Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“

Diskussion um Energiewende im Rhein-Sieg-Kreis

Hermann Schlagheck, Sprecher der Projektgruppe "Erneuerbare Energien, Energieeffizienz", zwischen den Solarkollektoren auf dem Dach seines Hauses in Swisttal-Heimerzheim.

Hermann Schlagheck, Sprecher der Projektgruppe "Erneuerbare Energien, Energieeffizienz", zwischen den Solarkollektoren auf dem Dach seines Hauses in Swisttal-Heimerzheim.

Rhein-Sieg-Kreis. Die ehrenamtliche Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ feiert zehnjähriges Bestehen. Initiative will den "Masterplan Energiewende" des Kreises diskutieren.

Eine Vorstellung von der Bedeutung erneuerbarer Energien darf heutzutage wohl in jedem deutschen Haushalt vorausgesetzt werden, selbst wenn dieser bei der Strom- und Wärmeerzeugung auf fossile Brennstoffe zurückgreift. Als Antwort auf den Klimawandel hat insbesondere die von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende zu einer Gewöhnung an Solarkollektoren, Windräder oder Biomasse-Heizkraftwerken geführt.

2007, als die linksrheinischen Kommunen im Kreis die Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ ins Leben riefen, stellte dieses Wissen allerdings noch keine Selbstverständlichkeit dar, wie Professor Hermann Schlagheck berichtet. Der pensionierte Ministerialdirektor aus Swisttal-Heimerzheim ist Sprecher und Koordinator des ehrenamtlichen Zusammenschlusses aus Bürgern, Unternehmern sowie Mitarbeitern der Kommunalverwaltungen, der den Klimaschutz in der östlichen Voreifel zur Graswurzelbewegung gemacht hat und an diesem Donnerstag sein zehnjähriges Bestehen feiert.

„Am Anfang stand für die Projektgruppe die Frage im Mittelpunkt: Wie können wir den Menschen erneuerbare Energien verständlich machen?“, erinnert sich Schlagheck an die ersten Auftritte des Arbeitskreises auf Messen und Ausstellungen. Seitdem hätten die Folgen von Menschen freigesetzter Treibhausgase jedoch so viel Beachtung gefunden, dass diese Aufgabe mittlerweile überflüssig ist. Erneuerbare Energiequellen – als Alternative zu endlichen Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle – verzeichneten einen ansteigenden Bekanntheitsgrad, so Schlagheck.

"Energietage" heißen "Klimatage"

Zu einem Selbstläufer sei die auf einer Reihe von Einzelmaßnahmen basierende Arbeit der Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ deshalb aber längst nicht geworden. Im Gegenteil. Energiesparen sei in den letzten Jahren zunehmend „uncool“ geworden, sagt Schlagheck und bezieht sich dabei auf Erfahrungen, die die Projektgruppe etwa im Rahmen von Workshops und durch sie organisierte Energieberatungen gemacht hat.

Schlagheck: „Bei stagnierenden Strompreisen hat der Klimaschutz eine größere emotionale Bedeutung erlangt, als die Energieeffizienz.“ Für die Projektgruppe, die in Bornheim, Alfter, Swisttal, Rheinbach, Meckenheim und Wachtberg Experten aller wesentlichen Träger erneuerbarer Energien zu ihren Mitgliedern zählt, bedeute dies, dass bei ihrer Arbeit der Klimaschutz stärker in den Vordergrund gerückt werden muss. Auch begrifflich hat dies Folgen: Die seit 2010 jährlich durchgeführten „Energietage“, zu deren Programm unter anderem Vorträge zu Klima- und Energie-themen gehören, heißen nunmehr „Klimatage“.

Rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre hat sich die Projektgruppe „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“, die aus der Zusammenarbeit der sechs linksrheinischen Rhein-Sieg-Kommunen bei der Umsetzung eines Konzeptes zur integrierten ländlichen Entwicklung (Ilek) hervorgegangen ist, exemplarisch durch folgende Aktivitäten einen Namen gemacht: Austausch mit Bürgermeistern und Verwaltungen bei Maßnahmen (unter anderem beim Rathausneubau in Meckenheim), Herausgabe der Ilek-Broschüren „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ sowie die Wahl des „Klimapaten“ seit 2011.

"Wir tragen eine große Verantwortung"

Am Donnerstagabend feiert die Initiative den Geburtstag im Swisttaler Rathaus. Bei dieser Gelegenheit wird die Projektgruppe auch den „Masterplan Energiewende“ diskutieren, den der Kreistag im April dieses Jahres beschlossen hat. Schlagheck sieht die Gefahr, dass eine „Doppelstruktur“ in Sachen Klimaschutz im Rhein-Sieg-Kreis entstehen könnte. Etwas, was seiner Meinung nach vermieden werden müsse.

Er kündigte „Anregungen“ an, die die Basis für einen Austausch zwischen Projektgruppe und Verantwortlichen beim Kreis sein sollen. Die Arbeit für den Klimaschutz wollen er und seine Mitstreiter fortsetzen – ohne die für dieses Thema übliche Schwarzmalerei und ohne erhobenen Zeigefinger. Schlagheck: „Wir tragen eine große Verantwortung dafür, dass wir unsere Kinder nicht mit dem Klimawandel alleine lassen.“