Projekt in Dünstekoven

Kinder bringen die Beete zum Blühen

Unter Anleitung von Sonja Theuerkauf (2. v. l.) züchten Flüchtlingskinder und Einheimische im OT-Garten in Dünstekoven leckeres Gemüse. FOTO: SAXLER-SCHMIDT

Unter Anleitung von Sonja Theuerkauf (2. v. l.) züchten Flüchtlingskinder und Einheimische im OT-Garten in Dünstekoven leckeres Gemüse. FOTO: SAXLER-SCHMIDT

Swisttal-Dünstekoven. Das Projekt trägt im Wortsinn Früchte: Flüchtlinge und Einheimische gärtnern in Dünstekoven gemeinsam. Im Garten des Offenen Treffs werden Chilis, Kürbisse, Erbsen und Salatpflanzen angebaut.

Die ersten Sonnenstrahlen locken ins Freie. In den Gärten gibt es jetzt einiges zu tun. Wer Erdbeeren, Tomaten, Möhren, Radieschen oder anderes Obst und Gemüse ernten will, muss sich jetzt sputen. Das wissen auch die Kinder und jugendlichen Besucher des Offenen Treffs (OT) in Heimerzheim. Und das nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis: durch eigener Hände Arbeit im OT-Garten in Dünstekoven.

Seit dem vergangenen Jahr arbeiten Kinder und Jugendliche mit Betreuern, Geflüchteten und Asylsuchenden in diesem vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) geförderten Projekt in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur (KJA) zusammen. „Das ist tatsächliche Integration: Wir arbeiten absolut kooperativ zusammen in den Projekten der Flüchtlingshilfe und der Offenen Jugendarbeit“, sagte Jörg Harde, Leiter der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Fester Termin ist der Freitagnachmittag, dann gibt es einen Fahrdienst von der OT in Heimerzheim zum OT-Garten in Dünstekoven.

Viel geschafft haben sie inzwischen in Gemeinschaftsarbeit, wie Sonja Theuerkauf, Studentin der Sozialen Arbeit, stolz zeigt. Einladend weist das bunt bemalte Schild am Eingangstor auf den OT-Garten hin. Eine Sitzgruppe aus Europaletten ist entstanden, kleine Weidenflechtzäune umgrenzen Beete, eine Buddelecke lädt zum Graben und Buddeln in der Erde ein, eine große, noch nicht ganz fertige Holzkonstruktion in Form eines Schmetterlings steht über einem zweiteiligen, aus Beton gegossenen Becken. „Das war die Idee von geflüchteten Männern, um unser Wasserproblem zu lösen“, erklärt Theuerkauf.

Entwickelt und gebaut haben die jungen Männer aus dem Flüchtlingstreff der KJA in Odendorf unter der Leitung des Sozialpädagogen Thomas Kühler diese an orientalische Beispiele angelehnte Konstruktion mit Tischler Raimund Bayer aus Odendorf. Ein Kopf soll noch angebracht werden, die Flügelflächen sollen noch eine Beschichtung aus buntem Bitumen bekommen. Wenn der Schmetterling fertig ist, soll er Regenwasser auffangen und in die Becken leiten. Zugleich soll der Schmetterling auch Schatten spenden. Jetzt war die Freude groß: Landwirt Christoph Stippler hat einen bunt bemalten Bauwagen, den er auf seinem Hof zwischengelagert hatte, mit seinem Trecker zum OT-Garten gezogen und dort platziert.

Asylsuchende hatten im vergangenen Jahr tatkräftige Unterstützung beim Umgraben des Bodens der bis dato lediglich als Wiese genutzten Fläche geleistet, darunter Bidyamin Ogienebo aus Nigeria, Ramsh Alkassab aus dem Irak und Mohamet Kraja aus Syrien, gemeinsam mit Gaby Lohmer, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Die Firma Esser Sand & Kies in Straßfeld hatte Mutterboden geliefert, der eingearbeitet werden musste. Dann konnten die mit den Kindern aus dem OT vorgezogenen Kohlrabi, Chilis, Kürbisse, Erbsen und Salatpflanzen in die Erde gesetzt werden. Jungpflanzen, Gemüsekiste und fachliche Unterstützung kamen von Familie Apfelbacher aus Bornheim.

„Wir haben wirklich viel geerntet“, freute sich Sonja Theuerkauf. Das soll auch in diesem Jahr wieder so sein, deshalb kommen jetzt die vorgezogenen Setzlinge in die Erde. Der Garten wird aber nicht nur in der warmen Jahreszeit genutzt. „Wir waren das ganze Jahr über hier. Es geht auch darum, die Jahreszeiten draußen zu erleben, in der Kälte einen warmen Tee zu trinken, eine Kerze anzuzünden“, so die angehende Sozialarbeiterin. Ziel ist auch, die Mädchen und Jungen an gesunde Ernährung, das Kochen von Speisen aus frischen Zutaten heranzuführen und deutlich zu machen, dass das mit wenig Geld geht.