Sprechstunde in Swisttaler Flüchtlingsunterkunft

Hilfe für geflüchtete Mütter

Flüchtlingsunterkunft Kölner Str. Heimerzheim: Hebamme Stephanie Esser (l) untersucht die kleine Marielle, deren Mutter aus dem Kongo geflüchtet ist.

Flüchtlingsunterkunft Kölner Str. Heimerzheim: Hebamme Stephanie Esser (l) untersucht die kleine Marielle, deren Mutter aus dem Kongo geflüchtet ist.

Swisttal-Heimerzheim. Von Oktober bis Dezember lief ein Beratungsprojekt mit einer Familienhebamme in der Flüchtlingsunterkunft in Heimerzheim. Im Gespräch ist nun, ein interkulturelles Frauenfrühstückscafé für Schwangere und Mütter mit Kleinkindern aufzubauen.

Wie gelingt die Umstellung von Flaschennahrung auf Brei bei meinem Baby, wie versorge ich den Nabel meines Säuglings und was hat es eigentlich mit den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt auf sich? Das sind Fragen, die viele Mütter kleiner Kinder bewegen. Auch dann, wenn sie vor Krieg, Verfolgung oder Hunger im Heimatland geflohen sind und nun in einer deutschen Flüchtlingsunterkunft wohnen.

Deshalb organisierte die evangelische Beratungsstelle für Schwangerschaft, Sexualität und Pränataldiagnostik (Eva) des Diakonischen Werkes von Oktober bis Dezember alle zwei Wochen eine Sprechstunde der Familienhebamme Stephanie Esser und der Sozialarbeiterin Dhana Nimz in einer Heimerzheimer Flüchtlingsunterkunft an, in der zurzeit sieben Familien wohnen. Unterstützt wurden beide von der „Sprachmittlerin“ Shirin Abdulhanan, die Arabisch, Kurdisch und Persisch spricht.

Die Beratung wurde auch von Flüchtlingsfamilien genutzt, die nicht in der Einrichtung wohnen.

Möglich wurde das Angebot durch Gelder aus dem Sonderfonds im Rahmen der Flüchtlingshilfe des Rhein-Sieg-Kreises. Etwa 2000 Euro wurden investiert, weitere 2000 Euro kamen aus dem Nachtragshaushalt Nordrhein-Westfalens 2016 für die Zusatzförderung für Angebote mit Flüchtlingen. Nach einem Vierteljahr ist das Projekt nun abgeschlossen und die Verantwortlichen zogen Bilanz.

Die Anliegen der Frauen seien sehr unterschiedlich und hingen oft mit dem Status zusammen, den sie im Asylverfahren haben, sagt Nimz: „Viele Frauen befinden sich in laufenden Verfahren und damit in einer Warteposition.“ Manche hätten Fragen zum Verfahren, andere zu ihrer Schwangerschaft, zur Geburt und zu den finanziellen Mitteln, die sie in diesem Zusammenhang beantragen könnten.

„Wir haben eine Lotsenfunktion“, meint Esser: So hätte sie viele Frauen zum Kinderarzt, zum Gynäkologen oder Sozialarbeiter vermittelt oder einen Kontakt zu ehrenamtlichen Paten aufgebaut.

Deshalb sei die Beratung durch eine Familienhebamme eigentlich nicht optimal. Stattdessen möchte die Eva ein interkulturelles Frauenfrühstückscafé für Schwangere und Mütter mit Kleinkindern aufbauen, bei dem auch professionell beraten wird, etwa zu Erziehungsfragen oder das Schulsystem. Begleitend soll es ein pädagogisches Angebot für die Kleinkinder geben. Vorbild für das Projekt ist das wöchentliche Frauencafé „MamaMia“ in Meckenheim, das die Eva bereits anbietet.

Die Finanzierung des Projekts ist noch nicht gesichert. Armin Walraff, Fachbereichsleiter Soziales der Gemeinde Swisttal, ist aber zuversichtlich, dass das Projekt im ersten Halbjahr 2017, vielleicht sogar schon vor Karneval starten kann: „Ich arbeite mit viel Optimismus daran.“

In der Gemeinde Swisttal leben aktuell 297 Flüchtlinge, 151 seien mit ihrer Familie hier, so Walraff. Insgesamt gäbe es 30 Familien unter den Flüchtlingen. Betrachtet man die Nationalitäten, stellen die Syrer die größte Gruppe (100 Personen), die zweitgrößte bilden Iraker (43 Personen).