

Tanzlehrer Frank Johannes Knepper probt mit den Kindern einen Tanz zum Thema Kirschgärten.

Tanzlehrer Frank Johannes Knepper probt mit den Kindern einen Tanz zum Thema Kirschgärten.

Swisttal-Heimerzheim. Anlässlich der Feierlichkeiten von "50 Jahre Swisttal" stellen Kinder und Jugendliche die Heimerzheimer Geschichte ausdrucksstark als Ballett dar.

Mit gelben kurzen Röcken samt lila Streifen wirbeln Lisa und Sophie durch den großen Saal des katholischen Pfarrzentrums in Heimerzheim. „Die Arme strecken, weit ausholende Schritte“, ruft Ballettlehrer Frank Johannes Knepper – Anweisungen, die die vier- und fünfjährigen Mädchen hochkonzentriert befolgen. Denn sie wissen, dass die Choreografie perfekt sitzen muss, wenn sie bei der Theateraufführung „Kirschgärten“ am Sonntag, 30. Juni, in den Räumlichkeiten an der Bornheimer Straße mitmachen wollen.

Die jungen Elevinnen sind zwei der 17 Schülerinnen unterschiedlicher Ballettklassen aus Bonn und Heimerzheim, mit denen Knepper an der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Swisttal“ teilnehmen wird, die Gerta Bauer und Regine Weidemeier vom Literaturkreis auf die Beine gestellt haben.

Das Theaterstück – Weidemeier hat die Tragikomödie „Kirschgarten“ von Anton Tschechow für die Lokalgeschichte adaptiert – thematisiert die Ereignisse um den Verkauf der Heimerzheimer Kirschgärten in den 70 er Jahren, als an den Hanglagen zwischen der Burg Heimerzheim und dem heutigen Areal des Bundesgrenzschutzes die Bäume den Neubauten weichen mussten.

Es ist Kirmes, die Dorfjugend tanzt, als sich die Nachricht verbreitet, dass die ersten Bauern ihre Gärten für Bauland hergeben werden. „Das Thema ist immer noch aktuell. Da geht es um die Diskrepanz zwischen Bauland und Natur. Die Kinder verlieren ihre Spielmöglichkeiten. Das Dorf verändert sich“, erklärt Ballettlehrer Knepper.

Seit März übt der Tanzpädagoge mit seinen Schülerinnen immer wieder einzelne Schrittfolgen, korrigiert geduldig und verändert hier und da noch ein wenig die Choreografie. Mit „Pointe Technique“ (Spitzentanz) und den tänzerischen Figuren „Arabesque“, „Grand Jete“ oder „Pas de Chas“ interpretieren die vier- bis 15-jährigen Teilnehmerinnen ein Medley des Kinderliedes „Spannenlanger Hansel, Nudeldicke Dirn“ auf verschiedene Weisen. „Als ich gefragt wurde, ob wir mitmachen wollen, war das für mich überhaupt keine Frage. Denn solche privaten Initiativen muss man unterstützen. Außerdem motivieren Aufführungen die Kinder zum Mitmachen, und sie haben positive Auswirkungen für das Selbstbewusstsein“, sagt Knepper.

"Endlich einmal auf einer Bühne"

Die Hände auf den Hüften, beim Sprung die Beine strecken – die Freundinnen Lisa und Sophie setzen die Kommandos routiniert um.“ Lisa tanzt leidenschaftlich gerne. Und sie ist begeistert, endlich einmal auf einer Bühne zu stehen“, berichtet Susanne Plum, die mit ihrer Tochter jede Woche aus Brenig zum Training kommt. Auf ihre Aufführung freuen sich auch schon Alicia, Nele, Diana (alle 7) und Emma (8). Sie alle haben schon seit mehreren Jahren Ballettunterricht und sind Fachleute, wenn sie vom „Jäger- oder Rotkäppchensprung“ sprechen und ihn gekonnt vormachen. Für die Eine oder Andere ist Balletttanz identisch mit dem Berufswunsch. Wie für Diana, die immer Ballerina werden wollte.

Die Begeisterung für die tänzerische Bewegung ist genau das, was Knepper seinen Schülerinnen im Unterricht vermitteln möchte. „Tanzen ist für die meisten ein Hobby. Daher steht der Spaßfaktor im Vordergrund. Da kommt es nicht auf Perfektion an“, so Knepper. Die Kinder präsentieren denn auch- passend zu den dörflichen Tänzen der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts einen Reigen, hier und da mit dem Spitzentanz als Element des klassischen Balletts verfeinert. Die Freude an der Bewegung ist den Kindern anzusehen, wenn sie sich mit eleganten Sprüngen durch den Saal bewegen.

Das Theaterstück „Kirschgärten“ wird mit Tanzeinlage am Sonntag, 30. Juni, 17 Uhr, im Katholischen Pfarrzentrum in Heimerzheim, Bornheimer Straße 2, aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Um Spenden werden die Zuschauer gebeten.