Eisspeicher-Heizung

Ein Kran hebt vier Zisternen an ihren Bestimmungsort

Eine der sieben Tonnen schweren Zisternen wird per Kran in den Hof gehoben.

28.11.2013 SWISTTAL-OLLHEIM. Die Baustelle ist vorbereitet. Eine Grube von 12,80 Meter Länge und 3,50 Meter Breite und Tiefe gähnt im Hof des Hauses von Thomas (59) und Martin Maintz (45). Auf dem Nachbargrundstück warten vier Zisternen für eine Eisspeicher-Heizung darauf, abgeholt und in den Boden versenkt zu werden. Die runden Behälter haben einen Durchmesser von 2,70 Meter.

Die ersten am Ort des Geschehens sind am Donnerstag die Kranfahrer. Schon um fünf Uhr morgens sind sie mit dem 200-Tonner in Köln losgefahren. In den meisten Häuser brennt noch kein Licht, als die Männer die Abstützplatten für den Kran auf der Straße auslegen. Kranführer Gerhard Becker installiert vier Ballastplatten als Gegengewichte auf dem Kran. Sie sind insgesamt 42 Tonnen schwer.

8 Uhr: Es wird hell. Ein Lkw mit Autokran fährt auf dem Nachbargrundstück vor, um die Zisternen zum Kran zu bringen. Das nasskalte Wetter sorgt für eine unangenehme Überraschung: Tief graben sich die Räder in den Rasen des Nachbarn, die Wiese ist beschädigt. Thomas Maintz sagt später: "Das war der Wermutstropfen bei der ganzen Aktion." Doch der Schaden ist behebbar: Ein Gärtner ist schon beauftragt.

Die vier Zisternen werden auf die Breite Straße - die ein Stück gesperrt ist - hinter den Kran transportiert. An drei großen Eisenschlaufen hebt der die erste, sieben Tonne schwere Zisterne in die Höhe, über die Dächer der umliegenden Häuser bis in den Hof der Brüder Maintz. Innen beginnt die Feinarbeit. In der Grube stehen zwei Männer, die auf den Mindestabstand und die waagerechte Lage der Zisternen achten.

"Nochmal hoch und etwas nach rechts", rufen sie Sergej Konrad zu, der mit dem Kranführer zusammenarbeitet. Denn der steht mit dem Kran ja auf der anderen Seite der Häuserzeile und kann die Handzeichen der Männer nicht sehen. "Hub auf", spricht Konrad in sein Funkgerät. "Dann etwas nach rechts schwenken." Gegen zehn Uhr sind die vier Zisternen versenkt. In ihrem Inneren sieht man ein Gewirr aus Polyethylen-Rohren. "Die äußeren Rohre sind die der Sonnenkollektoren", erläutert Thomas Maintz, "die inneren gehören zur Wärmepumpe, die dem Wasser die Wärme entzieht."

Auf die Zisternen folgen nun die Behälterabdeckungen: Auch sie werden mit dem Lkw vom Nachbargrundstück auf die Straße vor dem Grundstück der Brüder Maintz gefahren, und mit dem Kran über die Dächer gehoben. Gegen Mittag sind die Arbeiten abgeschlossen.

Oben in der Mitte der Abdeckungen ist jeweils ein rundes Loch, auf das ein Kanaldeckel gesetzt wird. Er kann später zu Wartungs- und Reparaturzwecken abgenommen werden, wenn die Grube rundherum wieder zugeschüttet ist. Einen der Deckel möchte Thomas Maintz transparent gestalten.

So können Interessierte sich von oben das Innenleben der zukünftigen Eisspeicher ansehen. Maintz ist Mitglied im Klimapaten-Netzwerk der Projektgruppe "Erneuerbare Energien-Energieeffizienz". Hier engagieren sich Bürger aus dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, die Maßnahmen für den Klimaschutz ergriffen haben. Die Vorfreude auf die Inbetriebnahme des Heizsystems ist Maintz anzusehen: "Ich bin begeistert, seit wir die Entscheidung für die Eisspeicher-Heizung getroffen haben."

Die Eisspeicher-Heizung: Idee und Funktionsweise

Eine Eisspeicher-Heizung macht es möglich, Sonnenenergie zu speichern. Die vier Zisternen, die bei Thomas und Martin Maintz in den Boden eingebracht wurden, werden mit Wasser befüllt. Durch Solarmodule an der Wand des Hauses wird Sonnenenergie gewonnen, die das Wasser erwärmt.

Unterstützend wirkt die Erdwärme um die Zisternen, die die Speicherung der Wärme ohne aufwendige Isolierung ermöglicht. Beginnt die kalte Jahreszeit, kann die Wärme genutzt werden. Eine Wärmepumpe entzieht sie dem Wasser und führt sie dem Heizsystem zu. Das Wasser wird dabei abgekühlt, manchmal gefriert es sogar. Deshalb wird die Anlage auch als Eisspeicher-Heizung bezeichnet. In der warmen Jahreszeit kann auch die entstandene Kälte genutzt werden, um das Haus oder einzelne Räume zu kühlen. (Bettina Thränhardt)