Historischer Bau

Getreidespeicher soll Treffpunkt in Heimerzheim werden

Swisttal. Eine überparteiliche Gruppe will das historisches Lagerhaus „Untere Erft“ in Heimerzheim vor dem Abriss retten. Eine Sanierung kostet mindestens 600.000 Euro. Der Backsteinbau wurde 1900 errichtet und bis 1987 genutzt.

Im näheren und im weiteren Sinne an den Ufern der Erft liegen die Ortschaften der Gemeinde Swisttal nicht gerade. Viele Orte der 1969 gegründeten Kommune haben jedoch gemeinsam, dass sie am Ufer der Swist liegen. Warum es im Heimerzheimer Ortskern ein altes, ortsbildprägendes Gebäude an der zentralen Kölner Straße gleich neben der Gaststätte Klosterstuben gibt, das den Namen „Untere Erft“ trägt, ist leicht erklärbar: Zum einen plätschert der Swistbach im Nachbarort Weilerswist in die Erft, zum anderen hatte die Landwarengenossenschaft „Untere Erft“ das Gebäude von 1965 bis 1987 gepachtet.

Als herben Rückschlag für das Ansinnen, in dem schönen Backsteinhaus ein Haus der Swisttaler Geschichte einzurichten, empfinden die Vorstände des Fördervereins die vor kurzem von Gutachtern entdeckten Schäden an der Bausubstanz, die die Fachleute auf mindestens 600 000 Euro taxieren. Der Abrissbirne wollen sie dieses Haus, welches von innen wie von außen so viel Historie atmet, allerdings nicht überlassen, wie sie beim Ortstermin mit dem General-Anzeiger berichten.

Ein Stück weit erleichtert ist Tobias Leuning, Beisitzer im Fördervereinsvorstand und Swisttals SPD-Chef, dass der Bau-, Vergabe- und Denkmalschutzausschuss der Gemeinde in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen hat, die „Untere Erft“ weder abzureißen, noch zum sogenannten Restbuchwert von einem Euro zu verkaufen. „Wir müssen uns nichts vormachen: Es gibt gewiss in allen Ratsfraktionen genug Kollegen, denen dieses Gebäude nichts bedeutet“, findet Leuning.

Investor gesucht

„Dabei ist dieses Gebäude ein Stück Swisttaler Geschichte – nicht nur der eines einzelnen Dorfes“, unterstreicht Herbert Graubohm, stellvertretender Fördervereinschef. Von einem „Integrationsobjekt für Swisttal“ spricht der in Straßfeld lebende Karl-Heinz Peters, Vorsitzender des Fördervereins und Chef der Fraktion „Die Swisttaler“. Die landwirtschaftliche Prägung der Region werde in dem Gebäude erleb- und im Wortsinne begreifbar (siehe Kasten).

Wie es mit der „Unteren Erft“ weitergehen soll, ist schon bald Inhalt eines Gesprächs der Fördervereinsspitzen mit Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner (CDU). Dass das weitere Vorgehen mit der Verwaltungschefin abgesprochen werden soll, hatte der Ausschuss ebenfalls jüngst einstimmig beschlossen. Klar ist allerdings auch, dass die Sanierung der „Unteren Erft“ nicht aus dem Gemeindesäckel gezahlt werden kann. „Dass rund 600 000 Euro in die Sanierung fließen müssen, damit hatten wir nicht gerechnet“, meint Günter Tappeser, Schriftführer des Vereins, CDU-Ratsherr und Chef des Bau-, Vergabe- und Denkmalschutzausschusses.

„Wir wissen, dass wir dicke Bretter bohren müssen“, fügt er hinzu. Leuning äußerte die „vage Hoffnung“, dass sich ein Investor findet, der nicht nur dem Gebäude in Form eines Treffpunkts samt Hauses der Geschichte neues Leben einhaucht, sondern womöglich auch umliegende gemeindliche Flächen nutzen könnte. „Konzeptionell denken“, nennt dies Karl-Heinz Peters. Dafür sei der 2016 gegründete Förderverein offen.

Haus steht seit 1987 leer

„Um ein inhaltliches Konzept für ein Museum zu erstellen, fehlt uns leider das Gebäude“, meint Graubohm. An Ideen mangele es aber nicht. „Und nicht an Anschauungsmaterial“, fügt Schmidberger hinzu. Der Zehnthausverein in Odendorf habe das ein oder andere Exponat bereitliegen und in Ollheim seien einige Gerätschaften aus alter Zeit eigens eingelagert. Ein Komplettabriss der „Unteren Erft“, so vermutet Leuning, würde nicht weniger als „eine Revolution“ in Heimerzheim auslösen. In den 2000er-Jahren waren Ideen aufgekommen, im einstigen Lagerhaus ein Café, eine Touristeninformation oder ein Gemeindebüro unterzubringen, erinnert sich Schmidberger.

Seit 1987, seitdem das Gebäude in Gemeindebesitz ist, steht das Haus leer. Die Kommune baute das Betriebsgelände zurück und erneuerte das Dach. Zum Tag des offenen Denkmals können Neugierige mitunter die Gelegenheit nutzen, das frühere Lagerhaus und die darin befindliche Geschichte zu erleben.

Apropos Denkmal: Ob der Förderverein seiner Herzensangelegenheit, aus dem Lagerhaus ein Haus der Swisttaler Geschichte zu machen, näherkommt, wenn das historische Gebäude zum Denkmal erklärt wird, will der Vorstand eingehend prüfen, sagt Leuning. Potenzielle neue Fördertöpfe stünden mögliche Mehrausgaben für den Erhalt des Denkmals gegenüber. „Uns wird was einfallen“, sagt Tappeser vielsagend.