Swisttal

Initiative fürchtet "Baummassaker" am Bahnhof Odendorf

06.02.2013 Swisttal-Odendorf. Die Bürgerinitiative "Rettet die Bäume am Bahnhof Odendorf" und Bündnis 90/Die Grünen halten die umfangreichen Baumfällungen am Bahnhof Odendorf nach wie vor für nicht vertretbar und haben nun die Möglichkeit der gerichtlichen Anfechtung des Bebauungsplans oder der Planung der Gemeinde prüfen lassen.

"Wir haben mehrere Ungereimtheiten zwischen Ausführungsplanung und Bebauungsplan festgestellt", sagt Norbert Phiesel, Mitglied im Planungsausschuss für Bündnis 90/Die Grünen. "Auch an einigen der gefassten Beschlüsse haben wir Zweifel, ob diese mit dem Bebauungsplan konform gehen."

Konkret sollen zwei Linden in der Reihe am Anfang der Bahnhofstraße gefällt werden, die laut Bebauungsplan allerdings erhalten werden sollten. Dies wird im Erläuterungsbericht zum Bebauungsplan beschrieben: "Die Lindenreihe entlang der Bahnhofsstraße soll im Zuge der Ausbauplanung so Berücksichtigung finden, dass ein Erhalt der Bäume ermöglicht wird."

Dem zuwider laufe der Beschluss des Ausschusses, diese Linden zu fällen, um dort zwei Zufahrten und die geplanten Parkplätze am zukünftigen Seniorenwohnheim zu bauen. "Das ist nur eine exemplarische Ungereimtheit, die wir festgestellt haben. Nach unserer Ansicht sind aber noch weitere Positionen und Beschlüsse zweifelhaft und klärungsbedürftig", so Phiesel.

Nach einer ersten Einschätzung eines Fachanwalts für privates und öffentliches Baurecht bestehe durchaus die Möglichkeit, den Bebauungsplan, aber auch die Planung der Gemeinde gerichtlich anzufechten. Darauf wolle man mit Blick auf Zeitverzug und Mehrkosten aber vorerst verzichten, erklärte Udo Ellmer, Sprecher der Grünen im Gemeinderat.

"Wir appellieren stattdessen an den Bürgermeister, die Verwaltung und die Kommission, die aus dem Runden Tisch hervorgegangen ist, die besprochenen Erhaltungsmaßnahmen einzuhalten." Ein erster Erfolg sei die Zustimmung der Bahn zum Vorschlag der Bürgerinitiative, die vier Ahornbäume in der Verlängerung des Kirschenpfades in Höhe der Unterführung von der Fällung zu verschonen.

Jost von Sturm, Initiator der Bürgerinitiative, spricht weiterhin von einem "Baummassaker", wenn von rund 160 Bäumen nur ein kleiner Teil - derzeit definitiv 13 Stück - erhalten blieben: "Das ist Augenwischerei gegenüber der Bürgerschaft und den 636 Unterzeichnern unserer Unterschriftenaktion sowie den 73 Baumpaten."

"Wir hatten uns mehr von dem Runden Tisch zum Erhalt der wertvollen und alten Bäume versprochen", sagt auch Johanna Bienentreu, Vorsitzende der Grünen Swisttal, und kündigt an: "Wir werden verfolgen, ob der Aussage von Bürgermeister Maack, so viele Bäume wie möglich zu erhalten, auch Taten folgen."

Jost von Sturm erklärt zudem, dass bereits das Anbaggern, Verdichten und Versiegeln bei der Verlegung der Versorgungsleitungen direkt unter den drei Linden am geplanten Seniorenwohnheim ein Verstoß gegen die DIN 18920 darstelle, die den "Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen" fordere.

"Zum Glück konnten wir mit unserer Intervention erreichen, dass die anderen fünf prächtigen Linden in dieser Reihe verschont geblieben sind." Mit dem Bau der Unterführung sind Bürgerinitiative und Bündnis 90/Die Grünen derzeit sehr zufrieden. "Die von der Deutschen Bahn beauftragte Firma arbeitet sehr professionell, die DIN 18920 wird auf das genaueste eingehalten", so Andreas Hoheisel, Ratsmitglied der Grünen. (thu)