Verkehrslärm in Swisttal

Entlang der A 61 und der B 56 ist es zu laut

SWISTTAL. Der Lärmaktionsplan für die Gemeinde Swisttal enthält zahlreiche Vorschläge für Schutzmaßnahmen. Die Palette reicht von Flüsterasphalt bis hin zu Schallschutzfenstern.

Die A 61 durchschneidet die Gemeinde Swisttal. Sie ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des deutschen Autobahnnetzes. Den Abschnitt zwischen den Kreuzen Bliesheim und Meckenheim befahren laut der jüngsten Zählung des Landesbetriebs Straßen NRW täglich rund 50.000 Fahrzeuge, darunter 10.000 Lastwagen. Entsprechend breit sieht auch der Lärmkorridor links und rechts der A 61 aus, den der vom Fachbüro Kramer Schalltechnik im Auftrag der Gemeinde erstellte Lärmaktionsplan Stufe 3 ausweist. In diesem sind besonders vom Lärm betroffene Gebiete benannt. Außerdem enthält er Vorschläge zum Lärmschutz.

Legt man die gesetzlich festgelegten Grenzwerte zugrunde, ist die Bevölkerung der Gemeinde Swisttal laut Lärmaktionsplan allerdings nur gering von gesundheitsgefährdendem Umgebungslärm betroffen. Demnach sind in der gesamten Gemeinde Swisttal nur 34 Personen bei Tag und 39 Personen bei Nacht von Überschreitung der sogenannten Auslösewerte betroffen. Die liegen nach Bundesimmissionsschutzgesetz auf jeden Fall vor, wenn an schutzwürdigen Gebäuden wie Wohnhäusern, Schulen oder Krankenhäusern die Werte 70 dB(A) bei Tag und 60 dB(A) bei Nacht erreicht oder überschritten werden.

Konkret betroffen von der A 61 (17,5 Millionen Fahrzeuge im Jahr) sind laut der Bewertung des Fachbüros drei Wohngebäude am Heidgesweg in Miel, eines im Außenbereich Dünstekovener Weg bei Ollheim und ein Haus in Heimerzheim an der Euskirchener Straße. Erstmals betroffen vom Lärm der B 56 (3,9 Millionen Fahrzeuge im Jahr) sind zwei Wohngebäude an der Bonner Straße in Miel bei Tag und drei Wohngebäude bei Nacht. Anders als im vorangegangenen Lärmaktionsplan Stufe 2 im Jahr 2013 ist die ehemalige Tankstelle und jetzige Kfz-Werkstatt nördlich der B 56 in Buschhoven kein betroffener Bereich mehr.

Lärmschutzwand hat etwas gebracht

Eine Verbesserung für Miel hat laut dem Gutachten die Lärmschutzwand entlang der A 61 gebracht. Das lasse sich deutlich an den Werten, gegenüber dem vorangegangenen Lärmaktionsplan Stufe 2 ablesen, dies insbesondere, da in Stufe 3 ein 18 Prozent höheres Verkehrsaufkommen eingerechnet worden sei. Zur weiteren Verkehrsentlastung für die Ortslage Miel verweist das Gutachten auf die Umgehung B 56n, die als vordringliche Maßnahme im Bundesfernstraßenplan enthalten ist.

Folgende Vorschläge der Gutachter für Lärmschutzmaßnahmen an den betroffenen Bereichen gibt es: Einbau lärmoptimierter Asphaltdecken, Erhöhung der Lärmschutzwände an der A 61, innerorts in Miel deutliche Verkehrsentlastung, Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer sowie passiver Lärmschutz der Aufenthaltsräume der Wohngebäude etwa in Form von dreifach verglasten Fenstern. Für das Gebäude am Dünstekovener Weg 30 werden eine mindestens 200 Meter lange Lärmschutzwand von vier Metern über Fahrbahnhöhe sowie passive Lärmschutzmaßnahmen empfohlen. Letztere werden auch für das Gebäude im Außenbereich Heimerzheim an der Euskirchener Straße 99 „in einem ersten Schritt“ empfohlen. Aktive Lärmschutzmaßnahmen mit Wänden allerdings müssten aufgrund der Lage relativ hoch sein, was als problematisch, weil sehr teuer, gewertet wird.

Ansprüche geltend machen aus dem Lärmschutzaktionsplan Stufe 3 können allerdings weder die Gemeinde Swisttal noch „dritte Personen“, wie Dirk Braun (Fachgebiet Gemeindeentwicklung) erläutert. Der Landesbetrieb Straßenbau hat laut Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner mitgeteilt, dass er „mit Maßnahmen nicht einverstanden“ sei.

Allerdings könne der einzelne Betroffene beim Landesbetrieb einen Antrag auf Lärmsanierung stellen. Dies aber erst nach einem noch zu fassenden Ratsbeschluss zum Lärmaktionsplan Stufe 3. Zunächst soll die Öffentlichkeit beteiligt werden: Der Plan ist im Rathaus in Ludendorf einzusehen.