Gewässerschutz

Freiwilligkeit oder Gesetze?

Vielerorts ist zu viel Nitrat in Boden und Grundwasser - häufig ist die Düngung mit gülle in der Landwirtschaft dafür verantwortlich.

Vielerorts ist zu viel Nitrat in Boden und Grundwasser - häufig ist die Düngung mit gülle in der Landwirtschaft dafür verantwortlich.

SWISTTAL-MIEL. SPD-Bundestagsabgeordnete diskutieren in Swisttal mit Experten und Landwirten über Gülleverordnung und Gewässerschutz.

Der Frage „Landwirtschaft und Trinkwasserschutz – ein Konflikt?“ widmete sich eine Podiumsdiskussion, zu der die SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Hartmann und Wilhelm Priesmeier, Sprecher der AG Ernährung und Landwirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion, vor dem Hintergrund der anstehenden Novellierung des Düngegesetzes eingeladen hatten.

„Wir versprechen uns von dieser Veranstaltung wichtige Impulse, die wir mit in die Abstimmung nehmen können“, sagte Hartmann. Unter den mehr als 80 Interessierten waren neben Vertretern verschiedener Institutionen und Kommunalpolitikern vor allem viele Landwirte und Beschäftigte der Landwirtschaft. Unter der Moderation von Hartmann diskutierten sie mit den Fachleuten des Podiums, Renate Block von der Kreisstelle Rhein-Sieg der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer und dem stellvertretenden Vorstand des Erftverbandes Bernd Bucher, und machten ihre Sicht deutlich. „Man muss auf jeden Fall auch die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe im Auge behalten“, hielt Hartmann fest.

Im Bereich des Erftverbandes seien von 33 sogenannten Grundwasserkörpern 22 „in keinem guten beziehungsweise in einem schlechten Zustand“, sagte Priesmeier. Die dortigen Messungen hätten mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter ergeben. Von Seiten der EU sei inzwischen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet worden mit der Forderung, stärker gegen Verunreinigungen vorzugehen.

Priesmeier sagte, dass die Messungen von heute das Ergebnis von Düngungen seien, die Jahre und Jahrzehnte zurückliegen. Sein Fazit: die Düngeverordnung habe ihren Zweck nicht erfüllt. Es gebe Defizite im Vollzug und in der Kontrolle, ob sich alle Beteiligten an die Vorgaben halten.

„Im Rhein-Sieg-Kreis ist das Trinkwasser gut“, hob Renate Block hervor. Es liege nur ein einziger Brunnen über der 50-Milligramm-Nitrat-Grenze. Der Landwirtschaftskammer aber reiche die gültige Düngeverordnung nicht aus, sodass man eigene Proben nehme und damit in Kooperation mit dem Rhein-Sieg-Kreis weiter sei als die Düngeverordnung.

Nils Cremer, beim Erftverband für Qualität und Belastungen von Grundwasser zuständiger Hydrogeologe, erläuterte, dass in seinem Zuständigkeitsgebiet jährlich 1500 Grundwasserproben genommen würden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Qualität des oberflächennahen Wassers sehr von der Bodennutzung abhängig sei. Seine Forderung: „Die Sperrfristen müssen angepasst werden, damit nicht gedüngt wird, wenn die Pflanze den Dünger gar nicht mehr aufnimmt. Und wir müssen dafür sorgen, dass es nicht mehr attraktiv ist, Gülle aus den Niederlanden nach Deutschland zu bringen.“

Theo Brauweiler, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, wies auf die positiven Ergebnisse hin, die die Gewässerschutzkooperation „Drüber und Drunter“ und der Arbeitskreis Landwirtschaft, Wasser und Boden im Rhein-Sieg-Kreis (ALWB) bislang gebracht hätten. Seit Bestehen der Kooperation gebe es eine sinkende Tendenz. „Dieser Weg ist besser als von oben Gesetze zu erlassen. Solche Kooperationen haben bewiesen, dass sie funktionieren“, sagte Brauweiler. Holger Bäsel von der Grafschafter Bürgerinitiative gegen industrielles Güllelager und Massentierhaltung in Wohnortnähe sah das anders: „Es ist Fakt, dass das Wasser in Deutschland immer noch zu den schlechtesten in Europa gehört. Es besteht Handlungsbedarf seitens des Gesetzgebers, es geht einfach nicht mit Freiwilligkeit allein.“