Essiger Whiskyzirkel

Eintauchen in die Welt des Whiskys

Das ideale Whisky-Glas: Der Essiger Zirkel schwört auf die Tulpe.

Das ideale Whisky-Glas: Der Essiger Zirkel schwört auf die Tulpe.

SWISTTAL-ESSIG. Freunde des Getränks treffen sich regelmäßig zum Tasting in Essig. Der Zirkel hat sogar ein eigenes Wappen.

Gemütlich gemacht haben es sich die Mitglieder des Essiger Whiskyzirkels im Josef-Bienentreu-Haus. Auf dem dekorierten Tisch stehen viele Teelichter und vor allem Gläser, Wasser und Whisky. Wobei es bei ersterem ums Trinken in größeren Mengen geht, bei letzterem ums Probieren und Genießen. "Vingoer" heißt der Whiskyzirkel, das ist Gälisch, heißt "Essig" und nimmt Bezug auf den Ort. Sogar ein Wappen hat der Kreis aus 15 Frauen und Männern: Es verbindet das Andreaskreuz der schottischen Nationalflagge mit dem kurkölnischen Kreuz und dem siebenzackigen Stern des Essiger Klosters. Der Schriftzug "uisge beatha" (gesprochen "ischke bah") ist der gälische Begriff für "Wasser des Lebens", aus dem das Wort Whisky entstanden ist.

Wobei die Freunde dieses Getränks die Frage der Schreibweise Whisky oder Whiskey völlig leidenschaftslos sehen. Uwe Trompelt, mit Markus Vollberg so etwas wie der Vorstand der Gruppe, erklärt: Ursprünglich sollte auf diese Weise der schottische vom irischen Whiskey unterschieden werden, heute werde nur noch in Irland und den USA mit "e" geschrieben.

Zwei Mal im Jahr treffen sich die Zirkel-Mitglieder zu Probierabenden. Erstmals habe es ein solches Tasting am 23. November 2007 gegeben, hat Trompelt recherchiert. Er und Vollberg sind Schottland-Liebhaber, was sie auch durch das Tragen von Kilts des Clans Sutherland aus dem schottischen Norden zeigen. Allerdings werden im Whiskyzirkel nicht nur schottische Destillerie-Produkte vorgestellt. "Wir probieren auch amerikanische und welche aus aller Welt. Selbst in Bayern gibt es hervorragende Whiskys", sagt Vollberg. In Deutschland existierten mehr als 60 Destillerien, von Bayern über die Eifel bis ins Münsterland.

Neue Whiskys entdecken sie auf Messen, über Fachliteratur, bei Besuchen in Destillerien oder über Persönlichkeiten der Szene wie "Mr. Bourbon" alias Heinz Taubenheim, der in seinem Museum in Griebelschied mit mehr als 1500 Abfüllungen die weltgrößte Bourbon-Whiskeysammlung hat. Wer auf Reisen einen neuen Whisky entdeckt, bringt ihn mit und stellt ihn den Zirkelmitgliedern vor - egal, ob es ein Corn Whisky aus mindestens 80 Prozent Mais, ein Single Malt ausschließlich aus gemälzter Gerste oder ein Blend ist, eine Vermischung verschiedener Produkte. "Uns geht es darum, Whisky zu probieren und die Spreu vom Weizen zu trennen", sagt Vollberg. Und das geht über "schauen, riechen, schmecken". Eis und Cola sind verpönt. Und es kommt auf die richtigen Trinkgläser an. "Es müssen schon Nosing-Gläser sein", erklärt Zirkel-Mitglied Harald Windolph. Sie sind tulpenförmig und besonders geeignet. Noch besser seien sogenannte Blenders Malt Gläser. "Die sind standfester", sagt Trompelt. Auf jeden Fall müsse der Whisky Zimmertemperatur haben. "Wenn man dann noch etwas Handwärme zugibt, kann man noch mehr Aromen rauskitzeln." Ungeübte kommen da mitunter an ihre Grenzen, etwa bei einem sehr torfigen Whisky wie dem "Laphroaig" von der schottischen Hebrideninsel Islay.

Bei Bedarf bieten Vollberg und Trompelt deshalb zunächst ein "Einsteigertasting" an, fangen mit "relativ milden Sachen wie einem Whisky-Likör" an und steigern über 46- und 50- zu bis zu 60-prozentigem Whisky. Und immer "only a teaspoon", immer nur einen Teelöffel Whisky, denn es geht ums Probieren. Und nach jeder Probe wird das Glas ausgespült und zum Neutralisieren reichlich Wasser getrunken.

Whiskys können Aromen haben von Torf, Vanille, Heidekraut, Banane, Zitrusfrüchten, verschiedenen Holzsorten oder auch Schinkenrauch. "Unsere Nase kriegt fünf bis sechs Aromen hin, es gibt aber natürlich viel mehr", erklärt Vollberg. Und Trompelt ergänzt: "Das Schöne beim Tasting ist, dass es kein richtig oder falsch gibt, weil jeder andere Erfahrungen mitbringt. Ein Australier, der bei uns zu Gast war, konnte ganz andere Eindrücke liefern, weil er einen anderen Hintergrund hat."

Beliebt beim Zirkel sind Blindtastings, bei denen geraten und beurteilt wird, ohne den Namen zu kennen. Da kann auch schon mal ein Produkt aus einem Discounter als "für das Preis-Leistungs-Verhältnis gut trinkbar, aber nicht bundesligareif", bewertet werden.

Während der zwei- bis dreistündigen Verkostungen herrscht Rauchverbot, denn Tabak und Whisky vertragen sich nicht. Danach aber gibt's kein Halten mehr. Dann ist der Raum innerhalb von fünf Minuten eingenebelt vom Zigarren- oder Pfeifenqualm.

Offene Tastings

Uwe Trompelt und Markus Vollberg bieten auch Tastings für Interessierte außerhalb des Zirkels an. Für dieses Jahr sind zwei geplant in Odendorf im "Adler" und im "Café von Sturm". Infos unter Tel. 01 71/7 84 28 87 oder 01 71/5 44 63 25 und per E-Mail an kontakt@ tasting-team.de.