Stolpersteine an der Kirchstraße

Erinnerung an die ermordeten Juden aus Heimerzheim

10.12.2015 Swisttal-Heimerzheim. Der Künstler Gunter Demnig verlegt am Samstag, 19. Dezember, ab 9.30 Uhr in Heimerzheim an der Kirchstraße Stolpersteine zum Gedenken an die ermordeten Juden des Ortes. Die Messing-Steine mit den Namen der Ermordeten werden vor deren ehemaligen Wohnhäusern (oder an den Stellen, wo diese standen) in den Bürgersteig eingelassen.

In den 30er-Jahren lebten in Heimerzheim 15 Juden. Die Familie Meier emigrierte 1938 in die USA, das Ehepaar Schmitz 1937 nach Argentinien. Die Familien Moses und Steinhardt sowie Helena Münch wurden 1942 deportiert und in Osteuropa ermordet.

Grünen-Ratsherr Udo Ellmer, Vorsitzender der örtlichen Projektgruppe Stolpersteine, lädt die Bürgerinnen und Bürger zur Verlegung der Steine ein. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten in ganz Deutschland und in mehreren Ländern Europas. Bereits im März hatte der Hauptausschuss auf Vorschlag der Grünen beschlossen, eine Projektgruppe zu gründen.

Unter dem Vorsitz von Udo Ellmer entwickelte die Gruppe den Leitgedanken: Nicht Schuld, sondern historische Verantwortung. Unter dieser Prämisse gelang es auch, Unterstützer gegen das Vergessen zu finden. "Ganz besonders freuen wir uns aber, dass sich auch so viele junge Menschen für das Projekt interessieren", hebt Ellmer hervor. Deshalb werden sich an den Feierlichkeiten auch Schüler der Georg-von-Boeselager-Schule und Konfirmanden beteiligen.

Pastorin Claudia Müller-Bück hat mit ihrer Konfirmandengruppe das Lied "oseh shalom" aus dem jüdischen Kaddisch vorbereitet, das sinngemäß "Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprechet Amen" bedeutet. In der Heimerzheimer Sekundarschule befasst man sich gegenwärtig ebenfalls intensiv mit dem Dritten Reich.

"Wir sind bei dem Themenkomplex der Judenverfolgung und Diskriminierung angelangt und erörtern gerade die Nürnberger Gesetze, um dann im Anschluss die Deportationen und die systematische Ermordung zu thematisieren. Dies soll verknüpft mit den lokalen Biografien aus Heimerzheim geschehen," so Jonas Weichel, Lehrer an der Heimerzheimer Sekundarschule.

"Die Einbeziehung junger Menschen ist von besonderer Bedeutung für das Projekt und für die Weitergabe der historischen Verantwortung an die folgenden Generationen", lobt Udo Ellmer die Initiativen. "Wir würden uns am 19. Dezember aber auch über eine gute Resonanz aus der Bevölkerung freuen."

Fragen werden unter folgender Mailadresse beantwortet: Stolpersteine-Swisttal@web.de. (ga/hpf)