Ollheimer König-Orgel

Die Pfeifen werden zurzeit in der Bonner Firma Klais restauriert

SWISTTAL-OLLHEIM. Wie einfach Denkmalpflege manchmal sein kann: In der Ollheimer Pfarrkirche Sankt Martinus und ihrer Vorgängerkirche stand eine Orgel aus dem Barock. Vielerorts wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die "alten" Orgeln durch neue ersetzt.

Dafür allerdings hatte die Kirchengemeinde in Ollheim kein Geld, und so blieb die barocke Orgel einfach stehen. Ein Glücksfall, wie sich weitere hundert Jahre später herausgestellt hat. Denn bei der Orgel handelt es sich nachweislich um ein Instrument des bedeutenden Orgelbauers des rheinischen Barock, Christian Ludwig König (1717-1789).

Als eine ganz besondere Kostbarkeit bezeichnete sie Hans-Wolfgang Theobald, promovierter Musikwissenschaftler, Organist, Orgelbauer und Leiter der Orgelrestaurierung in der Bonner Orgelbaufirma Klais, wo die Pfeifen des Instruments derzeit restauriert werden.

"Es ist einfach sensationell, dass diese Orgel fast vollständig im Originalzustand erhalten ist, sogar die Prospektpfeifen sind noch vorhanden. Es sind die einzigen original erhaltenen König-Prospektpfeifen, die es in ganz Deutschland gibt", sagte er in der Werkstatt vor rund 20 Interessierten aus Ollheim und anderen Swisttaler Ortschaften sowie Vertretern der Bezirksregierung Köln und des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Die Pfeifen stammen aus dem Jahr 1768 und tragen die Originalsignatur. Sehr klein und fein geschrieben, hätte ein Laie diese wahrscheinlich übersehen.

Nicht so der Fachmann: "Die Schriftweise ist typisch für König. Anhand dessen konnte nachgewiesen werden, dass die Orgel eindeutig ihm zuzuweisen ist." Jede Pfeife trägt die Signatur ihrer Stimmhöhe, quasi als Bauanleitung des gesamten Instruments, erklärte Theobald. Und fügte hinzu: "Die Äbtissin von Schillingscapellen hat sich den besten Orgelbauer geholt, den sie damals bekommen konnte."

Wie berichtet, stammt die Orgel aus dem 1802 aufgelösten Kloster Schillingscapellen. Nach Erkenntnissen des Heimerzheimers Rudolf Bölkow soll es sich dabei ursprünglich um eine Stiftung der Kölner Patrizierfamilie von Brackel zu Breitmar gehandelt haben, aus Anlass der Wahl von Maria Lambertina (1705-1790) im Jahr 1767 zur Äbtissin von Schillingscapellen. Lieferung und Aufbau der Orgel sollen dann 1768 oder 1769 erfolgt sein, bezog sich Kirchenvorstandsmitglied Heiner Meurs auf eine Monografie Bölkows zu Schillingscapellen. Genaue Belege dazu konnten bislang in Archiven noch nicht gefunden werden. 1806 jedenfalls kam die Orgel zunächst in die inzwischen abgerissene alte Ollheimer Kirche, seit 1917 steht sie auf der Empore der neuen Kirche Sankt Martinus.

Gehäuse, Windlade, der Großteil des Pfeifenwerks einschließlich der Prospektpfeifen und Teile der Mechanik, darunter die Manualklaviatur, sind noch original vorhanden. Einige wenige erfolgte Instandsetzungsarbeiten, die aus heutiger Sicht so nicht mehr vorgenommen würden, werden in der Bonner Orgelbauwerkstatt repariert. Zum Patronatsfest am 9. November soll die König-Orgel dann in komplett restauriertem Zustand wieder in Sankt Martinus Ollheim erklingen.

Anders als zunächst geplant, wird die Orgel allerdings nicht unten im sichtbaren Bereich der Taufe platziert, sondern auf der Empore als sogenannte Brüstungsorgel. Es sei davon auszugehen, dass die Orgel auch ursprünglich, wie aus Frauenstiftskirchen überliefert, als Brüstungswerk konzipiert gewesen sei, so Meurs: an der Brüstung der Nonnenempore - dem Chorgestühl wie dem Kirchenraum gleichermaßen zugewandt. "Diese Aufstellmöglichkeit eröffnet sich, wenn der Unterbau schlüssig zur Brüstung auf die Empore gestellt wird und der barocke Prospekt in axialer Ausrichtung, mit den typischen König-Merkmalen die Emporenbrüstung überragt", so der Kirchenvorstand.